zuletzt bearbeitet: 25.02.2012 06:02 Uhr
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Leitungen vom Spezialisten
Das Prysmian-Werk in Neustadt ist weltweit als Hersteller individueller Kabel für die Industrie bekannt. Innerhalb des Konzerns genießt es den Ruf als einer der innovativsten Standorte.
Neustadt/C. - Mehr als 20 000 Tonnen Material, vorwiegend Kupfer und Kautschuk, verarbeitet das Prysmian-Werk in Neustadt bei Coburg jährlich zu Kabeln aller Art. Das Kabelwerk, das in diesem Herbst 75-jähriges Bestehen feiert, gehört heute zu den innovativsten Standorten der Prysmian Group, der weltweiten Nummer eins unter den Herstellern von Energie- und Telekommunikationskabeln.
Prysmian Neustadt ist eines von 21 Entwicklungszentren des Konzerns. Das Werk ist auf maßgeschneiderte Leitungen für die Industrie spezialisiert. Je nach ihrer Verwendung werden die Kabel mit unterschiedlichen Isolierungen und Mantelwerkstoffen hergestellt. "Die diversen Gummimischungen entwickeln wir vor Ort", erklärt Werkleiter Roland Böhm.
Der Produktionsschwerpunkt liegt auf Energieleitungen. An die 4000 verschiedene Fabrikate entstehen in den Werkshallen in der Austraße. Kabel für eine Spannung von bis zu 35 000 Volt verlassen in Neustadt die Werkhallen. Die schwersten Kabellängen wiegen an die 20 Tonnen. Was an Rohmaterial angeliefert werde, gehe praktisch als Kabel wieder hinaus. "Das bedeutet, dass wir jährlich eine Tonnage von 40 000 Tonnen bewegen", bilanziert Böhm.
Der Großteil der produzierten Kabel findet im Bergbau sowie beim Betrieb von "Hebezeugen", wie etwa Container-Kränen, Verwendung. Längst ein Thema seien zudem Leitungen für erneuerbare Energien wie Windkraft oder Solarstrom. Neustadter Kabel kommen auch auf Schiffen oder bei großen Maschinen zum Einsatz. Sie versorgen Zugantriebe mit Energie und stellen sicher, dass Wasserpumpen oder Flugfeldbefeuerungen funktionieren. "Und Standardkabel, wie sie in jedem Baumarkt zu bekommen sind, stellen wir auch noch her", erklärt Böhm.
Immer häufiger verlangten Kunden nach Kabel-Komplettlösungen. Die Kabel verlassen dann gleich mit Stecker das Werk. Auch in diesem Fall sind individuelle Ausführungen gefragt, zugeschnitten auf den jeweiligen Einsatzzweck.
Ein Teil der Kabel enthält zusätzliche Datenleitungen, die zum Beispiel zur Steuerung eines Krans dienen. "Darüber hinaus ermöglichen Datenleitungen die Überwachung des Kabels selbst", erläutert Böhm. Die Integration von Datenleitungen sei "gut im Kommen", und das Werk Neustadt habe das Know-how dafür. Die "intelligente Trosse" beinhaltet einen Glasfaser-Beilauf, der überprüft, wo das Kabel "Stress" hat. Gezielt kann nachgebessert werden, noch bevor es zu teuren Ausfällen von Maschinen kommt. Erst seit 2011 findet diese Technik Verwendung, entwickelt und zur Marktreife gebracht in Neustadt.
1998 hat Pirelli Kabel & Systeme das traditionsreiche Siemens-Werk in der Austraße in Neustadt bei Coburg übernommen. Der komplette Ausstieg von Siemens aus dem Kabelgeschäft trägt wesentlich zum Wachstum der Pirelli-Gruppe bei. 2005 steigt das Investment-Haus Goldman Sachs in die Kabelsparte von Pirelli ein. Es kommt zur Gründung der Prysmian Cables & Systems GmbH, einer Tochter der Prysmian S.p.A. in Mailand. Die Unternehmensleitung hat ihren Sitz in Berlin. Nach Unternehmensangaben spielt der Name auf die Begriffe Licht, Analyse, Scharfsinn und Perfektion an. 98 Werke in 50 Ländern generieren heute einen Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro. Die Gruppe hat rund 22 000 Beschäftigte, davon 386 in Neustadt bei Coburg. Dort sind aktuell sieben Nachwuchskräfte in der Ausbildung zum Industrie- oder Energieanlagenelektroniker.
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