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«Ein Engel in der Nacht»: Neues von Cornelia Funke

Die Bestsellerautorin Cornelia Funke arbeitet gerne an mehreren Projekten gleichzeitig. Jetzt wird es musikalisch. Und Jeremy Irons hat auch mitgemischt.



Cornelia Funke
Cornelia Funke mag das bunte Amerika.   Foto: Uli Deck

Wenn man zu ihrem neuen Hörbuch wegdöst, findet Cornelia Funke das vollkommen in Ordnung. Auf «Ein Engel in der Nacht» sind «Lullabys» zu hören, neue und traditionelle Lieder zum Einschlafen. Dazu erzählt die Bestsellerautorin ein Märchen, von eigens komponierter Cellomusik begleitet.

Was Cornelia Funke selbst träumt? Da ist sie eher prosaisch. «Wenn ich schlafe, schlafe ich.» Wenn sie träumt, dann aus der Kategorie: Koffer beim Verreisen vergessen. Die Welt ihrer Bücher, «Tintenherz», «Drachenreiter» oder «Reckless», die ist für tagsüber. Ihre Fantasie fließt in die Bücher und ins Zeichnen.

In der englischen Fassung von «Ein Engel in der Nacht» ist der Schauspieler Jeremy Irons zu hören. Die Sopranistin Lisa Delan und die Komponistin Luna Pearl Woolf dachten bei der Aufnahme an etwas, das man beim Zubettbringen der Kinder auflegen kann. Buchhändler könnten es so beschreiben: Ein poetisches Hörbuch mit Musik, für Kinder, aber nicht nur. Etwas für den Lesesessel mit dicken Kopfhörern oder die Zeit zwischen Wachen und Träumen.

Cornelia Funke arbeitet gern an mehreren Projekten gleichzeitig. Fans können das auf ihrer Homepage verfolgen, wo die «To-Do-Listen» stehen. Funke ist, so hat es der Kritiker Denis Scheck gerade zu ihrem 60. Geburtstag formuliert, ein «wandelnder literarischer Superlativ». Sie hat nach Angaben ihres Verlags mehr als 26 Millionen Bücher verkauft, ihr Werk ist in über 50 Sprachen übersetzt. In Neuseeland ist sie so beliebt, dass sie sogar von den Schafen gelesen wird, hat mal ein Verleger gesagt.

Gerade ist sie wegen des Hörbuchs aus Kalifornien, wo sie seit 2005 lebt, nach Berlin gereist. Im Interview ist sie freundlich, zugewandt. Dass ihre Heimat lange Hamburg war, verrät das «nech», das norddeutsche «nicht», das sich an ihre Sätze hängt. Die Musiker beim neuen Projekt liegen ihr am Herzen. Denn eigentlich ist ihr nicht nach Verreisen. Das Feuer, das im November in Malibu wütete, hätte fast ihr Haus zerstört. Außerdem wohnen und arbeiten gerade vier Künstler bei ihr.

Dass ihre Avocadofarm noch steht, hat sie ihrem Gärtner und seinen Männern zu verdanken. Die haben sie vor dem Feuer weggeschickt und sind heimlich zurückgegangen, wie Funke erzählt. Vier Tage und vier Nächte bewachten sie das Haus. Mittlerweile ist es wieder bewohnbar, aber wegen der Regenfälle wurde es zwischenzeitlich wieder evakuiert.

Cornelia Funke steckt das alles noch in den Knochen. Ihr ist klar: Sie hat eine Flucht mit Privilegien hinter sich und nicht wie andere alles verloren, die Versicherung zahlte. Aber es brachte sie zum Nachdenken, wie sich Flüchtlinge in Deutschland und weltweit fühlen. Die würden selten Dinge gefragt wie «Wie sah denn das Haus aus, das du verlassen hast?»

In Malibu sei die Atmosphäre immer noch sehr intensiv, sagt Funke. «Man wurde sehr daran erinnert, was das Essenzielle im Leben ist und wie wichtig es ist, auch einander jetzt zu helfen.» Diese Art des Mitgefühls und des Kümmerns hat Funke erlebt, als ihr Mann 2006 starb. Jetzt versuche sie, sich so zu verhalten, wie sie es damals von den Amerikanern gelernt habe.

Überhaupt: die USA. Die Freundlichkeit dort empfindet sie nicht als oberflächlich, sondern als Bereicherung. Sie mag es, in den USA mit der Supermarktverkäuferin zu plaudern, sich von Mutter zu Mutter zu unterhalten, einen Menschen nicht nur in seiner Funktion wahrzunehmen. Und sie mag Amerika, weil es so bunt ist. «Auch wenn es Mr. Trump gar nicht gefällt: Es ist ein Emigranten-Land.» Eine Rückkehr nach Deutschland kann sie sich gerade nicht vorstellen. «Wir wissen nicht, wie das Leben spielt. Aber ich bin ein Mensch, der immer vorwärts geht.»

Funke kann sich vorstellen, dass aus Büchern wie «Tintenherz» oder der «Reckless»-Reihe mal eine Serie bei Amazon oder Netflix wird. «Das wäre mir wesentlich lieber als ein Film.» Verfilmungen findet sie schwierig, besonders wenn verkürzt wird oder die Hauptfiguren uminterpretiert werden. Am besten gefällt ihr Detlev Bucks Film «Hände weg von Mississippi» von 2007. Der sei eine «wunderbare Überraschung» gewesen.

Den Pessimismus, der über den Bücherkonsum zu hören ist, teilt Cornelia Funke nicht. Dass die Leute heute nicht mehr so viel lesen wie früher, stimme nicht. Sie sei zu ihren Schulzeiten die einzige Leseratte gewesen. «Dieses Klischee 'Damals haben noch alle gelesen': Das ist einfach nicht wahr.» Für ihre Leser dürfte es noch einiges an Nachschub geben. Auf der «To-Do-Liste» stand gerade: «Drachenreiter 3 weiter schreiben».

Cornelia Funke und Luna Pearl Woolf, Ein Engel in der Nacht (Pentatone), 19,99 Euro.

Veröffentlicht am:
28. 03. 2019
10:12 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
28. 03. 2019
10:12 Uhr



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