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Dresden: Endlich Gäste für die Sixtina

Die Gemäldegalerie Alte Meister zählt zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art weltweit. In normalen Jahren kommen rund eine halbe Million Besucher, um die Meisterwerke von Dürer, Rembrandt, Rubens oder Tizian zu sehen - 2020 ist das anders.



Sempergalerie Dresden
Zu Besuch bei den Alten Meistern - mit Mundschutz.   Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die Sixtina empfängt wieder. «Das ist selten, dass man hier allein ist», freut sich eine Besucherin. Sie sitzt in dem rotwandigen Saal der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden fast andächtig vor dem berühmten Altarbild des italienischen Renaissancemalers Raffael.

Nach langer Corona-Zwangsabstinenz drängt es Kunstliebhaber wieder in die heiligen Hallen der Kunst, als sich am Dienstag die mächtige Flügeltür des Semperbaus am Zwinger erstmals für Publikum öffnet - nach gut siebenwöchiger Schließung. Vor dem Eingang warten Senioren, junge Frauen mit Kindern und Studenten, die mit Abstand eingelassen werden.

Mit Meisterwerken italienischer, holländischer, flämischer und deutscher Maler zählt die Dresdner Gemäldegalerie zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Der Semperbau ist seit kurzem zugleich Domizil der Skulpturen bis 1800 aus dem Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), zu denen das Museum gehört. Es ist eines der Zugpferde des Verbundes von 15 Häusern und macht den Auftakt für die schrittweise Rückkehr zur Normalität. Das Ausstellungsgebäude des 19. Jahrhunderts war erst Ende Februar, nach sieben Jahren Sanierung und der Neueinrichtung, wiedereröffnet worden - und schon zwei Wochen später wegen Corona erneut geschlossen.

«Endlich», sagt auch Generaldirektorin Marion Ackermann und freut sich über die Resonanz. Bis zum Nachmittag kamen insgesamt 337 Besucher, gemäß den Corona-Schutz-Regelungen dürfen maximal 200 zugleich durch Räume und Hallen streifen, wie ein SKD-Sprecher berichtet. Im weltweiten Rund der prominenten Museen gehören die SKD zu den ersten, die den Lockdown Schritt für Schritt beenden.

Christian (70) und Cornelia (68) aus Niederwiesa bei Freiberg sind die Ersten am Einlass und ziemlich aufgeregt. «Wir haben es vermisst», sagen sie unisono. Das Rentnerpaar ist vor allem gespannt auf die «neue» Ordnung in den Räumen. Sie legen schnell ihre Masken aus traditionellem Blaudruck-Stoff an - ein Begrüßungspräsent der SKD.

Auch die SKD-Chefin mit Tochter Ada muss wenig später im Treppenhaus warten. «Sonst sind zu viele Personen im Raum», sagt eine Aufsicht freundlich. Ein Besucher pro 20 Quadratmeter Ausstellungsfläche, mindestens 1,50 Meter Abstand und Mund-Nase-Schutz als Pflicht sind die Regeln für den seit Montag möglichen Museumsbesuch in der Corona-Pandemie. «Die Leute sind wirklich vernünftig und einsichtig», sagt ein Wachmann.

Der begrenzte Zugang erlaubt eine ungestörte Betrachtung der Meisterwerke von der Skulpturenhalle bis zum Deutschen Saal. Der mit Schildern und Klebebändern am Boden bezeichnete Rundgang führt in nur eine Richtung durch die Skulpturenhalle an Michelangelos im Treppenhaus vorbei zum prominentesten Dresdner Meisterwerk: Raffaels «Sixtinischer Madonna». Sie «empfängt» in Gesellschaft von Correggio und Zeitgenossen.

Zu ihrem Gegenüber in der Osthalle, Rembrandts «Ganymed in den Fängen des Adlers», geht es durch weitere Seitenräume ins 2. Obergeschoss. Dort betrachten zwei Frauen die Bellotto-Veduten und diskutieren über den berühmten «Canaletto-Blick» auf das Dresden des 18. Jahrhunderts. «Herrlich, wunderschön!», sagt das Paar aus Niederwiesa beseelt, das auch bei dem Bild «Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke» angelangt ist.

Die Kunstsammlungen, ein Zugpferd des internationalen Tourismus, machen nun Schritt für Schritt weitere ihrer Häuser und damit Originale zugänglich. Auch in anderen Bundesländern kommt das Museumsgeschehen wieder in Schwung. So stehen Berlins berühmte staatliche Museen vor einer langsamen Wiedereröffnung in der Corona-Krise. Die ersten Häuser wollen am 12. Mai ihre Türen vorsichtig wieder aufschließen. Auf der Museumsinsel werden zunächst die Alte Nationalgalerie, das Alte Museum und das Pergamon-Panorama einen lange Zeit verschlossenen Blick auf ihre Ausstellungen erlauben. Am Kulturforum sperrt die Gemäldesammlung wieder auf. In Bayern dürfen nach der mehrwöchigen Zwangspause ab dem kommenden Montag Museen, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten wieder öffnen.

Veröffentlicht am:
05. 05. 2020
18:18 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
05. 05. 2020
18:18 Uhr



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