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Der Prado in Madrid wird 200

Der Prado ist Spaniens Kunsttempel par excellence. Seine Räume beherbergen heute mehr als 8600 Gemälde und Zeichnungen sowie rund 700 Skulpturen. 2019 feiert das Museum sein 200-jähriges Bestehen. Qualitativ ist die Sammlung kaum zu überbieten, sagen Experten.



«Museo del Prado» wird 200
Der Prado ist Spaniens Kunsttempel par excellence.   Foto: Manu Fernandez » zu den Bildern

Ob Sonne oder Regen, Augusthitze oder Dezemberkälte, an Madrids Kunsttempel «Museo del Prado» herrscht fast immer Hochbetrieb. Wer die spanische Hauptstadt besucht, für den gehört ein Rundgang durch die berühmten Ausstellungshallen mit Meisterwerken von Botticelli bis Bosch zum Pflichtprogramm.

In diesem Jahr wird sich noch so mancher Kunstfreund aus aller Welt dazugesellen, denn das Museum feiert sein 200-jähriges Bestehen. «1819 - 2019», die Zahlen des Jubiläums prangen bereits großformatig an der Vorderseite des imposanten Gebäudes.

«Im Vergleich zum Louvre in Paris oder zur Eremitage in Sankt Petersburg ist der Prado zwar kleiner, aber dafür findet sich hier nur die Crème de la Crème der Kunst, speziell was die Zeit des Barock betrifft», sagt Javier Sardón. Der spanische Architekt und Kunstgeschichtler bietet seit vier Jahren deutschsprachige Führungen durch das Museum an. Zielstrebig und kundig manövriert er seine Besucher durch die Säle, von einem Werk der Superlative zum nächsten, erklärt die Hintergründe und die Geschichte der Gemälde.

«Im Prado sind die Entfernungen zwischen den Meisterwerken nicht groß - wir müssen sie nicht suchen, sie kommen quasi zu uns», schwärmt der 43-Jährige. Natürlich hat er seine persönlichen Favoriten, darunter allen voran «Las Meninas» (Die Hoffräulein) des spanischen Hofmalers Diego Velázquez, aber auch den noch heute rätselhaften «Garten der Lüste» des Niederländers Hieronymus Bosch, Rogier van der Weydens «Die Kreuzabnahme» mit seinen plastischen Figuren und «Die Erschießung der Aufständischen», Francisco de Goyas düster-dramatische Anklage gegen die französische Belagerung.

Wände über Wände, behängt mit Tizian, Tintoretto, Rubens, Raffael, Dürer, Fra Angelico und El Greco. Gemälde von Göttern, Königen, Schlachten und biblischen Begebenheiten, so opulent, dass Besuchern unwillkürlich ein leises Raunen entfährt. «Für die, die an "alten Schinken" interessiert sind, gibt es nichts, was qualitativ besser wäre als der Prado», sagt Sardón lächelnd.

Bei Einigen hat das Museum sogar die Sicht auf die Welt verändert und ihr Leben in eine neue Richtung gelenkt - so etwa bei der katalanischen Künstlerin Lita Cabellut, die einst als «Gitana»-Kind auf den Straßen Barcelonas lebte und heute eine Malerin von Weltrang ist. Sie war zwölf, als sie mit ihrer Adoptivfamilie erstmals den Prado besichtigte. «Es war wie eine zweite Geburt», erinnert sie sich. «Da habe ich erstmals verstanden, dass wir uns selbst eine Welt erschaffen können. Und ich sagte mir: Das will ich machen! In der Woche darauf habe ich zu malen begonnen.» Heute sind die großformatigen Porträts der 57-Jährigen, die immer auch eine Hommage an die Werke alter Meister sind, von New York bis London zu sehen.

Die Besucherzahlen des Prado sprechen derweil für sich: Im vergangenen Jahr kamen mehr als 2,8 Millionen Kunstfans, 2016 waren es sogar mehr als drei Millionen - vor allem dank einer großen Schau anlässlich des 500. Todestages von Hieronymus Bosch (oder «El Bosco», wie er in Spanien heißt). Es war die bislang erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Museums.

Zum Jubiläum sind zahlreiche Sonderausstellungen geplant, nicht nur in Madrid, sondern auch in anderen Teilen Spaniens. Der Prado selbst widmet ab Mai der italienischen Frührenaissance eine Schau unter dem Titel «Fra Angelico und die Anfänge der Renaissance in Florenz». Im November startet eine Ausstellung mit mehr als 100 Zeichnungen von Goya (1746-1828). Und auch moderne Kunst des 20. Jahrhunderts findet Berücksichtigung, etwa ab April mit Werken des Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti (1901-1966).

König Felipe VI. würdigte den Prado erst kürzlich als «wahre Ikone der spanischen und universellen Kultur». Er sei «ein Symbol für Kreativität, Exzellenz und die künstlerische Sensibilität» des Landes - aber ebenso «ein Erbe der gesamten Menschheit.»

Veröffentlicht am:
02. 01. 2019
10:17 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
02. 01. 2019
10:17 Uhr



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