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Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis

Elke Erb machte sich für Bürgerrechtler stark und wurde von der Stasi überwacht. Seit der Wende gewann die Autorin Preis um Preis. Für ihr «unverwechselbares» schriftstellerisches Lebenswerk bekommt sie jetzt auch den renommiertesten deutschen Literaturpreis.



Elke Erb
Elke Erb wird mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet.   Foto: Gerald Zoerner/Kulturamt Stadt Fellbach/dpa

Hohe Auszeichnung für Lyrikerin und Dichterin Elke Erb: Die 82 Jahre alte Schriftstellerin bekommt den Georg-Büchner-Preis 2020. «Ihre Wirkungen sind von ungeheuerer Fortdauer, sie schreibt mit ungeheuerer Intensität weiter», sagte der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Ernst Osterkamp, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Darmstadt. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Erb ist seit 1951 die elfte Frau, die den Preis bekommt. Die Verleihung ist für den 31. Oktober in Darmstadt geplant. «Wir hoffen, dass sie dann dabei sein wird», sagte Osterkamp, der auch Mitglied der Jury ist. Erb wollte sich am Dienstag nach Angaben der Akademie nicht zur der Auszeichnung äußern.

Mit Elke Erb ehre die Akademie ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt habe. «Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchstlebendige Erkenntnisform», urteilte die Jury. «Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert.»

Die 82 Jahre alte Erb lebt in Berlin und Wuischke (Sachsen). Sie ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste in Berlin.

«Sie nahm die Entscheidung mit der Haltung derjenigen auf, die die Entscheidung nicht falsch finden können», sagte Osterkamp. Erb sei «eine Leitfigur für junge Autoren». Ihre Poesie stamme aus der Gegenwart und auch aus der Erinnerung. Erb greife auf das immense Reservoir ihrer Tagebücher zurück. «Alles kann Gedicht sein für sie, weil alles Welt und Sprache ist.»

Erbs Werk umfasst Lyrik, Kurzprosa, prozessuale Texte und auch Übersetzungen. Ihre ersten Bücher waren «Gutachten, Poesie und Prosa» (1975) und «Der Faden der Geduld» (1978), ausgewählte Texte erschienen auch im Westen. Ihre Unterstützung von Bürgerrechtlern ließ die Autorin in den 80er Jahren auch in den Fokus der DDR-Staatssicherheit geraten. Vor allem seit dem Mauerfall erhielt die Schriftstellerin zahlreiche Auszeichnungen. Zuletzt wurde ihr im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Nach der Bekanntgabe der Preisträgerin will der Suhrkamp Verlag die Veröffentlichung eines Gedichtbandes von Elke Erb vorziehen. Anstelle des geplanten Verkaufsstarts im Frühjahr 2021 solle die rund 220 Seiten umfassende Auswahl von Gedichten nun bereits am 19. Oktober erscheinen, teilte der Verlag mit. Er würde damit vor der geplanten Preisverleihung veröffentlicht.

«Vor knapp zehn Jahren verlieh das Netzwerk der Literaturhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Elke Erb den Preis der Literaturhäuser», teilte der Vorsitzende des Netzwerks der Literaturhäuser, Hauke Hückstädt, vom Literaturhaus Frankfurt mit. «Jetzt applaudieren wir der widerständigen, auf der Bühne immer sprachlebendigen Autorin zu dieser Auszeichnung, die

auch eine Würdigung ist der findungsreichen Formstrenge wie zugleich aller Brechungen von Strenge.»

Erb wird als Büchnerpreisträgerin Nachfolgerin des Schweizer Schriftstellers und Dramatikers Lukas Bärfuss. In ihm sah die Jury 2019 einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Die Akademie vergibt die Auszeichnung seit 1951 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen «durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten» und «an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben».

Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt seit 2015 Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner, Terézia Mora und Bärfuss.

Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner («Woyzeck»). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

© dpa-infocom, dpa:200707-99-699797/5

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07. 07. 2020
15:44 Uhr

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