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Anke Stelling: Meine Themen werden mit mir älter

Anke Stelling ist knapp bei Kasse. Nun hat die Schriftstellerin den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse bekommen. Was macht sie mit dem Geld?



Leipziger Buchmesse - Anke Stelling
In die Freude mischt sich bei Anke Stelling immer auch der Zweifel.   Foto: Hendrik Schmidt

Die in Berlin lebende Schriftstellerin Anke Stelling ist für «Schäfchen im Trockenen» mit dem Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur verrät sie, was sie mit dem Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro anfangen will.

Frage: Sie haben gesagt, Sie fühlten sich in die Schublade Frauenliteratur gedrängt und das sei nicht so literaturfähig. Nehmen Sie den Preis als Entschuldigung an und ist jetzt alles gut?

Anke Stelling: Es ist nicht alles gut. Es ist wahrscheinlich nie alles gut oder zumindest nicht für alle. Das An-den-Rand-gestellt-werden und die Demütigung und der Kapitalismus, das Patriarchat, der Paternalismus - das bleibt ja alles. Mal so kurz dabei zu sein oder vielleicht auch ausgleichend mal was zu bekommen, das löst ja die strukturellen Probleme noch nicht.

Frage: Gilt das auch für Sie persönlich?

Antwort: Für mich persönlich ist es total super, klar. Aber ich kann meinen Kopf nicht ausschalten und ich bin so gestrickt, dass in die Freude immer auch sofort der Zweifel reinwirkt.

Frage: Haben Sie nicht das Gefühl, dass sich gerade etwas in die Richtung bewegt, die entschärft, was Sie eigentlich wütend macht?

Antwort: Doch. Das fühlt sich toll an. Wenn ich so eine Laudatio höre, bin ich wirklich gerührt. Ich finde es toll, wenn jemand das mit eigenen Worten wiedergibt. Dann hat offensichtlich das, was ich wollte, andere erreicht. Das ist ganz toll.

Frage: Sie haben gesagt, Sie leben gerne so, wie sie wollen. Auch mit wenig Geld. Jetzt haben sie das Preisgeld, wie hauen Sie das jetzt auf den Kopf?

Antwort: Das kann ich eben nicht auf den Kopf hauen, sondern das muss ich sparen. Wenn man frei arbeitet, ist es ganz schwierig. Wenn man dann mal einen Batzen Geld hat, weiß man auch: im nächsten Jahr hat man wieder gar keins. Aber natürlich werden die Kinder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket fliegen und ich bin nicht sicher, ob dann am Ende mehr übrig bleibt. Ich bin nicht sicher und werde deswegen nichts auf den Kopf hauen. Aber ich freue mich riesig.

Frage: Sie haben die Wut über das Nicht-Hinkriegen im Alltag in mehreren Büchern thematisiert. Nun haben Sie einen Preis dafür bekommen. Brauchen Sie jetzt neue Themen?

Antwort: Nein, ich glaube, ich bleibe meinen Themen treu. Die werden mit mir ja auch älter und verändern sich dadurch. Jetzt gerade schreibe ich an meinem nächsten Kinderbuch, da habe ich einen elfjährigen Protagonisten, der aber trotzdem ganz viel mit mir zu tun hat. Ich glaube, eine Schreibblockade wird der Preis nicht hervorrufen.

Zur Person: Anke Stelling (geboren 1971 in Ulm) lebt als Autorin in Berlin. Sie hat ein Kinderbuch sowie sieben Romane verfasst, zwei davon gemeinsam mit Robby Dannenberg. «Bodentiefe Fenster» (2015) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Veröffentlicht am:
21. 03. 2019
19:09 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
21. 03. 2019
19:09 Uhr



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