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Bayreuther Festspiele müssen aussetzen

Eigentlich sollten die Proben schon bald beginnen. Aber die Auswirkungen des Coronavirus machen auch vor den Wagner-Festspielen von Bayreuth keinen Halt.



Bayreuther Festspielhaus
Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth bleibt in diesem Sommer verwaist.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Ein Sommer ohne die Bayreuther Festspiele ist kaum denkbar. Bei traditionell unzumutbaren Temperaturen wird auf dem Grünen Hügel der rote Teppich ausgerollt. Dann reist die Prominenz nach Oberfranken, allen voran Bundeskanzlerin und Wagner-Fan Angela Merkel.

Auch dieses Jahr sind die begehrten Karten längst vorbestellt, die Hotels nahezu ausgebucht - aber die Festspiele werden verschoben. Das Coronavirus macht einen Strich durch die Rechnung. Zum ersten Mal seit ihrem Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg fallen die Festspiele aus. Ein 25. Juli ohne Fanfaren und glamouröse Roben auf dem Grünen Hügel.

Noch Mitte März wollte niemand so richtig daran glauben. Als Lokale schlossen, Theater ihren Betrieb einstellten und Festspiel-Chefin Katharina Wagner ihre «Lohengrin»-Premiere in Barcelona absagen musste. «Wir sind voller Optimismus, dass sich die Situation bessert», teilte das Pressebüro der Festspiele damals mit. Mit mehr Desinfektionsmittel und einer ständigen Reinigung des Festspielhauses erklärte man dem Virus den Kampf. Eine Absage wäre ein «Supergau».

Genau der ist nun eingetreten. Und das im denkbar ungünstigsten Jahr - einem Ring-Jahr. Der junge Österreicher Valentin Schwarz sollte das vierteilige Mammutwerk auf die Bühne bringen - mit 30 Jahren ähnlich jung wie einst Patrice Chéreau, als der seinen «Jahrhundertring» inszenierte. Die Verpflichtung von Schwarz, der 2017 den Hauptpreis beim Regiewettbewerb «Ring Award Graz» gewann, und Dirigent Pietari Inkinen als «Ring»-Verantwortliche war bei der Verkündung im vergangenen Jahr die große Überraschung. Der Tenor: Die junge Generation übernimmt auf dem Grünen Hügel.

Mit entsprechender Neugier wurde der neue «Ring» mit seinen vier Opern nun eigentlich erwartet. «Ich rede ja nicht über Inszenierungen von Kollegen», sagte Festspiel-Chefin Wagner der Deutschen Presse-Agentur vor gar nicht allzu langer Zeit. «Aber ich bin davon überzeugt, es wird sehr spannend werden.»

Das wird es nun frühestens im Jahr 2022. Für 2021, so schreiben die Festspiele, wird es nichts mit den komplizierten Proben. Statt Neuversionen von «Rheingold», «Walküre», «Siegfried» und «Götterdämmerung» gibt es nur eine konzertante «Walküre».

«Als begeisterter Anhänger der Bayreuther Festspiele und der ausdrucksstarken Musik Richard Wagners bedauere ich es sehr, dass wir dieses Jahr nicht in den Genuss der Aufführungen auf dem Grünen Hügel kommen», sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU). «Für das kulturelle Leben ist der Ausfall ein herber Verlust.»

Das Festspielhaus wurde eigens nach den Plänen von Richard Wagner (1813-1883) errichtet und gilt noch heute als einzigartig wegen der hervorragenden Akustik. Der Komponist organisierte erstmals 1876 Festspiele in Bayreuth. Seitdem fanden sie - mit Ausnahme während des Krieges - jedes Jahr statt.

Einen kleinen Trost gibt es immerhin: Die bereits für 2020 gekauften Karten blieben für die Saison 2021 gültig, so die Festspiele. Manche Besucher hätten sich schon Anfang März erkundigt, ob die Richard-Wagner-Festspiele stattfinden können. Eine Vorbestellung der Karten war seit Herbst möglich. Der Online-Sofortkauf wurde vorsorglich bereits von Ende März auf Ende Mai verschoben. Nun fällt der Verkauf ganz aus.

Die Corona-Epidemie wäre wohl immer eine Katastrophe gewesen, in diesem Jahr aber kommt die Vollbremsung besonders für die Festspiele zur absoluten Unzeit. Hatten sie doch im vergangenen Jahr mit dem gefeierten «Tannhäuser» von Tobias Kratzer lange nicht mehr gekannte Fahrt aufgenommen. So bunt, so laut, so jung und so divers war es noch nie auf dem altehrwürdigen Grünen Hügel.

«Natürlich sind wir traurig, gerade weil wir uns auf eine spannende Neuproduktion des Rings gefreut haben», sagte Katharina Wagner der dpa am Dienstagabend. «Aber Gesundheit geht vor.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
31. 03. 2020
21:06 Uhr

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31. 03. 2020
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