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Domingo verlässt nach «MeToo»-Vorwürfen die Met

Eine große Opernkarriere steuert einem bitteren Ende entgegen. Nach Vorwürfen sexueller Belästigung schließen sich für Plácido Domingo nun auch die Türen der New Yorker Metropolitan Opera.



Plácido Domingo
Plácido Domingo 2004 in der Rolle des Siegmund in Wagners «Walküre».   Foto: Richard Drew

Statt Ovationen ein sang- und klangloser Abschied: Opernstar Plácido Domingo und die New Yorker Metropolitan Opera gehen nach den Vorwürfen der sexuellen Belästigung und unter dem wachsenden Druck der US-amerikanischen Öffentlichkeit nach 51 Jahren getrennte Wege.

An der Met hatte der damals 27-Jährige 1968 den internationalen Durchbruch geschafft. Nun steuert eine der größten Opernkarrieren einem bitteren, unfreiwilligen Ende entgegen.

Nur rund 24 Stunden vor seinem geplanten Auftritt bei der Premiere von «Macbeth» teilte der «Tenorissimo» am Dienstag überraschend mit, er habe bei der Opernleitung um sofortige Entbindung von seinen Pflichten gebeten. Der 78-Jährige gab zu verstehen, dass er an der Met - wo er 706 Mal als Sänger und 169 Mal als Regisseur das Publikum begeisterte - nie wieder auftreten werde.

Die Mitteilung des Arbeitgebers - eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt - las sich etwas anders: Domingo habe einer Beendigung der Zusammenarbeit «zugestimmt», hieß es. «Wir sind ihm dankbar, dass er akzeptiert hat, dass er abtreten musste», erklärte Met-Chef Peter Gelb.

Die ersten Anschuldigungen gegen Domingo hatten Mitte August die Opernwelt erschüttert. Mehrere Sängerinnen hatten dem Madrileño damals im Zuge der «MeToo»-Bewegung gegen sexistisches und sexuell übergriffiges Verhalten von Männern teils Jahrzehnte zurückliegende Belästigungen vorgeworfen. Anschließend folgten Beschuldigungen weiterer Frauen, darunter auch von einer früheren deutschen Mitarbeiterin einer Plattenfirma.

Insgesamt rund 20 Frauen beschuldigten bisher Domingo. Bis auf zwei sagten alle anonym aus. Einige Opernhäuser und Orchester, darunter die Häuser in Philadelphia, San Francisco und Dallas, sagten nach den erste Beschuldigungen Auftritte Domingos ab. Andere - vor allem in Europa - halten jedoch weiter an dem Sänger fest.

In einer Mitteilung an Medien bezeichnete sich Domingo als Opfer einer Vorverurteilung. «Ich weise die Anschuldigungen gegen mich entschieden zurück und mache mir Sorgen um ein Klima, in dem Menschen ohne angemessene Untersuchungen verurteilt werden."

Domingo stellt klar, dass sein Abgang kein Schuldeingeständnis bedeute. Er wolle nur nicht, dass sein Auftritt in der «Macbeth»-Inszenierung «von der harten Arbeit meiner Kollegen auf und hinter der Bühne» ablenkt. Die jüngste Kostümprobe zu «Macbeth» sehe er als seinen «letzten Auftritt auf der Bühne der Met» an.

Die spanische Zeitung «La Vanguardia» sprach von einem «traurigen Adiós», das Blatt «La Razón» sieht einen «bitteren Rückzug». Im Heimatland hat man aber wenig Mitleid mit Domingo. «Die Beendigung der Zusammenarbeit ist ein logischer Schritt, keine Großzügigkeit gegenüber den Kollegen an der Met. Zu viele Frauen haben ihn beschuldigt», sagte eine Teilnehmerin einer TV-Talksendung.

Am Mittwochabend hätte Domingo zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Vorwürfe wieder in einer «Macbeth»-Vorführung auf der Met-Bühne stehen sollen. Schon im Vorfeld hatte es deshalb hinter den Kulissen viel Wirbel gegeben. Orchester- und Chor-Mitglieder sollen nach Medienberichten Unmut über das Festhalten an dem Weltstar geäußert haben. Auch der Demokrat Brad Hoylman vom New Yorker Senat hatte die Entlassung Domingos gefordert.

Während das Repertoire seines musikalischen Vorbildes Enrico Caruso (1873-1921) 40 Rollen umfasste, sang Domingo nach eigenen Angaben mehr als 150 Rollen. In Wien erhielt er einmal einen Applaus von mehr als einer Stunde und an die 100 Vorhänge.

Vor wenigen Jahren war der sogenannte «Weltmeister der Oper» ins Baritonfach gewechselt. «Auf diese Weise kann ich meine Karriere noch ein wenig verlängern», sagte der Sohn von Sängern an einer Zarzuela-Bühne, der spanischen Version eines Operettenhauses. Von einer Pensionierung wollte der Musiker nie etwas wissen. «Wenn ich raste, roste ich», betonte er in vielen Interviews.

Noch halten Fans Domingo aber die Treue. Beim ersten Auftritt nach Bekanntwerden der Vorwürfe war der Künstler vom Publikum der Salzburger Festspiele demonstrativ gefeiert worden. Der nächste Auftritt ist für den 13. Oktober im Opernhaus Zürich (Nabucco) programmiert. Bis Jahresende folgen sieben weitere, darunter Konzerte am 27. November in der Hamburger Elbphilarmonie sowie am 19. Dezember in der Kölner Lanxess-Arena.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
15:37 Uhr

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