Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Boulevard

Art Basel in Miami: Ein edler Zirkus am Strand

Fotos machen, Hände schütteln, vielleicht mal ein Visitenkärtchen - beim Gang über Art Basel in Miami sieht alles nach friedlichem Kunstbetrieb aus. Diskret leiten Sammler dort wieder Transaktionen in Millionenhöhe in die Wege. Ein Ortsbesuch.



«Inside It Opens Up As Well»
Zu den Exponaten der Kunstmesse Art Basel in Miami gehört das Gemälde «Inside It Opens Up As Well» des Künstlers David Hockney.   Foto: Tatiana Rodríguez » zu den Bildern

Kunstsammler und Galeristen weltweit haben ein Ziel: Kaufen und Verkaufen. Ihre von Luxus, Mode und Glamour aufgeladenen Begegnungen können ganze Städte lahmlegen, anschließend hinterlassen sie Transaktionen in Millionenhöhe. So auch beim Ableger der Kunstmesse Art Basel in Miami.

Unweit des Sandstrands steigt dort für VIP-Gäste, schwerreiche Touristen und Kenner die wohl wichtigste Kunst-Party der USA. «Ich will etwas Einzigartiges finden», sagt Schriftstellerin Jill Spalding, nachdem sie anderthalb Stunden durch einige der 40 Gänge der Messehalle gewandert ist. Der Blick der früheren «Vogue»-Autorin springt von einer Seite zur anderen als seien die Wände der Galerien gewöhnliche Schaufenster. Objekte von Interesse fotografiert sie mit dem Handy und bittet um Visitenkärtchen, um mit den Galeristen vor einem möglichen Kauf in Kontakt zu treten.

Kunst im Wert von schätzungsweise drei Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro) ist allein im Messezentrum der «Sunshine City» ausgestellt, die mehreren Rand-Messen und Galerien nicht mitgezählt. Bei der 17. Ausgabe der Art Basel in Miami - mit mehr als 80 000 Besuchern eine der größten Kunstmessen der Welt - fließen Wein und Champagner. Eine exzentrisch gekleidete Dame schiebt einen kleinen Hund im Kinderwagen herum. An anderer Stelle macht eine Familie Fotos vor einem Kunstwerk, das sie offenbar gerade gekauft hat.

Ein Alleingang durch das Kunst-Labyrinth kann schnell schwindlig machen. Nach Renovierungsarbeiten über drei Jahre überspannt sich die Fläche des Kongresszentrums diesen Dezember über stattliche 45 000 Quadratmeter. Das entspricht bald dem Olympiastadion in Berlin, dessen Außenkante etwa 56 000 Quadratmeter misst.

«Das hier zum Beispiel», sagt Spalding, als sie auf die Arbeit «Redo» des Kubaners Alexandre Arrechea zeigt. Sieben bemalte, auf dem Boden angeordnete Polychrom-Holzstücke vereinen sich mit sechs hängenden Aquarellen an der Wand. «Originell und tiefsinnig», sagt die in New York lebende Schriftstellerin. «Genau, was ich suche».

Mit etwas langsameren Schritten ist Spaldings Freund Joseph Cohen gefolgt - wegen seines Gehstocks, aber auch, weil er alle fünf Meter die Vertreter der Galerien begrüßt. Der Sammler, Ex-Banker und Philanthrop ist in der Kunstwelt ein bekanntes Gesicht. Spalding hört aufmerksam und vertrauensvoll zu, als er seine Meinung zu «Redo» äußert.

Mindestens 30 seiner 80 Lebensjahre hat Joseph Cohen dem Sammeln von Kunst gewidmet, die ihm ein gutes Gefühl geben, wie er sagt. «Es ist eher eine Verbindung, eine Beziehung», erklärt er. Und er versichert, dass er nicht weiß und es ihn «auch nicht interessiert», wie viel Geld er für seine Kollektion inzwischen ausgegeben hat.

Eine der am stärksten besuchten Galerien, Kurimanzutto aus Mexiko, hat sich dieses Jahr für die Themen Licht, Originalität und Symmetrie entschieden. «Wir setzen immer darauf, Inhalte jenseits des Visuellen anzubieten», sagt die stellvertretende Direktorin Daniela Zárate. Der Draht zu den Klienten sei «eine Kunst für sich», die monatelange Vorbereitungen und Hingabe erfordere. «Viele kennt man seit langer Zeit, andere sind Empfehlungen», fügt sie hinzu.

Der Kauf eines Kunstwerks ist ein akribischer und präziser Akt aus verschiedenen Schritten, die an einem Laien unbemerkt vorübergehen können. Es beginnt mit einem genauen Blick und einer Analyse dessen, ob ein Galerist und dessen Assistenten das verstärken, was ein Betrachter sieht und fühlt. Spalding wird erst später entscheiden, was sie kauft und was diese Kunst kosten darf.

«Alle Menschen, die sich der Galerie nähern, werden von uns als potenzielle Kunden gesehen, und entsprechende Aufmerksamkeit bekommen sie», sagt Zárate. Schon in den den ersten Stunden der viertägigen, bis Sonntag laufenden Messe verkaufte Kurimanzutto zwei Arbeiten von Sarah Lucas, die darin die Künstlerin Frida Kahlo mit Zigaretten abbildete. Eine großangelegte Solo-Schau im New Museum in New York hatte der Britin Lucas in den USA zuletzt noch einen Schub verpasst.

Zárate wird von einer japanischen Sammlerin unterbrochen, die sich hartnäckig nach einem Gemälde erkundigt. Aber das Werk von Gabriel Orozco wurde am Tag vor der offiziellen Eröffnung für 950 000 Dollar (835 000 Euro) verkauft. «Tut mir leid», sagt Zárate. Die Japanerin greift frustriert ihre Luxushandtasche und macht sich auf den Weg.

Veröffentlicht am:
08. 12. 2018
11:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autor Dollar Fotografien Frida Kahlo Galerien und Ateliers Galeristen Kongresszentren Kunstmessen Messezentren Sandstrände Zirkus und Varieté
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
David Zwirner

25.03.2020

Corona-Krise: Kunstmarkt weicht ins Netz aus

Erstmals findet eine Kunstweltmesse im Internet statt. Auktionshäuser lassen den Hammer verstärkt online fallen. Die Kunstwelt taucht in Zeiten der Corona-Krise immer mehr in die virtuelle Welt ab. » mehr

Konrad Fischer Galerie

02.05.2020

Erste Berliner Ausstellungen wieder zugänglich

Wegen des Coronavirus mussten vor Wochen alle Museen und Galerien schließen. In der Hauptstadt Berlin öffnen nun die ersten Ausstellungen wieder ihren Türen. » mehr

Art Cologne

10.04.2019

Größte deutsche Kunstmesse Art Cologne wird kleiner

Es ist wieder Art-Cologne-Zeit. Die größte deutsche Kunstmesse wird dieses Jahr kleiner - weil sie es selbst so will. Direktor Daniel Hug verfolgt damit ein ganz bestimmtes Ziel. » mehr

Heinz Mack

23.11.2019

Heinz Mack wehrt sich gegen Vorwürfe

Der betagte ZERO-Künstler Heinz Mack wehrt sich gegen Vorwürfe aus der Kunstszene. Es geht um einen Vorgang, der mehr als 30 Jahre zurückliegt. Erstmals nimmt Mack nun persönlich Stellung dazu. » mehr

Banksy

14.02.2020

Berliner Galerie zeigt angebliches Banksy-Gesicht

Ein britischer Künstler, der sich Banksy nennt, gibt er Öffentlichkeit immer wieder Rätsel auf. Ein Gemälde seines Kollegen JPS soll zeigen, wie Banksy aussieht - angeblich. Banksy selbst hat derweil eine weitere Häuserw... » mehr

Pariser Kunstmesse FIAC

17.10.2019

Kunstmesse FIAC: Brexit lenkt das Interesse auf Paris

Die Pariser Kunstmesse startet vor dem Hintergrund eines dynamischen Kunstmarkts. Auch erste Auswirkungen des Brexit-Chaos sind sichtbar: Galerist David Zwirner eröffnet eine Niederlassung in Paris. Er soll nicht der ein... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Muggendorfer Gebirgslauf

Muggendorfer Gebirgslauf | 05.08.2020
» 24 Bilder ansehen

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 12. 2018
11:47 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.