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Deutsche beim «World Cosplay Summit» in Tokio

Die Japaner haben der Welt nicht nur Autos, Fernseher und Computer geschenkt. Auch mit ihrer Pop-Kultur gewinnen sie die Herzen junger Menschen in aller Welt. Dazu gehört Cosplay - Fans verkleiden sich wie die Helden japanischer Animestreifen oder «Manga»-Comics.



World Cosplay Summit
In selbst kreierten Phantasie-Kostümen nehmen diese Cosplay-Fans am «World Cosplay Summit» teil.   Foto: Lars Nicolaysen

Sharina Kimura schwitzt in ihrer mittelalterlich anmutenden Rüstung, doch die Deutsche mit japanischen Wurzeln strahlt mit der Sonne über Tokio um die Wette. «Es ist unglaublich überwältigend hier,» sagt die junge Frau aus Rottweil in Baden-Württemberg.

An diesem schwülwarmen Sommertag im Herzen der japanischen Millionen-Hauptstadt schreitet Kimura - verkleidet als Prinzessin Kushana aus dem Animationsstreifen «Nausicaä aus dem Tal der Winde» - mit Schwert bewaffnet durch eine Halle in der Nähe des Baseballstadions Tokyo Dome. An ihrer Seite «Widersacherin» Nausicaä, Prinzessin des «Tals der Winde» - im echten Leben Kimuras Freundin Maria aus München.

Die beiden jungen Frauen haben ihren ganz großen Auftritt beim «World Cosplay Summit» - das Mekka für Fans japanischer Anime- und Manga-Kultur, der größte internationale Wettbewerb dieser Art. «Wir kennen Japan eigentlich nur so als Normalos, aber nicht als Cosplayers. Es ist eine ganz neue Erfahrung», erzählt die 25-jährige Maria Dick der Deutschen Presse-Agentur in Tokio.

Gut ein halbes Jahr lang hätten sie an ihren Kostümen gearbeitet, sagt Kimura, die Tochter eines Japaners. Im vergangenen September hatten sie die deutsche Vorauswahl für den «Cosplay Summit» bei der Anime-Convention «Connichi» in Kassel gewonnen, der größten Messe dieser Art rund um Anime, Manga und Cosplay im deutschsprachigen Raum. «Dabei sind wir gar nicht so die Anime- und Manga-Fans», gesteht Dick lächelnd ein.

Doch eines Tages hörten sie von einem Freund, dass man auf der Leipziger Buchmesse, die auch heute noch für Cosplay-Treffen bekannt sei, in einer Verkleidung erscheinen könne. «Wir haben einfach gerne Kostüme gebastelt, also sind wir hingegangen. Dann ist es eskaliert», erzählt die Münchnerin.

Der «World Cosplay Summit» wurde 2003 in der japanischen Industriestadt Nagoya aus der Taufe gehoben und ging dieses Jahr erstmals in Tokio über die Bühne. Um sich mit anderen internationalen Teams messen zu können, wählten die beiden Deutschen als Vorbilder die beiden Prinzessinen aus «Nausicaä aus dem Tal der Winde» vom international gefeierten Star-Regisseur Hayao Miyazaki.

«Es ist ganz wichtig, dass man authentisch ist», schildert Kimura eines der wichtigsten Kriterien beim Cosplay. «Man muss den Charakter so gut wie möglich verkörpern», so die 22-Jährige, die sich mit Künstlernamen «Feder» nennt.

Miyazakis berühmter Anime spiele zwar in einer postapokalyptischen Welt, die Kleidung der Heldinnen erinnere aber eher ans Mittelalter. «Daher haben wir uns an Rüstungen aus dem Mittelalter orientiert», erzählt Dick, die sich mit Künstlernamen «Cita» nennt und von Beruf Grafikdesignerin ist. So erkundeten die beiden Deutschen unter anderem, wie damals Rüstungen gemacht wurden.

Hunderte von Stunden investierten sie in die Herstellung ihre prächtigen Kostüme. Allein Kimuras Schuppenhemd besteht aus 650 Aluminiumplättchen, allesamt von Hand ausgeschnitten, gehämmert und angenäht. Die Schwerter haben Metallkerne, die die beiden Frauen mit Flugzeugsperrholz umwickelten.

Für das Kostüm von Prinzessin Nausicaä färbten und bearbeiteten sie Jeansstoff «tausendmal» mit Schleifpapier. «Es war uns superwichtig, dass die Kostüme so rüberkommen, als wenn sie real wären», sagt Kimura, die in München Innenarchitektur studiert.

«Cosplay» kam in den 1990er Jahren mit dem Manga- und Anime-Boom auch in die USA und nach Europa. Es sei für sie beide ein Hobby, schildert Kimura, die wegen ihres Vaters mit Anime und Manga schon seit Kindheitstagen vertraut ist. «Bei diesem Hobby lernen wir superviel», erzählt Kimuras Freundin begeistert.

Und das nicht nur in handwerklicher Hinsicht: Bei den «Cosplay»-Auftritten gewinne man an Selbstvertrauen. «Wenn ich zum Beispiel im Beruf eine Präsentation halten muss, kann ich jetzt einfach hingehen und vor der ganzen Abteilung frei sprechen - weil ich es halt gewohnt bin, hier vor Tausenden von Menschen auf die Bühne zu gehen», erzählt Dick.

Dennoch war ihr Auftritt beim «World Cosplay Summit» in Tokio «eine große Herausforderung». Doch selbst wenn es am Ende nicht reichen sollte, am 4. August ins Finale von Nagoya zu kommen: Gelohnt hat sich die monatelange Arbeit an den Kostümen allemal. Denn durch ihre erste Teilnahme am «Cosplay Summit» hätten sie Japan, das sie bisher nur als normale Touristen bereisten, «von einer ganz anderen Seite» kennengelernt.

Veröffentlicht am:
27. 07. 2019
15:19 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
27. 07. 2019
15:19 Uhr



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