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Dramatiker Rolf Hochhuth mit 89 Jahren gestorben

Er galt als einer der wichtigsten deutschen Theaterautoren: Nun ist Rolf Hochhuth im Alter von 89 Jahren gestorben. In seinem Leben hat er viele Kontroversen ausgetragen.



Rolf Hochhuth
Der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding am Donnerstag der dpa mitteilte.

Der Tod wurde der Deutschen Presse-Agentur auch aus dem Umfeld Hochhuths in Berlin bestätigt. Hochhuth gehörte zu den umstrittensten deutschen Theaterautoren der Nachkriegszeit.

Hochhuth sei überraschend gestorben, sagte Ueding. Er habe sich am Vormittag sehr unwohl gefühlt und seine Frau benachrichtigt. Hochhuth sei dann in seiner Wohnung gestorben.

Der Zentralrat der Juden nannte Hochhuth in einer Reaktion «einen mutigen Tabubrecher». Er habe überfällige Debatten in Deutschland angestoßen und sich engagiert in gesellschaftliche Debatten über die Aufarbeitung des Nationalsozialismus eingemischt. «So unverständlich es war, dass Rolf Hochhuth zwischenzeitlich mit dem Holocaust-Leugner David Irving sympathisierte, so bleiben seine Verdienste um die Auseinandersetzung mit der Verstrickung der gesellschaftlichen und kirchlichen Eliten in die Schoa ungeschmälert», sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats.

Das Berliner Ensemble würdigte Hochhuth als «leidenschaftlichen Autor». Er sei «ein überaus streitbarer, politischer Kopf» gewesen und zugleich «durch und durch Dramatiker», schrieb Intendant Oliver Reese. Sein Vorgänger Claus Peymann sagte der 3sat-Sendung «Kulturzeit», Hochhuth sei «ein wirklicher Demokrat, ein wirklicher Aufrührer und ein Verrückter» gewesen. «Wir haben einen Streiter weniger und wir könnten ihn gut gebrauchen.»

Auch Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters verliert das Land «einen Schriftsteller und Theaterautor, der den gesellschaftspolitischen und kulturellen Diskurs der Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte begleitete, vor allem, weil er keine kontroverse Auseinandersetzung scheute». Hochhuth habe sich eingemischt, «liebte Provokationen und blieb sich selbst dabei bis zuletzt als sperriger Zeitgenosse treu».

Berlins Regierungschef Michael Müller sprach davon, Hochhuth habe «wie kaum ein anderer deutscher Dramatiker der Gegenwart auch international hohes Ansehen genossen». Der Berliner Theaterdirektor Martin Woelffer nannte Hochhuth «eine ewig kritische, niemals schweigende, immer kämpfende Stimme Berlins». Vom Verein der Freien Volksbühne hieß es, der Name Hochhuth sei «fest mit der Nachkriegsgeschichte des Theaters der Freien Volksbühne verbunden».

Im Theater am Kurfürstendamm - damals das Haus der Freien Volksbühne - war 1963 Hochhuths erstes Schauspiel «Der Stellvertreter» über den Vatikan uraufgeführt worden, das für heftige Kontroversen gesorgt hatte. Darin gab er der katholischen Kirche eine Mitschuld am Holocaust. Die Inszenierung übernahm Erwin Piscator.

Auch in anderen Stücken wie «Soldaten, Nekrolog auf Genf» über den englischen Premier Winston Churchill, «Unbefleckte Empfängnis», «Wessis in Weimar» oder «McKinsey kommt» über Massenentlassungen bezog er zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung.

Geboren wurde Hochhuth am 1. April 1931 als Sohn eines Schuhfabrikanten im hessischen Eschwege. Aufgewachsen unter dem NS-Regime, wurde die deutsche Vergangenheit sein bestimmendes Lebensthema. «Der Holocaust kann nie vergeben und vergessen werden», sagte er einmal.

Zunächst arbeitete er in Buchhandlungen und als Lektor. Das Schauspiel «Der Stellvertreter» wurde zum Welterfolg. Vor allem mit Konservativen geriet er immer wieder aneinander.

Seine Recherchen zu dem Stück «Juristen» über die Rolle früherer Nazi-Richter in der Bundesrepublik führten 1978 zum Rücktritt des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren Marinerichters Hans Filbinger. Er veröffentlichte im Laufe seines jahrzehntelangen Schaffens auch Essays und Gedichte.

Hochhuth machte auch mit teils bizarren Auftritten auf sich aufmerksam - etwa mit seinen später wieder zurückgenommenen Lobeshymnen auf den britischen Historiker und Holocaust-Leugner Irving. Er lieferte sich auch einen langen Streit mit den Nutzern des Berliner Theaters am Schiffbauerdamm, dem «Berliner Ensemble».

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 05. 2020
17:28 Uhr

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