zuletzt bearbeitet: 06.03.2012 06:04 Uhr
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Die 1,9-Milliarden-Frau
Claudia Nies aus Kulmbach steht an der Spitze des Hauptzollamtes Nürnberg. Sie kämpft gegen Wirtschaftspiraterie, Drogenschmuggel und Schwarzarbeit.
Nürnberg/Kulmbach - "Mein Herz schlägt immer noch für Oberfranken", sagt Claudia Nies. Die 43-jährige Juristin stammt aus Kulmbach, ist in Neudrossenfeld aufgewachsen, war am ehemaligen Hauptzollamt Hof beschäftigt und leitete das Zollamt Bayreuth. Seit Dezember steht sie an der Spitze des Nürnberger Hauptzollamtes und ist dort die Chefin von rund 550 Mitarbeitern. Die Regierungsdirektorin hat aber immer noch enge Verbindungen zu ihrer Heimat und kommt immer wieder regelmäßig nach Kulmbach.
"Der Zoll spielt eine wichtige Rolle für die gesamte öffentliche Sicherheit und einen fairen Wettbewerb", sagt Claudia Nies, die 1988 am Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach das Abitur abgelegt hatte und danach in Regensburg ihr Jurastudium absolvierte.
Moderne Verwaltung
Längst habe der Zoll nichts mehr mit der einstigen Schlagbaum-Verwaltung gemeinsam. "Wir sind eine moderne Wirtschafts- und Steuerverwaltung mit einer breiten Palette an Aufgaben", sagt die Regierungsdirektorin, die 1998 gleich mit ihrer ersten Bewerbung beim Zoll Erfolg hatte. Seitdem nahm sie eine ganze Reihe unterschiedlichster Positionen wahr - bis hinauf in das auch für den Zoll zuständige Bundesfinanzministerium.
Das für Mittelfranken und Teile Oberfrankens zuständige Hauptzollamt ist eine von acht derartigen Einrichtungen im Bereich der Bundesfinanzdirektion Südost. Dazu gehören Bayern, Thüringen und Westsachsen. Die Aufgaben des Amtes sind vielfältig. Claudia Nies kann das mit eindrucksvollen Zahlen untermauern. 1,9 Milliarden Euro Einnahmen, die dem Bundeshaushalt zufließen, seien 2010 erzielt worden. Es gab 1,4 Millionen Warenabfertigungen, davon 1,1 Millionen im Export und knapp 300 000 im Import. 30 Kilogramm Rauschgift, 140 illegalen Waffen, 58 Fälle der Markenpiraterie im Gesamtwert von 26 000 Euro sowie beinahe unvorstellbare Stückzahlen an Zigaretten ohne Steuerbanderole, bilanziert Nies.
Die Juristin erinnert sich beispielsweise an den vergangenen Sommer, als Beamte der sogenannten Kontrolleinheit Verkehrswege des Hauptzollamtes durch einen Hinweis auf einen ehemaligen Bauernhof aufmerksam wurden, weil dort eine größere Lieferung Schnittholz eingetroffen war. In einem ehemaligen Stallgebäude offenbarte sich allerdings erst der wahre Inhalt der Lieferung. Mehrere Personen waren damit beschäftigt, die in Hohlräumen der Holzlatten versteckten Zigarettenschachteln mit russischer Aufschrift herauszulösen. Insgesamt seien in dieser "Holzlieferung" mehr als 1,4 Millionen Schmuggel-Zigaretten verborgen gewesen. Den Steuerschaden allein für die Tabaksteuer beziffert Nies auf rund 240 000 Euro. Die Beamten nahmen mit der Aufklärung des Falls fünf Täter fest.
Zudem hätten die Nürnberger Zöllner bei der Bekämpfung der Schwarzarbeit 2010 eine Schadenssumme von 37 Millionen Euro aufgedeckt, in der Folge hätten die zuständigen Gerichte mehr als vier Millionen Euro an Straf- und Bußgeldern sowie Freiheitsstrafen von zusammen 63 Jahren verhängt.
In Sachen Markenpiraterie stünden Elektronikartikel und Arzneimittel an erster Stelle, sagt Claudia Nies, auch der Internethandel spiele bei den Aktivitäten des Zolls eine immer größere Rolle.
Ausbildungsstandort
Eine Sonderstellung nimmt das Hauptzollamt Nürnberg auch im Bereich der Ausbildung ein. So ist die mittelfränkische Behörde neben München eines von zwei Ausbildungs-Hauptzollämtern in Bayern und Thüringen. Derzeit würden von Nürnberg aus 180 Nachwuchskräfte unterschiedlicher Beamtenlaufbahnen und weitere 70 angehende Fachangestellte für Bürokommunikation betreut.
Die Ausnahmenstellung des Nürnberger Hauptzollamtes zeigt sich auch dadurch, dass es als bundesweite Zentralstelle zur Koordinierung von europaweiten Verfahrensvereinfachungen für Unternehmen bei der Abwicklung des Warenverkehrs gilt. Vor allem für Großunternehmen aus der Region sei dies von Bedeutung, da es die Abwicklung zollrechtlicher Verfahren im internationalen Warenverkehr entscheidend entbürokratisiert.
Claudia Nies, die mit ihrem Ehemann und der gemeinsamen fünfjährigen Tochter in einem Dorf an der Grenze zum Landkreis Forchheim und damit noch immer nah an Oberfranken wohnt, kommt mindestens einmal im Monat in ihre alte Heimat und besucht die in Kulmbach lebenden Eltern und Freunde. In ihrer Freizeit zieht es die Familie allerdings eher in die Fränkische Schweiz, beispielsweise zum Klettern, einem bevorzugten Hobby.
Claudia Nies,
Chefin des Hauptzollamtes Nürnberg
Das Hauptzollamt Nürnberg ist in einem ehemaligen nationalsozialistischen Kasernenbau untergebracht, den bis 1992 die US-Armee als Hauptquartier ihres 2. Panzeraufklärungsregiments nutzte. Das Amt hat etwa 550 Mitarbeiter. Die Behörde erzielte 2010 Einnahmen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die dem Bundeshaushalt zufließen.
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