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25 Jahre nach Kurt Cobains Tod: Wo sind die Erben Nirvanas?

Erst kamen Bob Dylan und John Lennon, dann sprach Kurt Cobain für seine Generation. 25 Jahre nach seinem Tod gehört das Grunge-Genre der Vergangenheit an. Doch der Nirvana-Sänger prägt die musikalische Nachwelt und zählt heute selbst im Hip-Hop zum gängigen Vokabular.



Kurt Cobain
Kurt Cobain auf dem Weg zu einer Preisverleihung 1993.   Foto: Marcel Noecker » zu den Bildern

Der Sound war düster. Zu verzerrten Gitarren und schleppendem Schlagzeug sangen Bands wie Nirvana und Soundgarden von Entfremdung, vom Alleinsein, von Weltschmerz.

Aber mit dem Tod von Nirvana-Frontmann Kurt Cobain, der sich am 5. April 1994 das Leben nahm, schien das Grunge-Genre dem Untergang geweiht. 25 Jahre später stellt sich die Frage: Was ist aus Grunge geworden, diesem nebligen Gemisch aus Hardcore Punk und Heavy Metal, und wer sind heute die Erben Nirvanas?

Es mag zu großen Teilen Langeweile und Gleichgültigkeit gegenüber der Welt gewesen sein, die immer mehr Jugendliche in den USA um 1990 zum Grunge trieb. Dazu mischten sich Unbehagen und die Angst vor sozialer Ausgrenzung in der Generation X. Nicht selten drehten sich die Songtexte um Drogen, Suizid und Vergewaltigung oder ein verzweifeltes Dasein in einer Welt voller kaputter Familien. Grunge habe aber auch feministische, ironische, zynisch-idealistische und anti-autoritäre Haltungen vereint, urteilte der «Guardian».

Niemand verkörperte diesen «existenziellen Kampf» mehr als Kurt Cobain mit Nirvana, schreibt Steven Felix-Jager in seinem Buch «With God on Our Side». Die Jugend der 1950er Jahre habe Elvis Presley gehabt, die 60er Bob Dylan und die 70er John Lennon - in den 1990ern sei die Stimme der Generation das «Vorzeigekind» Kurt Cobain gewesen. Die Nirvana-Titel «Lithium», «Smells Like Teen Spirit» und «Come As You Are» liefen in diesen Jahren in Dauerschleife.

Und anders als ein Prince oder ein David Bowie, die zu Gott-ähnlichen Gestalten heranwuchsen, konnte Cobain - zumindest für Amerikaner - wirken wie ein normaler Typ von nebenan. «Alice Cooper und Gene Simmons (von der Band Kiss) und Elton John hätten genauso gut von einem anderen verdammten Planeten stammen können», sagte Musiker Rob Zombie 2016. Nirvana habe gezeigt, dass Rockstars aussehen können wie gewöhnliche Leute. Mit Jeans, Holzfäller-Hemden und zerzausten Haaren wirkten die Jungs, als seien sie aus irgendeinem Studiokeller oder einer Wohnzimmer-Garage auf die Bühne gestolpert.

Heute ist vom Grunge, der im Raum Seattle entstand und von dort in Nachbarstaaten und bis nach Europa gewandert war, wenig übrig. Mit Nirvanas schleichendem Übergang zum Mainstream, Cobains Suizid und dem Aus für Soundgarden, die sich 1997 auflösten, zerfaserte das Genre. Grunge-Bands wie Pearl Jam, Alice in Chains und Temple of the Dog haben ihre besten Tage hinter sich, auch wenn sie (wie auch Soundgarden) teils bis heute auftreten. Schon 2008 schrieb der «Guardian», dass sich Grunge anfühle wie «antike Geschichte».

Stattdessen rückten Bands wie Bush, Creed, Nickelback, 3 Doors Down und die Foo Fighters in den Mittelpunkt. In diesem Post-Grunge ging es auch häufig um persönliches Leid, allerdings mit einer viel Mainstream-tauglicheren und «fast konservativen Weltanschauung entlang des Komforts einer Gemeinde und romantischer Beziehungen», schreibt Kritiker Tim Grierson. Das Kulturmagazin «Westword» ging noch weiter und sprach von «verwässerten Liedchen mit verdünnten Texten, die sich alle um das Leid durch Romantik zu drehen scheinen».

Mit dem Britpop gefeierter Gruppen wie Oasis («Wonderwall») und Blur («Beetlebum») folgten weitere musikalische Sargnägel. In ihrem jugendlichen Überschwang und dem Wunsch nach Anerkennung sagten die Briten der bisweilen depressiven Grunge-Phase den Kampf an. Zum Nirvana-Titel «I Hate Myself And I Want To Die» (Ich hasse mich und ich will sterben) erklärte Oasis-Sänger Noel Gallagher in einem Interview: «Das mache ich nicht mit.»

Kleinere Grunge-Bands gibt es seit den 2010er Jahren zunehmend wieder, doch insgesamt erscheint das Genre als tot. Geschenkt hat Cobain der musikalischen Nachwelt aber etwas anderes: Aufrichtige Texte. Unter anderem haben Sängerin Lana Del Rey und die Rockband Weezer ihn als Vorbild für ehrliche und persönliche Texte genannt. Weezer-Sänger Rivers Cuomo sagte über sein erstes Erlebnis mit Nirvanas Song «Silver» etwa: «Es klang, als käme es aus meinem Innersten - ein Teil, den ich mit meiner eigenen Musik noch nicht annähernd ausdrücken konnte.»

Selbst im Hip-Hop hat der Name Kurt Cobain heute Gewicht. Mitunter haben Rapper Jay-Z, 2Pac und Eminem ihn in ihren Zeilen aufgegriffen. Rapper XXXTentacion, der mit seinem Album «Skins» die Chart-Spitze erklomm und der vergangenen Sommer im Alter von 20 Jahren in Florida erschossen wurde, hatte gesagt: «Der einzige Mensch, der mich inspiriert, ist Kurt Cobain.»

Veröffentlicht am:
04. 04. 2019
15:00 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 04. 2019
15:00 Uhr



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