Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Boulevard

Grenzgänger und Gipfelstürmer - Schau zeigt Falco privat

Er ist eine Poplegende und bereitete weißen Rappern den Weg: Das Theatermuseum Hannover nähert sich in einer Ausstellung mit bisher nie gezeigten Objekten dem Mann, der als erster deutschsprachiger Musiker in den USA einen Nummer-Eins-Hit landete.



Falco
Eine goldene Schallplatte für die Single «Der Kommissar».   Foto: Hauke-Christian Dittrich » zu den Bildern

In der Villa im Waldviertel, wo Österreichs größter Popstar Falco Ruhe suchte, ist die Zeit stehengeblieben. Nach dem frühen Unfalltod des exzentrischen Künstlers 1998 beließen die Nachlassverwalter alles so, wie es war.

Falcos Bassgitarre, eine goldene Schallplatte und viele andere persönliche Dinge aus der Jugendstil-Villa sind erstmals öffentlich zu sehen. Unter dem Titel «Falco, in Gars am Kamp» zeigt das Theatermuseum Hannover rund 100 Exponate aus dem Privatbesitz des Schöpfers des Welthits «Rock me Amadeus», der als ein Urvater des weißen Rap gilt.

«Es gab die Kunstfigur Falco mit der Arroganz, dem Wiener Schmäh, die spielte er gern», sagt Ausstellungsmacher Carsten Niemann. «Und es gab Hans Hölzel, der in Gars fast spießig lebte, zeitweise Schlafzimmer an Schlafzimmer mit seiner Mutter Maria.» In der Küche dort stehen heute noch zwei Goldrand-Tassen mit der Aufschrift «Hansi» und «Maria». Fotografien des Österreichers Niko Havranek und eine Filmreportage geben Einblick in den Rückzugsort des Musikers 80 Kilometer entfernt von Wien.

«Ich bin ein Grenzgänger», sagt Falco in einem Radiointerview zu seinem 40. Geburtstag, das aus einem Ghettoblaster an einer Hörstation tönt. «Die Balance darf ich gar nicht finden, sonst wär ich ja kein Künstler.» Kein Jahr nach diesem Gespräch ist Falco tot, er stirbt betrunken und zugekokst am Steuer seines Geländewagens in der Dominikanischen Republik.

Ronald Seunig, Vorsitzender der Falco Privatstiftung, erinnert sich in einem TV-Interview an seinen engen Freund und dessen Probleme, dauerhafte Beziehungen mit Frauen zu führen. Falco sei weder verzweifelt noch zerbrochen gewesen, betont der Verwalter des Nachlasses. Die Selbstmord-Gerüchte nach Falcos Tod seien Stuss. «Das hätte er seiner Mutter nie angetan.»

Im April 1986 stand Falco mit «Rock me Amadeus» vor Prince mit «Kiss» und den Bangles an der Spitze der US-amerikanischen Billboard-Charts - keinem deutschsprachigen Künstler gelang das davor und danach. Diese Charts hängen ebenfalls gerahmt in der Villa und sind jetzt in Hannover zu sehen. «Ich war bei einem Essen in Wien dabei, als sein Manager ihn anrief und sagte 'Du bist die Nummer eins!'», erzählt Falcos Biograf Peter Lanz der dpa. «Alle feierten mit Champagner, Hans wurde sehr ruhig. Er wusste, dieser Moment kommt nie wieder.»

In Österreich sei Falco immer präsent gewesen, in Deutschland erkenne man jetzt erst seine Qualität und das Spektakuläre, meint Lanz. «Er hat es geschafft, den Rap in der deutschen Sprache zu etablieren - im Maßanzug mit Sonnenbrille und gegelten Haaren statt in Jogginghose und Gangsterpose.»

Die bis zum 17. März laufende Ausstellung bietet auch die Möglichkeit, in die 80er Jahre einzutauchen. Falco erzählt in einer Talk-Show mit Joachim Fuchsberger offen von seinen Abstürzen, ohne die der nächste Gipfel nicht zu erklimmen sei. Auch der «Niedergang des Schallplattengeschäfts» ist Thema. Es werde zu viel manipuliert und am Reißbrett kreiert, kritisiert der damals 29-Jährige. «Uns fehlen Typen, die tun, was sie wollen.»

Veröffentlicht am:
19. 10. 2018
08:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amadeus Deutsche Presseagentur Falco Joachim Fuchsberger Peter Lanz Schlafzimmer Sänger und Sängerinnen des Bereichs Rap Theatermuseen Unfalltod privat
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bambi - Bjarne Mädel

22.11.2019

Starke Frauen und eine TV-Legende bei der Bambi-Gala

Der Medienpreis Bambi bringt Glanz und Glamour nach Baden-Baden. Starke Frauen ist das Motto des Abends. Nicht nur Prominente können sich über Preise freuen. » mehr

Falco

04.10.2018

Ausstellung zeigt unbekannte Seite von Pop-Legende Falco

Falco ist 20 Jahre nach seinem Tod noch Kult. Das Theatermuseum Hannover widmet dem exaltierten Sänger eine Ausstellung - nach Angaben des Museumsdirektors ist es die erste über den Menschen Falco. » mehr

Max Herre

04.11.2019

Max Herre warnt vor Verharmlosung von Rechten

Das politische Klima in Deutschland wandelt sich. Der Rapper Max Herre macht sich Sorgen um die Demokratie. » mehr

«Fame Forest»

30.10.2019

Smudo und Sasha pflanzen erste Bäume im «Fame Forest»

Es geht um die CO2-Bilanz und den Klimaschutz. Künstler, die in der Hamburger Hamburger Barclaycard Arena auftreten, werden gebeten, dort Bäume zu pflanzen. Damit sollen Zeichen gesetzt werden. » mehr

Nick Cave

08.10.2019

Nick Caves «Ghosteen»: Die Trauer muss raus

Der Schmerz ist unermesslich - und Nick Cave versucht ihn rauszulassen: Nach dem düsteren «Skeleton Tree» verarbeitet der Australier nun auch auf «Ghosteen» die Trauer über den Unfalltod seines Sohnes Arthur. » mehr

Prinz Harry

27.09.2019

Erinnerung an Diana: Prinz Harry im Minenfeld

Für Prinz Harry wird es in Afrika hochemotional. Erinnerungen werden wach, als er in Angola auf den Spuren seiner Mutter Diana wandelt. Es ist ein hochexplosiver Besuch - im wahrsten Sinne des Wortes. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Frankenwald-Advent in Nordhalben

Frankenwald-Advent in Nordhalben | 04.12.2019 Nordhalben
» 18 Bilder ansehen

Weihnachtsmarkt in Mitwitz

Weihnachtsmarkt in Mitwitz | 30.11.2019 Mitwitz
» 33 Bilder ansehen

Krippenausstellung in Kronach

Krippenausstellung in Kronach | 01.12.2019 Kronach
» 19 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 10. 2018
08:12 Uhr



^