zuletzt bearbeitet: 14.01.2012 05:35 Uhr
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Ski made in Coburg
Der Student Johannes Stöcker sucht die optimalen Bretter für seine Leidenschaft. Kurzerhand greift er zu Kunststoff und Holz und baut sich selbst welche. Aber Völkl und Co will er keine Konkurrenz machen.
Coburg - Auf der Suche nach dem perfekten Ski findet Johannes Stöcker lange kein Modell, das ihm zum ultimativen Pistenspaß taugt. Bis zum Jahr 2009. Die passenden Bretter kommen aber nicht von Völkl, Blizzard, Atomic oder Co. Der damals 24-Jährige baut sich selbst welche in einer kleinen Werkstatt in Coburg. Maßgeschneidert von Pulverplus, wie er seine eigene Marke nennt.
Von der Idee bis zum fertigen Ski kommt der angehende Innenarchitekt freilich oftmals in unwegsames Gelände. "Ich habe bei Null angefangen und mir zunächst ganz viel theoretisches Wissen angeeignet", erinnert er sich, wie er Stunde über Stunde recherchiert hat. Und dann fängt er an und probiert aus, probiert aus, probiert aus. Fehlerquellen im Ski-Bau gibt es viele, muss er feststellen. Bei den ersten Versuchen auf der Piste geht sogar ein Ski kaputt. Aber das ist Schnee von vorvorgestern.
Heute nimmt Stöcker einen gesinteten Kunststoffbelag, an den er rechts und links Stahlkanten befestigt. Darauf legt er Gummistreifen zur Dämpfung. Es folgen Ober- und Untergurt aus Glasfaser, punktuell verstärkt mit Karbon. Und dazwischen kommt der Holzkern, "das Herzstück eines jeden guten Skis", wie der Pisten-Tüftler betont. Ein Ski ohne Vollholzkern sei Schrott, meint er. Am liebsten greift er zur Esche, wegen der Langfaserigkeit. Dazu nimmt er noch Pappel. Stöckers Holzkerne haben im Bindungsbereich eine Stärke von rund zwölf Millimeter, an den Enden rund drei. Bei Damen-Modellen entsprechend weniger. "Das passe ich dem jeweiligen Fahrvermögen an", sagt er. Zum Schluss kommt das Deck, wobei es für den Skibauer bei den grafischen Möglichkeiten kaum Grenzen gibt: "Vom Blattgold bis zum Holzfurnier ist alles machbar." Nur Kunststoff nimmt er nicht so gern.
Und wie kommen die gebogenen Enden zustande? Stöcker hat extra eine Skipresse konstruiert, in der Kunststoff, Holzkern, Glasfasermatte und Deck zusammengepresst werden. Vier Tage lang bei drei bis vier Bar. Anschließend schneidet er mit Stichsäge und Oberfräse aus dem Gepressten die jeweiligen Ski. Mit hoher Präzision, auf den zehntel Millimeter genau. Wie genau Stöcker arbeitet, demonstriert er, in dem er zwei Pulverplus-Ski in die Hände nimmt. "Der wiegt 1600 Gramm", hält er einen in die Höhe, und "der hier 1593 Gramm". Nur sieben Gramm Differenz. In der Industrie müsse man mit Differenzen von bis zu 30 Gramm rechnen. Deswegen lägen Pulverplus-Ski optimal im Schnee.
Apropos Schnee: Stöcker flitzt auf weißen Pisten ins Tal, seit er laufen kann. Aufgewachsen in Kirchenlamitz im Fichtelgebirge, der Vater Skilehrer, da muss er nicht viel mehr dazu sagen. Skifahren als Lebensinhalt. Präparierte Pisten reichen ihm schon lange nicht mehr. "Ich brauche Neuschnee, am besten einen halben Meter, dann bin ich in meinem Element", erläutert er.
Eine Woche Arbeitszeit stecken in einem Paar Ski von Pulverplus. Deswegen schlagen sie mit rund 1000 Euro zu Buche. Ohne Bindung. Im Angebot hat der 26-Jährige im Moment vier Modelle. Bei Extra-Wünschen, wenn Stöcker eine neue Schablone anfertigen muss, wird es noch teuer.
Völkl, Blizzard, Atomic, Pulverplus. Diese Aufzählung wird es in Zukunft so nicht geben. Zwar fertigt Stöcker Ski um Ski, aber nicht im großen Stil. Hauptsächlich für die Familie und für Freunde stellt er sich in die Werkstatt, nimmt aber auch Fremdaufträge an. Im Moment ist er bis März ausgelastet. Gewerbsmäßig möchte er die Ski-Produktion aber nicht betreiben, betont er, "mein Hobby mache ich nicht zum Beruf." Nach bestandener Diplomarbeit - in Zusammenarbeit mit einem Ski-Hersteller, was sonst - möchte er lieber als Innenarchitekt arbeiten. Am besten in Coburg oder in den Alpen. Die Betonung liegt auf Alpen.
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Seit einigen Jahren bietet die Industrie sogenannte Rocker-Ski an. Sie sind an den Skispitzen stark aufgebogen, manchmal auch an den Enden. Rocker sind beliebt, weil die hochstehenden Spitzen in weichem Schnee den Auftrieb erleichtert, der Ski sich auf präparierter Piste aber dennoch gut einlenken lässt. Stöcker baut bei seinen Skiern ebenfalls Rocker-Technik ein, "damit er im Tiefschnee besser schwimmt", wie er sagt. Gleichzeitig nutzt er aber auch Elemente des klassischen Skis, in dem er durch die Bauweise dafür sorgt, dass sie unter der Bindung nicht aufliegen. "Das muss man sich vorstellen wie bei einem extrem in die Breite gezogenen W", erklärt der 26-Jährige, der von einem Zwitter-Modell spricht, das sich sowohl für die Piste als auch fürs Gelände eignet. Stöcker: "Ich habe den idealen Kompromiss aus Wendigkeit und Laufruhe gesucht, eine Spaßmaschine für den Schnee." mar
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