27.03.2012 00:00 Uhr, Leseranwalt
Frage des Tages

Die Sache mit dem Weidenbaum

"Kann mein Nachbar verlangen, dass ich meinen Baum fällen muss, weil er den Wäscheplatz und die Terrasse des Nachbarn beschattet und einmal im Jahr Weidenkätzchen abwirft, die er angeblich nicht mit dem Rechen entfernen kann, sondern mit den Fingern aufheben muss?", möchte ein Leser wissen.

"Kann mein Nachbar verlangen, dass ich meinen Baum fällen muss, weil er den Wäscheplatz und die Terrasse des Nachbarn beschattet und einmal im Jahr Weidenkätzchen abwirft, die er angeblich nicht mit dem Rechen entfernen kann, sondern mit den Fingern aufheben muss?", möchte ein Leser wissen.

Die Redaktion recherchiert bei der Eigentümer-Vertretung Haus & Grund Bayern. "Bäume und Sträucher dürfen selbstverständlich auf Grundstücken angepflanzt werden, allerdings sind Grenzabstände zu wahren", erklärt dazu Dr. Ulrike Kirchhoff. So müssen in Bayern etwa Bäume, Sträucher und Hecken bis 2 Meter Größe 50 Zentimeter von der Grundstücksgrenze entfernt bleiben. "Bei Bäumen, Sträuchern und Hecken über zwei Meter muss gar ein Abstand von zwei Meter eingehalten werden", sagt die Expertin. "Werfen Gehölze Schatten auf das Nachbargrundstück, kann der Nachbar grundsätzlich Rückschnitt oder Beseitigung der Gehölze verlangen, im Zweifel auch einklagen."Aussicht auf Erfolg habe dieses Vorgehen in der Regel jedoch nur, wenn die Grenzabstände unterschritten sind. Und auch in diesem Fall nur dann, wenn der Anspruch noch nicht verjährt ist.

"In Bayern etwa verjährt der Anspruch nach fünf Jahren, gerechnet mit dem Ablauf des Kalenderjahres, in dem gepflanzt wird beziehungsweise in dem die Pflanzen die zulässige Höhe überschreiten." Sind die Grenzabstände eingehalten, haben Klagen auf Rückschnitt von Bäumen oder Hecken wegen Verschattungen des Nachbargrundstücks nur in seltenen Fällen Erfolg.

Fallen Laub oder Blüten auf das Nachbargrundstück, handelt es sich zwar um Immissionen, doch führen sie in der Regel nicht zu wesentlichen Beeinträchtigungen. Aus diesem Grund lehnen die Gerichte in der Regel ab, dem Nachbarn einen sogenannten Abwehr- oder Entschädigungsanspruch zuzuerkennen. Dies dürfte auch der Fall sein, wenn von einem Baum Weidenkätzchen auf das Nachbargrundstück fallen. Damit habe im vorliegenden Fall der Nachbar nur wenige rechtliche Möglichkeiten, eine weitere Kürzung des Baumes zu verlangen. kd

Quelle: www.np-coburg.de
Artikel: http://www.np-coburg.de/regional/leseranwalt/Die-Sache-mit-dem-Weidenbaum;art134103,1945997
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