Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Boulevard

Aus für Berliner Mauer-Projekt aus Sicherheitsgründen

Das Projekt DAU mit dem Bau einer Mauer mitten in Berlin hat von Anfang an die Geister geschieden. Jetzt steht es vor dem Aus. Das dürfte erst recht für Diskussionen sorgen.



Berliner DAU-Projekt
Mauerteile für das Berliner DAU-Projekt.   Foto: Mathias Schwerbrock

Die Berliner Behörden haben dem umstrittenen Kunstprojekt DAU mit dem Nachbau einer Mauer in Berlin aus Sicherheitsgründen die Genehmigung versagt.

Das erklärten die Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) und die Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne) am Freitag in einem Pressegespräch. Bedenken hatten die Behörden vor allem bei der Verkehrssicherheit, den Rettungswegen und beim Brandschutz.

Die Berliner Festspiele reagierten als Veranstalter verwundert. Sie hätten nur eine E-Mail, aber nicht eine formelle Ablehnung ihres Antrages erhalten. Sie würden sich deshalb weiter im Austausch mit den zuständigen Stellen darum bemühen, die Antragsunterlagen zu vervollständigen. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verkehr erläuterte, mit der E-Mail habe man die Veranstalter vorab informieren wollen, das formale Schreiben folge nächste Woche. «Die Entscheidung ist gefallen», betonte er.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bedauerte die Absage. Zwar müsse man für Sicherheitsbedenken Verständnis haben, dennoch habe sie sich auf das Projekt gefreut. «Nur wer den Mut zum Experiment hat, wer also bereit ist, auch vorhandene Grenzen in Frage zu stellen, schafft Fortschritt und ist Avantgarde im besten Sinn.»

Bei dem Projekt des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky sollte vom 12. Oktober an vier Wochen lang ein ganzes Häuserkarree in Berlin-Mitte mit einer Betonmauer abgeriegelt werden, um dahinter ein diktatorisches System erfahrbar zu machen. Bis zu 3000 Menschen pro Tag wurden erwartet.

Normalerweise bräuchten Veranstaltungen dieser Größenordnung einen Vorlauf von etwa einem Jahr, sagte Weißler. Der Antrag für DAU mit den ersten konkreten Planungsunterlagen sei jedoch erst vor sechs Wochen eingegangen. Wesentliche Unterlagen seien zum Teil noch deutlich später gekommen.

«Dem Veranstalter war es nicht möglich, einen sicheren Ablauf der Veranstaltung zu garantieren», so das Fazit der Behörden. Nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg und dem Terroranschlag am Breitscheidplatz an der Berliner Gedächtniskirche müsse jedoch Sicherheit die oberste Priorität haben.

Das Projekt hatte - unabhängig von den Sicherheitsfragen - von Anfang an für eine heftige Debatte gesorgt. So stellten sich Filmschaffende wie Lars Eidinger, Iris Berben, Tom Schilling und Veronica Ferres hinter die Pläne, sie warnten vor einer Einschränkung der Kunstfreiheit.

Am Freitag meldeten sich nach Angaben der beteiligten Produktionsfirma Phenomen Films weitere prominente Unterstützer wie Gérard Depardieu, Willem Dafoe, Isabelle Adjani und Fanny Ardant. Der chinesische Exilkünstler Ai Weiwei kündigte an, er habe mit dem DAU-Initiator Khrzhanovsky vereinbart, die Mauer zu bemalen.

Anderer Prominente um die Stasi-Unterlagenbeauftragte Marianne Birthler und die Publizistin Lea Rosh verwiesen auf das Leid, das die Mauer den Menschen in Berlin jahrzehntelang gebracht habe. «Wir wollen keine Mauer mehr sehen!», schrieben sie in einem offenen Brief. «Sie war kein Eventspielzeug.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
15:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ai Weiwei CDU Christian Thielemann Deutsche Presseagentur Fanny Ardant Gérard Depardieu Iris Berben Isabelle Adjani Lars Eidinger Lea Rosh Lew Dawidowitsch Landau Marianne Birthler Marina Abramovic Tom Schilling Tom Tykwer Veronica Ferres Willem Dafoe Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kunstprojekt "DAU Freiheit"

16.09.2018

Kunstfreiheit - Prominente für Berliner Mauer-Projekt

Ein Kunstprojekt, das in Berlin eine Mauer aufbauen will, polarisiert. Der Streit darum erscheint Kulturschaffenden als Provinzposse zwischen Kunstfreiheit und Hetzkampagne. » mehr

69. Berlinale - Jury

07.02.2019

Die Berlinale, die Frauen und die K-Frage

In Berlin starten die Internationalen Filmfestspiele. Jurypräsidentin Juliette Binoche freut sich zum Auftakt über die Frauen im Wettbewerb. Und über allem schwebt die Frage, wie es mit dem Kino weitergeht. » mehr

Bjarne Mädel

07.02.2019

Größtes deutschsprachiges US-Filmfest feiert Bjarne Mädel

Für ihre Komödie «25 km/h» wurden Bjarne Mädel und Lars Eidinger gerade mit dem Lubitsch-Preis ausgezeichnet. Jetzt gibt es für Mädel in San Francisco eine Zugabe. » mehr

Lars Eidinger

17.11.2019

Lars Eidinger: Versuche, nachhaltiger zu leben

Der Einzelne hat viel mehr Macht als man glaubt. Sagt Schauspieler Lars Eidinger. » mehr

Tom Schilling

06.11.2019

Tom Schilling übte manisch Klavier

Auf seine Rolle in dem Mutter-Sohn-Drama «Lara» hat sich Tom Schilling akribisch vorbereitet. Nicht immer zur Freude seiner Umwelt. » mehr

Lars Eidinger

01.11.2019

Lars Eidinger: Habe keine Erinnerung an Mauerfall

Er war 13 Jahre alt, als die Mauer fiel. Doch das ihn damals überhaupt nicht beeindruckt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Bilderserie: Weihnacht der Generationen

Weihnacht der Generationen in Coburg | 08.12.2019 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
15:09 Uhr



^