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Azubi-Notstand im Glaswerk

Wiegand-Glas in Großbreitenbach ist in Sorge um die Zukunft: Zehn Jugendliche könnten im Sommer in die Ausbildung starten, nicht einer hat bisher Interesse bekundet, heißt es im Unternehmen.

Von Thomas Klämt
  • Oliver Wiegand
  • Bei Wiegand-Glas in Großbreitenbach gibt es 20 verschiedene Berufe zu erlernen, erstmals stehen Bewerbungen hierfür nun auf null - Jugendmangel. Foto: b-fritz.de
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Großbreitenbach - Oliver Wiegand stehen Sorgenfalten auf der Stirn: Der Unternehmenschef von Wiegand-Glas ahnt schwierige Zeiten, was den Nachwuchs des Glasherstellers in Großbreitenbach angeht. Junge Leute würden als Nachrücker gebraucht, das Unternehmen sucht in seinen zwei Tochterunternehmen hier mindestens zehn Auszubildende, doch die Nachfrage hält sich in Grenzen, genauer gesagt auf null: "Wir haben bisher keinen einzigen neuen Lehrling für dieses Jahr", sagte Wiegand diese Woche. Grund sei, dass es offenbar zu wenig Schulabgänger in der Region gebe. Früher hatte die Regelschule einmal 120 Abgänger pro Jahrgang ins Ausbildungsleben entlassen, zuletzt waren dies gerademal noch 16. "Und um die reißen sich sämtliche Betriebe hier in der Region", weiß Wiegand, der berichtet, dass selbst schon in Schlossereien mit handwerklich schwerer Arbeit Mädchen gesichtet würden. Etwa 20 verschiedene Lehrberufe biete der Glashersteller in Großbreitenbach vom Industrieglasfachmann bis zur kaufmännischen Angestellten. "Wenn wir am Standort hier erfolgreich produzieren wollen, benötigen wir junge Leute", sagt Oliver Wiegand. Das betreffe auch andere Unternehmen, doch es fehle auf lange Zeit an Nachwuchs. Die Region werde also nicht umhin kommen, diese jungen Leute auch aus dem Ausland hierher zu holen, stellte er in Aussicht. "Wir werden nicht ohne Zuzug von ausländischen Mitbürgern auskommen", prophezeihte er diese Woche am Standort Großbreitenbach.

Befragt, was er sich von der Kommune als Unterstützung wünsche, sagte er, diese könne helfen, es für Familien hier angenehm zu machen. Auf das Thema Schulstandort angesprochen, sagte Wiegand, er verfüge nicht über das Hintergrundwissen, an welchem Ort sich eine Schule hier in der Region besonders gut mache, wichtig sei aber natürlich, dass es Schulen auch auf dem Land gebe. Da aber wolle er den Trägern nicht hineinreden. Als besonders bedeutsam hob er die TU Ilmenau für die umliegenden Orte hervor, die müsse auf jeden Fall erhalten bleiben.

Moralische Bedenken

Am Rande der Verleihung des TÜV-Zertifikats Energiemanagement in der letzten Woche beantwortete der Chef der Firmengruppe auch Fragen zum Plan Großbreitenbachs, energieautarke Stadt zu werden. "Mit uns wird's nicht gehen", sagte Oliver Wiegand, dass die Glaswerke "deutlich mehr Energie verbrauchen, als die ganze Stadt". Noch ein anderer, ein moralischer Fakt, spielt dabei für Wiegand eine besondere Rolle. Mit dem TÜV-Zertifikat beteiligt sich das Unternehmen zum Großteil nicht an Mehrkosten, die jedem Bürger für die Einspeisung erneuerbarer Energien auferlegt werden, das Unternehmen erwartet hier, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, einen erheblichen Nachlass. "Es widerstrebt mir, dann aber im Gegenzug aus dem EEG noch Geld zu ziehen, weil wir vielleicht Solarstrom einspeisen", sagte Wiegand diese Woche. Er fühlte sich dann so, als würde er "das System hintergehen". Das wolle er aber nicht. Solartechnik also komme für das Unternehmen in Großbreitenbach nicht infrage, Erdwärme verbiete sich nach den Tunnelbauten, aber dennoch wolle Wiegand der Stadt indirekt bei ihrem Ziel mithelfen. "Am ehesten geht es noch, weitere Restwärme aus den Abgasen zu nutzen", sagte Rene Queren, von der Stabsstelle Umweltmanagement des Unternehmens in diesem Bereich weitere Untersuchungen zu, wie auch permanent daran gearbeitet werde, den Energieverbrauch zu senken und noch effizienter zu machen.

Zur wirtschaftlichen Situation befragt, nachdem es in Jena schlechte Nachrichten aus der Glasbranche gab, sieht Wiegand den Standort Großbreitenbach in guter Position. "Wir haben hier einen ganz anderen Markt, als der, der in Jena betroffen ist. Dieses Jahr wird noch ein recht gutes hier werden", kündigte der Unternehmenschef diese Woche an.

    
    

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