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Nougat-Allee im Thüringer Wald

In Schmalkalden hat der Süßwaren-Hersteller Viba seine Erlebniswelt eröffnet - daraus soll auch eine touristische Attraktion werden. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Von Jens Wenzel
  • Pralinen über Pralien: für den Tag der offenen Tür bei Viba am Sonntag sind schon vorbereitet. Ab Montag hat die Gläserne Fabrik regulär geöffnet. Foto: dapd
  • Viba-Geschäftsführer Karl Heinz Einhäuser Foto: fotoart-af.de
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Schmalkalden - Urlaubern im Thüringer Wald soll mehr geboten werden als schöne Natur. Alternativen und Ergänzungs-Angebote seien gefragt, sagt die Geschäftsführerin des Regionalverbundes Thüringer Wald, Marietta Schlütter.

Ein solches Extra-Angebot hat jetzt in Schmalkalden eröffnet: Die Nougat-Erlebniswelt. Es gehe darum, nicht einfach nur Einblicke in die Produktion mit einer gläsernen Fabrik zu geben, sondern den zart schmelzenden Genuss von Nougat auf der Zunge auch mit anderen Sinnen erlebbar zu machen, schwärmt Viba-Geschäftsführer Karl Heinz Einhäuser. Ebenfalls im Angebot: Eine Station, an der Besucher ihre individuelle Nougatstange zusammenstellen können.

Die Gäste anlocken

Das Konzept der Schmalkalder Süßwaren-Hersteller setzt darauf, dass die Urlauber aus der Rennsteig-Region künftig eben genauso auf die Pralinen-Show in der eigens umbenannten Nougat-Allee setzen, wie etwa die Urlauber im Erzgebirge den Nußknacker-Schnitzern über die Schulter schauen und sich im Selbermachen von Räucherkerzen versuchen. "Für mich hat das einen Stellenwert wie auch das Meeresaquarium in Zella-Mehlis, das im Vergangenen Jahr die Marke von 350 000 Besuchern geknackt hat", sagt Marietta Schlütter. Der Regionalverbund rührt die Werbetrommel und auch auf der Internet-Seite der Thüringer-Tourismus GmbH wird die Nougat-Erlebniswelt als eines von zehn kulinarischen Angeboten aufgeführt, neben der Senfmühle Kleinhettstedt oder dem Herbslebener Spargel.

Doch die Praxis erweist sich gern schwieriger als die Theorie. Das hatte auch Karl Heinz Einhäuser erfahren müssen. Schon im Herbst war ihm der Kragen geplatzt: Die Hoteliers und andere Touristik-Anbieter der Region dazu zu bringen, dass sie vielleicht auch ein paar Prospekte der Erlebniswelt auslegen, sei unerwartet kompliziert. Er greife deshalb auf Eigeninitiative zurück.

Sich selbst kümmern

Da war es wieder, das alte Problem der Touristik-Vermarktung im Thüringer Wald: So richtig zusammen geht manches einfach nicht - obwohl doch alle davon profitieren würden, und ihre Gäste sowieso. Am Ende musste sich also der Geschäftsführer eines Süßwaren-Unternehmens nicht nur um die Kreation neuer Pralinen oder den Absatz der Produkte in den eigenen Läden in vielen Städten der Republik kümmern - er musste auch noch Kontakte zu Reiseveranstaltern und den Kommunen knüpfen, in denen die Gäste und potenziellen Besucher der Erlebniswelt zu finden sind. "Wir haben die verschiedensten Einrichtungen und Anbieter kontaktiert", berichtet Einhäuser. Angesichts des Trubels um die Eröffnung habe das Thema in der letzten Zeit allerdings an zweiter Stelle gestanden, gibt er zu.

Nicht immer waren die Bemühungen als Selbst-Vermarkter von Erfolg gekrönt. So ist die Erlebniswelt nun zum Beispiel nicht in der "All-inclusive-Card" enthalten, die die Urlauber in Oberhof zugesteckt bekommen. Mit der Bonuskarte werden bei 65 Sport- und Freizeitangeboten in der Ferienregion lukrative Rabatte gewährt - sei es freier Eintritt im Rennsteiggarten oder ein Paar Leih-Schneeschuhe für einen Tag von einem Sportfachgeschäft. "Die Oberhof All Inclusive Card liefert Ihnen viele Ideen für Ihren Urlaub in der Ferienregion Oberhof", bewirbt die Stadt selbst ihr Angebot. Nur eben die Nougat-Erlebniswelt ist nicht dabei.

Wie aus der Branche zu hören ist, soll das ganze Problem am Ende auch eine Frage des Geldes gewesen sein. Um den Urlaubern ein kostenloses Nougat-Erlebnis zu ermöglichen, hätten die fünf Euro Eintritt pro Person von anderer Seite her aufgebracht werden müssen. Bei 10 000 Besuchern pro Jahr käme dann der stolze Betrag von 50 000 Euro zusammen.

Andere Firmen einbinden

Mit einer anderen Tourismus-Entscheidung des Landes dagegen kann Viba recht gut leben: Die zunächst für das Jahr 2013 geplante Landesgartenschau in Schmalkalden wurde auf das Jahr 2015 verschoben - genug Zeit also für die Nougat-Macher, ihre Erlebniswelt in aller Ruhe zu etablieren, bevor mit der Gartenschau vielleicht doch noch ein paar mehr Besucher vor allem aus anderen Teilen Thüringens in die Fachwerk-Stadt gespült werden.

Marietta Schlütter will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich doch noch Lösungen finden lassen - mit dem Ski-Hersteller Germina klappe die gemeinsame Vermarktung schon ganz gut. Andere Hersteller wie Thüringer Waldquell könnten ebenso ins Boot kommen. Einziges Problem: Auch darüber wird seit dem Aufbau des Thüringer Regionalmarketings bei der IHK vor rund sieben Jahren diskutiert.

    
    

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