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Julius-Hirsch-Preis für Die Toten Hosen

Punk und Fußball, ein Künstlerleben gegen Rechts und für soziales Engagement: Da finden Campino und der DFB einen Konsens.



Julius-Hirsch-Preis
DFB-Präsident Fritz Keller (l), Laudator Thees Uhlmann (2.v.r.) und Die Toten Hosen bei der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Das hat mit Punk nichts mehr zu tun!» Mit dieser schönen Provokation löste Sänger-Kollege Thees Uhlmann bei seiner Laudatio auf Kumpel Campino und die Toten Hosen ein Raunen im Saal aus: «Jetzt bekommt ihr schon einen Preis vom DFB!»

Die Toten Hosen als Fans jenes Verbandes, der auch für viele Anhänger der Düsseldorfer Alt-Punker gut zum dauerhaften Feindbild taugt?

Die gesamte Band habe sich erst einmal schütteln müssen, als sie die Nachricht erreichte, sie soll für ihr Lebensengagement gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung den Julius-Hirsch-Ehrenpreis des DFB bekommen, verriet Campino nach einer emotionalen Auszeichnungsveranstaltung in Frankfurt.

«Ich muss mir nicht selbst dafür auf die Schultern klopfen, mich seit fast 40 Jahren gegen Rechts einzusetzen. Wir wollen mit unserer Anwesenheit auch helfen, den Fokus auf diesen Preis zu richten», sagte der Frontmann der Hosen der Deutschen Presse-Agentur. Der einstige jüdische Nationalspieler Julius Hirsch war 1943 von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet worden. «Denn wir finden es gut, dass der DFB es als seine Aufgabe sieht, klare Kante zu zeigen gegen Fremdenhass, Rassismus und Homophobie», ergänzte Campino.

Seit ihrer Gründung 1982 steht die wohl bekannteste Punkband des Landes auch für ihr politisches Engagement - und für die Begeisterung für den Fußball. «Es geht hier nicht um Kunst oder Fußball, sondern darum, wer sich wie einbringen kann», erklärte der bekennende Liverpool- und Fortuna-Düsseldorf-Fan Campino, mit bürgerlichen Namen Andreas Frege, zur neuen Herausforderung auch für die beiden Bereiche.

«Was wir zur Zeit beobachten, ist eine Radikalisierung im Netz. Dort präsentiert sich die wirkliche Fratze der Hässlichkeit. Diese Menschen sind extrem gut organisiert und zeigen offen, dass sie da sind», sagte der 57-Jährige zum Rechtsruck in jenem Land, das durch seine Vergangenheit besonders vorsichtig mit dem Thema umgehen müsse. Der heute in Tel Aviv lebende Zvi Cohen (88), Überlebender des KZ Theresienstadt, mahnte als Zeitzeuge mit einer bewegenden Schilderung seiner Erlebnisse im Dritten Reich.

«Rechtsextremes Gedankengut gab es schon immer. Durch das Internet sehen wir nun, wie tief es schon in unser gesellschaftliches Bewusstsein eingedrungen ist», warnte Campino. Und im Fußball, in den Fanblöcken müsse man bei allen Fortschritten weiter gegen den Faschismus ankämpfen. Es gebe «immer noch zu viele Vereine, in denen Rechtsaußen die Oberhand hat und alles andere wegzudrücken versucht».

Und so setzen Die Toten Hosen ihre «Band-DNA», wie der Ex-Tomte-Frontmann und St.-Pauli-Fan Uhlmann das politische Wirken von Campino und Co. bezeichnete, «gern» für den DFB ein. «Fußball ist nun mal Volkssport Nummer eins. Da sind zum Beispiel die Amateurclubs, die eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernehmen, nämlich die Integration von Leuten verschiedenster Kulturen - das ist nicht hoch genug zu würdigen», sagte Campino.

Mit Blick auf die mahnende Vergangenheit sei es «immer auch ein sensibles Thema, wenn Nationalmannschaften gegeneinander antreten», unterstrich Campino. «Wir sollten Verständnis dafür haben, dass es Menschen gibt, die darauf empfindlich reagieren, weil Deutschland nun mal das bevölkerungsreichste Land in Europa ist und das vielen Respekt einflößt. Es ist eben nicht das putzige Liechtenstein, wo in jedem Hintergarten eine Fahne hängt und es niemanden stört.»

Er finde es so auch «völlig in Ordnung, wenn sich ein Fußballfan entschließt, nur Anhänger seiner Stadt und seines Clubs zu sein. Dass es ihm mit der Nationalmannschaft zu weit geht oder es ihn nicht mehr so berührt, nach dem Motto 'Ich kann mir das angucken, aber ich muss da nicht mitfeiern'», sagte der Hosen-Sänger.

«Bei allem was man als Fußballfan am DFB rumzunörgeln hat, das hier ist eine gute und wichtige Sache», erklärte Gitarrist Breiti. Und Musiker-Kollege Uhlmann schloss: «Ich finde, das ist Punk.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
13:37 Uhr

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