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Boulevard

Kontroverse um Maroon 5 beim Super Bowl

Ein Auftritt beim Super Bowl galt einst als Krönung einer langen Musikerkarriere. Doch nach Protesten in der Liga NFL ist die Halbzeitshow politisch aufgeladen. Für die Veranstalter begann nach mehreren Absagen eine peinliche Suche.



Maroon 5 -  Adam Levine
Sänger Adam Levine mit seiner Band Maroon 5 bei den 2018 iHeartRadio Music Awards.   Foto: Chris Pizzello

Der Auftritt hat noch nicht begonnen, aber schon laufen heiße Debatten. «Maroon 5: Sagt die Halbzeitshow beim Super Bowl ab», fordert eine Online-Petition die Popband auf.

Mit ihrer Show beim Endspiel in der Football-Liga NFL stehen die fünf Musiker am Sonntag im Mittelpunkt des wichtigsten Fernsehereignisses in den USA - und im Kreuzfeuer einer hitzigen Diskussion über politische Proteste innerhalb der Liga. Teils scheint die Partie der New England Patriots gegen die Los Angeles Rams in den Hintergrund zu rücken.

Mehr als 111 000 Menschen haben die Petition unterzeichnet. Das sind nur gut 0,1 Prozent der gut 103 Millionen Amerikaner, die das Sport-Großereignis vergangenes Jahr im Fernsehen oder im Internet verfolgten. Für Maroon 5 und die Rapper Big Boi und Travis Scott, die ebenfalls auftreten, bedeutet das Spektakel einen ordentlichen Schub an Aufmerksamkeit. Unzählige Gespräche in amerikanischen Wohnzimmern, Büros und Cafés werden sich am Sonntag und Montag darum drehen, ob der perfekt choreografierte Auftritt nun top oder Flop war.

Aber auch der Super Bowl ist nicht mehr das, was er mal war. Der von Quarterback Colin Kaepernick begonnene Protest gegen Unterdrückung von Schwarzen und Polizeigewalt hat dem beliebtesten Sport der Amerikaner eine ganz neue Symbolik verpasst. Seit März 2017 wurde Kaepernick von keinem Team mehr unter Vertrag genommen. Und Fans wie Musiker müssen entscheiden, ob sie zu ihm halten und die NFL boykottieren oder weiter machen wie bisher.

Für Jay-Z war die Sache klar. «Ich habe nein gesagt zum Super Bowl / Ihr braucht mich, ich brauche euch nicht», rappt er in seinem Titel «Apeshit». Auch die Sängerinnen Rihanna und Pink sollen einen Auftritt aus Unterstützung für Kaepernick abgelehnt haben. Rapperin Cardi B zeigte sich für die Halbzeitshow erst bereit, «wenn sie Colin Kaepernick wieder einstellen», wie sie der Website «TMZ» sagte. Für die NFL begann eine peinliche Suche nach einem Star, der die Show irgendwie noch rettet.

Mit Maroon 5 fällt die Wahl nun auf eine butterweiche Popband. Die dreifachen Grammy-Gewinner aus Kalifornien stehen für tanzbaren Soul und sind mit Hits wie «This Love», «She Will Be Loved» und «Makes Me Wonder» fest im musikalischen Mainstream verankert. Kontroversen wie den «Nipplegate»-Skandal von 2004, als Popstar Justin Timberlake vor Millionen die Brust von Sängerin Janet Jackson entblößte, sind bei ihnen kaum zu erwarten.

Leicht gefallen ist Maroon 5 der Entschluss nach eigener Darstellung keineswegs. «Niemand hat sich mehr Gedanken darüber gemacht als ich», sagte Sänger Adam Levine (39) am Donnerstag (Ortszeit) in der Sendung «Entertainment  Tonight». «Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, und noch wichtiger: Ich habe all den Lärm um mich ausgeblendet und auf mich gehört.» Er wolle durch seine Musik sprechen, sagte Levine in seinem bislang einzigen Interview vor dem Super Bowl.

Die übliche Pressekonferenz zum Auftritt sagte die NFL ab - wohl auch, um ungemütlichen Fragen zu entgehen. Parallel kündigten die Musiker mit der NFL und ihrem Label Interscope eine Spende über 500 000 Dollar (438 000 Euro) für eine Organisation an, die Kindern in den USA Betreuer zur Seite stellt. Ziel ist, dass die Kinder etwa seltener den Schulunterricht schwänzen oder weniger mit Drogen und Alkohol experimentieren. Rapper Travis Scott war zuvor mit ähnlichem Beispiel vorangegangen.

Ein Auftritt auf der «größten Bühne der Welt», wie Liga-Boss Roger Goodell sie bezeichnet, galt einst als Ritterschlag. Prince, Michael Jackson und Beyoncé gaben sich die Ehre, auch Bruce Springsteen und U2 lieferten denkwürdige Shows ab. Im Jahr 2019 ist die Show vor allem ein Politikum. Die NFL dürfte auf einen reibungslosen Ablauf hoffen - und dass US-Präsident Donald Trump die Debatte nicht noch unnötig anheizt. Trump ist am Sonntag beim Sender CBS im Interview zu sehen. Es läuft wenige Stunden vor Spielbeginn.

Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
09:15 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
09:15 Uhr



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