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Lukas Bärfuss erhält Georg-Büchner-Preis

Die Auszeichnung kommt für den Schriftsteller Lukas Bärfuss überraschend: Georg-Büchner-Preisträger 2019. Die Vita des Namensgebers sollte bei der derzeitigen Flüchtlingssituation Mahnung sein, sagt er.



Lukas Bärfuss
Der Georg-Büchner-Preis geht an Lukas Bärfuss. Foto: Markus Scholz   Foto: dpa

Der junge Lukas Bärfuss sucht eine Aufgabe und findet die Liebe zum Schreiben. «Ich war Anfang, Mitte 20, und hatte keine Perspektive in meinem Leben und habe mir ein Abenteuer gesucht für das Leben», sagt der Schweizer Essayist und Dramatiker über den Beginn seiner Karriere.

«Und Schreiben schien mir einfach eines der möglichen Abenteuer, wie man sein Leben verbringen kann.» Er habe sich dann freier Schriftsteller genannt, und das habe eigentlich ganz ordentlich funktioniert bis heute.

Als einer der herausragenden deutschsprachigen Erzähler und Dramatiker bekommt der heute 47-Jährige nun den Georg-Büchner-Preis 2019. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. «Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existenzielle Grundsituationen des modernen Lebens», begründet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt die Entscheidung. Der Preis wird am 2. November verliehen.

So wie Bärfuss als junger Mann das Abenteuer suchte, suchen seine Themen heute ihn. Woher nimmt er seine Ideen? «Weiß ich nicht, keine Ahnung. Picasso hat mal gesagt: «Ich suche nicht, ich finde.»» Diese Dinge und Stoffe, die er verarbeite, seien halt irgendwann da und ließen ihn nicht in Ruhe. «Das ist wie ein ungebetener Gast.» Ein Gast, der nachts an deiner Tür klingele und den man dann wegschicke. Aber er komme halt wieder und wieder. «Irgendwann lässt man ihn herein und dann hat man mit ihm das Gespräch zu suchen», beschreibt der in Zürich mit seiner Lebensgefährtin wohnende Vater von drei Kindern. «Ich muss nicht suchen, ich musste meine Stoffe nie suchen.»

Das Werk des mehrfach ausgezeichneten 47-Jährigen ist umfassend. Romane, Novellen, Essays und Theaterstücke: Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Romane «Hundert Tage» über den Völkermord in Ruanda und «Koala» über den Suizid seines Bruders sowie das Bühnenstück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Im September 2018 wurde sein Stück «Der Elefantengeist» über den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt.

Als vollendet sieht er seine Arbeiten nicht an. «Ich habe nie ein Buch fertig geschrieben, man hat es mir immer entrissen.» Das seien dann die Momente gewesen, wenn die Arbeiten zum Drucker mussten. «Deshalb habe ich irgendwie nicht das Gefühl, dass ich meine Bücher fertiggeschrieben hätte.» Dann gebe es eine Leere, weil man nichts mehr daran arbeiten, nichts mehr ändern könne. Da habe er sich auch schon mal gesagt, dass er kein Buch mehr schreiben werde. «Und dann dauert es eine Woche und ich setze mich an das Nächste.»

Der Büchner-Preis ist für ihn ein «Engelskuss». Der Preis stehe einfach für sich. Doch sei der Dramatiker Georg Büchner (1813-1837) für ihn auch prägend gewesen und dessen Lebensweg nach wie vor hoch aktuell. «Seine Literatur hat mein Leben verändert. Es gibt nur wenige Autoren, von denen ich das sagen kann.» Ob Büchners «Woyzeck» oder «Dantons Tod»: Danach sei nichts mehr wie vorher gewesen. Und der aus politischen Gründen im 19. Jahrhundert aus Hessen in die Schweiz geflüchtete und in Zürich gestorbene Revolutionär Büchner müsse noch heute Mahnung sein. Es gebe heute ganz viele Menschen in der gleichen Situation. Viele müssten fliehen, weil sie verfolgt werden. Die Schweiz habe Büchner Obdach gegeben. «Das sollte uns doch allen Mahnung sein.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2019
13:31 Uhr

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09. 07. 2019
13:31 Uhr



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