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Boulevard

Kachelmann kehrt ins Fernsehen zurück

Der MDR holt Jörg Kachelmann zurück ins Fernsehen. Zusammen mit Kim Fisher übernimmt er die Moderation der Talkshow «Riverboat». Für beide ist es ein Zurück zu neuen alten Zeiten.



Jörg Kachelmann
Jörg Kachelmann arbeitet wieder als Moderator.   Foto: Sebastian Willnow

Jörg Kachelmann (60) kehrt als Moderator ins Fernsehen zurück. Zusammen mit Kim Fisher (49) führt er wöchentlich durch die MDR-Talkshow «Riverboat». Beide haben die Show auch schon in früheren Jahren zusammen moderiert.

Ihre erste neue gemeinsame Sendung wird am Freitag, 4. Januar, ausgestrahlt. Im dpa-Interview äußern sich Kachelmann und Fisher über ihre Pläne für die Zukunft - und blicken auch zurück.

Frage: Herr Kachelmann, welches unwiderstehliche Angebot hat ihnen der MDR gemacht, dass Sie nach zehn Jahren wieder beim «Riverboat» anheuern?

Kachelmann: Warum muss das Angebot unwiderstehlich sein? Ich habe das «Riverboat» schon in verschiedenen Phasen meines Lebens moderiert und jetzt zum vierten Mal. Das Angebot war einfach schön. Ich habe mich darüber gefreut und es gerne angenommen.

Frage: Das «Riverboat» ist ja schon ein alter Tanker. Was haben Sie sich beide für die Moderation vorgenommen?

Fisher: Ich habe mir in der Tat gar nichts vorgenommen. Ich denke, das ist auch besser. Wir sind einander vertraut, und es ist trotzdem eine neue Zeit. Ich wünsche mir, dass es unaufgeregt und echt ist.

Kachelmann: Ich hoffe, dass ich das gut mache und nicht langweilig bin. Bei Kim habe ich keine Zweifel. Ich hatte diese Pause. Gewisse Basisreflexe gehen noch, aber mein Ziel ist es, dass man möglichst nicht merkt, dass ich zehn Jahre älter geworden bin. Vor der ersten Sendung bin ich erstmal voller Sorgen und Ängste. Das ist mein jetziger Zustand.

Fisher: Aber dieser Zustand, der ist echt, und der ist gut.

Frage: Das heißt, Sie haben ernstlich noch Lampenfieber?

Kachelmann: Früher hatte ich das zugegebenermaßen praktisch nicht. Aber ohne diese Routine habe ich es natürlich.

Frage: Frau Fisher, Sie haben gesagt, dass Sie beim «Riverboat» an die alten Erfolge anknüpfen wollen. Welche Erfolge meinen Sie?

Fisher: Ich habe auch gesagt: ... in neuen Zeiten. Ich war ja auch länger weg zwischendurch, aber in diesen Jahren, in denen ich hier wieder bin, hat man mich immer wieder mal auf die frühere Moderation mit Jörg Kachelmann angesprochen. Man hat uns auch immer wieder gesagt, dass das so eine Art Ur-Einheit gewesen ist. Aber das verklärt sich natürlich auch mit den Jahren.

Kachelmann: Man erinnert sich zum Glück nicht an die langweiligen Sendungen, die wir auch gemacht haben. Das ist auch der Druck, der auf mir lastet: Dass es diese Verklärung gibt und man denkt, damals sei es immer lustig gewesen. Aber es war gar nicht der Fall. Dazu kommt: Diese Sendung ist sehr erfolgreich. Deswegen ist es jetzt ein schwerer Einstiegsmoment für mich.

Frage: Was schätzen Sie denn am jeweils anderen als Moderationspartner?

Fisher: Jörg hat Fragen gestellt, die mir damals fast unangenehm waren. Aber sie waren so wahnsinnig effektiv in der Antwort. Das hatte ich nie, und das mag ich.

Kachelmann: Mir hat sehr geholfen, dass Kim kluge, vorbereitete, weise Fragen stellt. Man sieht bei ihr immer in erster Linie die Fröhlichkeit. Es hat auch ein bisschen mit Chauvinismus zu tun, dass man immer denkt, eine Frau die so fröhlich ist, trägt das als Monstranz vor sich her und denkt nicht viel.

Fisher: Echt?!

Kachelmann: Doch, manche Männer denken so. Bei Kim ist das eine ganz falsche Annahme, wie wahrscheinlich in fast allen Fällen, in denen man das annimmt. Sie ist eine gewissenhafte und ausführliche Vorbereiterin. Dadurch hat sie mir auch gezeigt, wie es wieder geht. Das ist wie in der Schule, wenn man nebenan abguckt, wie es die kluge Mitschülerin macht. In den zehn Jahren vergisst man viel. Ich habe die Mechanismen nicht mehr. Und ich habe natürlich auch das Selbstbewusstsein von damals nicht mehr. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes Dinge überlebt, die ein paar Sicherheiten genommen haben.

Frage: Sie hatten Twitter für sich entdeckt und dort relativ scharf geschossen gegen Journalisten und gerade auch gegen Verantwortliche im Fernsehen. Wie werden Sie in Zukunft twittern?

Kachelmann: Ich habe das nicht für mich entdeckt, sondern die ARD hat es mir 2009 gezeigt und gesagt, Du musst einen Account machen. Es ist für mich entdeckt worden. Ich bin dann darauf gekommen, weil es eine Zeit gab, wo man mit mir - aus welchen Gründen auch immer - nicht so sprechen wollte. Ich habe schon längere Zeit nichts mehr zu den durch Sie erwähnten Themen geschrieben, natürlich aus naheliegenden Gründen. Ich stehe zu dem, was ich da geschrieben habe. Ich habe auch nichts gelöscht. Zu dem Zeitpunkt, als ich das geschrieben habe, habe ich das so empfunden. Ich habe den Umgang mit mir damals als ungerecht empfunden. Aber es ist natürlich klar, dass sich das jetzt erledigt hat. Den Grund, eine Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, gibt es nicht mehr. Im Übrigen finde ich es auch ganz schlimm, wenn Menschen ihre Meinung nie ändern. Ich bin generell ein großer Verzeiher, Vergeber und Vergesser.

Frage: Sie machen wieder Wetter mit ihrer eigenen Firma, aber nicht mehr im Fernsehen. Haben Sie noch weitere Fernsehpläne?

Antwort: Nein, eine wöchentliche «Riverboat»-Sendung ist ja nichts, was man an einem Tag mal schnell macht. Es wird eher so sein, dass ich die Sachen, die ich für Kachelmannwetter mache, auf mehrere Schultern werde verteilen müssen.

Frage: Haben Sie Gäste, die Sie schon immer mal ins «Riverboat» einladen wollten?

Fisher: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich könnte Tina Turner sagen oder die Queen.

Kachelmann: Papst, Queen... Ich glaube nicht, dass das so wichtig ist. Ich glaube, dass ein Klempner aus Sömmerda für die Zuschauerinnen und Zuschauer auch eine Offenbarung im positiven Sinne sein kann. Große Namen sind hilfreich, aber die Mischung macht's.

Frage: Große Namen kommen ja auch oft, wenn Sie einen Film oder eine Platte promoten wollen.

Fisher: Deshalb. Genau. Ich versuche denen ja vorher immer zu sagen: Es wäre echt viel sympathischer, wenn Du das nicht tätest. Denn wenn ich etwas über Dich erfahre, habe ich viel mehr Lust am nächsten Tag loszugehen und mich dafür weiter zu interessieren. Ich verstehe aber natürlich, dass man wegen der Promo kommt. Aber ich glaube, die Gäste verstehen sehr schnell, dass ich auch deswegen ein guter Partner bin, weil ich sie davon weghole.

Frage: Auf dem «Riverboat» hat die Besetzung zuletzt oft gewechselt, es wurde viel experimentiert. Wie lange wollen Sie das Schiff jetzt durch ruhigeres Fahrwasser steuern?

Kachelmann: Das ist nicht unsere Entscheidung. Ich weiß nicht, wann die Altersguillotine kommt. Es hängt davon ab, wie gut ich das mache. Kim wird das noch 30 Jahre machen.

Fisher: Jörg hat früher immer zu mir gesagt: Du wirst schon sehen. Wenn Du 40 bist, dann kommt die unsichtbare Hand und nimmt Dich vom Monitor. Nun werde ich im April 50 und kann echt sagen: Es ist so gut, wie es noch nie war. Gerade im Talk ist es einfacher für einen Gast, sich auf ein Gespräch einzulassen, wenn er das Gefühl hat, dass der Partner nicht einfach nur einen Katalog mit Fragen runterrasselt.

Kachelmann: Es ist auch ein neuer MDR. Vor gut zehn Jahren war es schwer, als alter Mensch im Fernsehen moderieren zu dürfen. Das wird in den letzten Jahren allgemein etwas lockerer gesehen auf Frauen- und auf Männerseite. Ich bin natürlich dankbar, dass ich davon und vom neuen MDR jetzt auch profitiere.

ZUR PERSON: 

Jörg Kachelmann (60) ist ein Schweizer Moderator und Wetterexperte. Das «Riverboat» hat er mit Unterbrechungen schon von 1997 bis 2009 moderiert. 2011 wurde er in einem Prozess vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. 

Kim Fisher (49) gehört ebenfalls zur «Riverboat»-Stammbesatzung. Sie talkte dort schon von 1998 bis 2005 und ging 2014 wieder an Bord. Die Moderatorin stammt aus Berlin.

Veröffentlicht am:
03. 01. 2019
09:57 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 01. 2019
09:57 Uhr



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