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«Lovestory»: Fettes Brot erforschen die Liebe

Es geht um Netz-Narzissten, Tinder-Trophäen-Sammler und KI-Verliebte: Auf ihrem neuen Album beschäftigen sich die Jungs von Fettes Brot mit den Eigenarten der Liebe im 21. Jahrhundert.



Fettes Brot
Fettes Brot sind Geschichtenerzähler.   Foto: Daniel Karmann

Mit «Jein» und «Nordisch by Nature» feierten sie ihren Durchbruch, besangen «Schwule Mädchen» und schafften mit «Emanuela» den 2. Platz beim Bundesvision Song Contest: Seit mehr als 25 Jahren gehört die Hamburger Band Fettes Brot zu den festen Größen des deutschen Hip-Hop.

Auf ihrem neuen und neunten Album «Lovestory» beleuchten Doktor Renz (Martin Vandreier), König Boris (Boris Lauterbach) und Björn Beton (Björn Warns) nun die verschiedenen Facetten der Liebe. «Im Laufe der Produktion haben wir einfach gemerkt, dass die stärksten Lieder alle zum Thema Liebe waren», sagte Martin Vandreier im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

So geht es auf «Lovestory» um das Thema Narzissmus versus gesunde Selbstliebe («Ich liebe mich»), die Liebe zu einem depressiven Menschen («Klapse»), aber auch um politische Themen wie «Du driftest nach rechts» über einen (Ex-)Partner, mit dem man nicht mehr einer Meinung ist oder die Liebe zwischen älteren Homosexuellen («Opa + Opa»). Das Ganze wie immer mit einer gehörigen Portion (Selbst-)Ironie und ohne erhobenen Zeigefinger. «Wir sind Geschichtenerzähler. Was die Leute als Botschaft daraus hören, bleibt dem Zuhörer überlassen», meinte Boris Lauterbach.

Musikalisch knüpft «Lovestory» an den Sound früherer Alben an - mit etwas weniger Hip-Hop, dafür mehr Funk und Disco. Entstanden ist das neue Album zusammen mit ihrer Live-Band. «Wir haben uns tatsächlich an dem spielerischen Prozess des Musikmachens noch mal neu berauscht», sagte Lauterbach. «Wir waren alle in einem Raum, haben Geräusche aus unseren Instrumenten geholt und so die Songs erarbeitet», erklärte der Musiker.

Aufgenommen haben die Hamburger Jungs das Album in ihrem Studio in der Bernstorffstraße 117, direkt an der Grenze zum Stadtteil St. Pauli. Ob sie dort auch in Zukunft werden arbeiten können, wissen sie jedoch nicht. Denn der Hinterhof, auf dem rund 110 Handwerker und Künstler arbeiten und leben, wurde von Investoren gekauft. Seitdem fürchtet die Hofgemeinschaft, langfristig durch Mieterhöhungen vertrieben zu werden. Zusammen haben sie den Verein «Viva la Bernie» ins Leben gerufen, Solidaritätskonzerte veranstaltet und sieben Millionen Euro zusammenbekommen, um das Areal zurückzukaufen.

«Das Thema ist: Wem gehört die Stadt? Das spitzt sich ja immer mehr zu an allen Ecken. Es gibt kaum noch Wohnraum, der bezahlbar ist. Die Frage ist doch: Was passiert mit einer Stadt, wenn das so weiter geht?», fragt Lauterbach. Björn Warns freut sich, dass mittlerweile auch viele Politiker das Thema erkannt haben und hofft auf «gangbare Wege, das nicht allein dem Kapital zu überlassen, ohne dass man dadurch gleich in die Planwirtschaft abrutscht».

Für Vandreier könnte «Viva la Bernie» Symbolcharakter haben: «Ich glaube, dass wir jetzt schon für andere Projekte Inspiration sind und Leuten Mut machen. Das heißt man ist vielleicht gar nicht so ohnmächtig, wie man sich manchmal vorkommt.»

Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
11:13 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
11:13 Uhr



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