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Annes Botschaft ist laut im stillen Hinterhaus

Das Amsterdamer Haus an der Prinsengracht ist weltberühmt. Dort schrieb das jüdische Mädchen Anne Frank im Versteck vor den Nazis ihr Tagebuch. Wie erzählt man Annes Geschichte heute?



Anne-Frank-Haus in Amsterdam
König Willem-Alexander der Niederlande betrachtet das Tagebuch der Anne Frank in einer Vitrine.   Foto: Patrick Van Katwijk/ANP

Hinter dem drehbaren Bücherregal führt die steile Holzstiege nach oben - von der Freiheit in die Unfreiheit, vom Licht ins Dunkel.

Auf dem Dachboden des Hinterhauses an der Prinsengracht 263 in Amsterdam lebten acht Juden im Versteck vor den deutschen Nazis fast zwei Jahre lang bis zum 4. August 1944. Hier schrieb das jüdische Mädchen Anne Frank ihr weltberühmtes Tagebuch. Dadurch hat die Judenverfolgung für viele gerade junge Menschen weltweit ein Gesicht bekommen - von dem Mädchen aus Amsterdam.

Das Hinterhaus ist Monument und Museum zugleich. Nun fast 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist es umgestaltet worden. «Wir erzählen Annes Geschichte neu», sagt der Direktor der Anne-Frank-Stiftung, Ronald Leopold. «Die jungen Besucher sollen sie auch heute noch verstehen können.»

Jährlich besuchen mehr als 1,2 Millionen Menschen das Anne-Frank-Haus, die meisten sind jünger als 30 Jahre alt. «Viele ihrer Großeltern haben den Krieg nicht mehr erlebt», sagt Leopold. «Das Interesse ist groß, doch viele wissen kaum noch etwas vom Weltkrieg.»

Nun erzählt das Museum die Geschichte der Familie Frank chronologisch und erläutert an ihrem Beispiel die Geschichte der Judenverfolgung in Europa. «Das Versteck selbst aber ist nahezu unverändert», betont Leopold.

Das Vorderhaus, in dem während des Krieges die Handelsfirma Opekta von Annes Vater Otto weiter geführt wurde, ist nun die Kulisse für die Geschichte der Familie. Sie emigriert nach der Machtergreifung Hitlers 1933 aus Frankfurt am Main. Knapp sieben Jahre führen die Franks ein relativ unbeschwertes Leben, bis die deutsche Wehrmacht die Niederlande 1940 besetzt. Nun startet auch dort die Judenverfolgung. Als Annes Schwester Margot 1942 die Deportation droht, taucht die Familie unter. Anne ist da 13 Jahre alt.

Die Treppe hinter dem Bücherregal führt zum Versteck. Während in die unteren Räume Tageslicht fällt, sind oben die Fenster abgedichtet - niemand durfte die Untergetauchten sehen oder hören. Das Knarren der Holzdielen oder die Klospülung hätte sie verraten können.

Die engen Bodenkammern sind einfach und leer - genau wie 1944 nach der Razzia der Nazis. An die Wänden hatte Anne Starfotos auf die verblichenen Tapeten geklebt: Greta Garbo, Heinz Rühmann. An einer Wand sieht man noch die Bleistiftstriche, mit denen Vater Otto Frank festhielt, wie viel seine Töchter Margot und Anne gewachsen waren.

Nur Fotos an den Wänden zeigen, wie es dort zu Zeiten Annes ausgesehen haben muss. Zitate aus dem Tagebuch lassen den Besucher die Bedrohung fühlen, die Angst, die Spannungen aber auch Hoffnungen. Bis zuletzt.

Das Versteck wird 1944 verraten und die acht Untergetauchten deportiert - mit dem letzten Transport vom niederländischen Lager Westerbork nach Auschwitz. Anne wird wie auch ihre Schwester Margot im Konzentrationslager Bergen-Belsen sterben, nur wenige Wochen vor der Befreiung. Anne wurde 15 Jahre alt.

Nur ihr Vater Otto überlebte. Er kehrte nach dem Krieg nach Amsterdam zurück. Helfer hatten Annes Tagebücher gerettet. Otto veröffentlichte diese 1947.

Der Rundgang endet im Tagebuch-Saal. Auch hier ist das Licht gedämpft. Anne lächelt auf dem Foto an der Wand - neugierig und lebensfroh. In der Vitrine liegt das rot-weiß karierte kleine Büchlein, ihr erstes Tagebuch - wie ein kostbarer und sehr verletzlicher Schatz.

Die Räume sind sehr sparsam ausgestattet worden mit nur wenigen Fotos und Dokumenten. Die letzte Postkarte, die die Familie an Verwandte schrieb. Ein Kistchen mit Murmeln, das Anne einer Freundin kurz vor dem Untertauchen zum Aufbewahren gab. Der Bericht vom Tod Annes.

Die Geschichte wird vor allem von Augenzeugen erzählt, mit Tondokumenten von Otto Frank, den Helfern, früheren Freundinnen. Und natürlich durch Anne mit Zitaten aus ihrem Tagebuch.

Die sparsame Einrichtung ist eine bewusste Entscheidung. «Die Leere ist Symbol», sagt Direktor Leopold. «Sie erinnert uns daran, dass Anne nicht mehr da ist, sie erinnert uns an die 70.000 Einwohner, die Amsterdam verloren hat.» Anne stehe auch für die Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, sagt Leopold. «Annes Geschichte soll uns berühren und zum Nachdenken bewegen.»

Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
13:04 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
13:04 Uhr



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