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Neil Young sucht einen US-Präsidenten

Ein Politiker mit «Heart Of Gold» im Weißen Haus? Das wünscht sich wohl nicht nur Neil Young. Mit einem neu betexteten Polit-Song macht der Rockstar deutlich, was er vom amtierenden US-Präsidenten Donald Trump hält - nämlich gar nichts.



Neil Young
Neil Young - der Antipode von Donald Trump.   Foto: Nils Meilvang/SCANPIX DENMARK/dpa

Sein größter Hit heißt «Heart Of Gold», das Lied ist 48 Jahre alt. Damals suchte Neil Young nach einem «Herzen aus Gold» nur im Privaten - US-Präsident war 1972 der Republikaner Richard Nixon, dessen Watergate-Skandal noch in der Zukunft lag.

Inzwischen hat der Rocksänger seine Suche nach etwas Besserem so eindeutig wie nie zuvor auf die politische Ebene gehoben: Young ist im Wahljahr 2020 der wortgewaltigste, wütendste Antipode von US-Präsident Donald Trump in der amerikanischen Musikszene. Und er lässt nicht locker.

Jetzt bläst der 74-jährige Kanadier mit einem 14 Jahre alten, umgeschriebenen Polit-Rocksong zur Attacke auf Trump. «Lookin' For A Leader 2020» ist zugleich ein flammender Appell, am 3. November die oppositionellen US-Demokraten zu wählen. Das Lied mit Youngs typischem Fistelgesang, Akustikgitarre und Mundharmonika, ursprünglich aus dem Album «Living With War» (2006), wurde kurz nach seiner Veröffentlichung Zehntausende Mal auf YouTube abgerufen.

«Ja, wir hatten Barack Obama/und wir bräuchten ihn jetzt dringend/der Mann, der hinter ihm stand/muss irgendwie seinen Platz einnehmen», singt Young mit Blick auf den designierten demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, der diese Woche offiziell zum Trump-Herausforderer gekürt werden soll. Und über Trump: «Amerika hat einen Anführer/der Mauern um unser Haus baut/der 'Black Lives Matter' nicht kennt/und wir haben eine Stimme, um ihn abzuwählen.»

Auch die von Trump angezettelte Debatte über eine Verschiebung der Abstimmung wegen der Corona-Pandemie oder öffentliche Zweifel an der Briefwahl sind in den aktuellen Text eingeflossen: «Wir haben unsere Wahl/aber Korruption hat eine Chance», befürchtet Young. Und er fährt fort: «Amerika ist schön/hat aber eine hässliche Seite». Statt eines Präsidenten, der sich «in seinem Bunker versteckt», wünscht sich der Musiker im Weißen Haus einen Politiker «mit großer Geisteshaltung».

«Lookin' For A Leader 2020» ist, wie schon häufiger bei Young, nicht gerade ein Musterbeispiel subtiler Dichtkunst - aber das Lied kommt von Herzen. Nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 hatte dieser aus der Hippie-Bewegung der 60er Jahre stammende Songwriter mit «Are You Passionate?» ein aggressiv patriotisches Album vorgelegt, das ihm viele Linke übel nahmen (wie übrigens zuvor schon seine kurzzeitige Parteinahme für den Republikaner Ronald Reagan). 2006 erschien dann «Living With War», eine Platte, mit der sich Young am seinerzeit amtierenden Präsidenten George W. Bush abarbeitete - und so irritierte liberale Fans besänftigte.

Auch Youngs Engagement für notleidende Landwirte («Farm Aid»), die Rechte der «Native Americans» oder den Umwelt- und Naturschutz sind Teil seiner politischen Agenda über viele Jahrzehnte. Erst kürzlich sorgte der am 12. November 1945 im kanadischen Toronto geborene Sänger, Gitarrist und Bandleader (Crazy Horse, Promise Of The Real) für Aufsehen, als er endlich die US-Staatsbürgerschaft erhielt. Diese hatte der seit langem in Kalifornien lebende Young beantragt, um im November 2020 gegen Trump stimmen zu können.

Der jetzige Präsident ist seit kurzem auch Ziel eines juristischen Angriffs, mit dem Young erneut an der Spitze einer Bewegung empörter Künstler steht. Wegen Verwendung seiner Songs bei einer Trump-Ansprache hatte der Folkrock-Musiker rechtliche Schritte gegen das Team der US-Republikaner eingeleitet. In einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung schrieb er unter anderem, er könne es nicht erlauben, dass seine Musik «für eine spalterische, un-amerikanische Kampagne von Ignoranz und Hass» benutzt werde.

Die Vorwürfe drehen sich um die nicht genehmigte Verwendung der Young-Songs «Rockin' In The Free World» und «Devil's Sidewalk» im Juni bei einer Trump-Kundgebung in Tulsa/Oklahoma. «Stellt Euch vor, wie es sich anfühlt, 'Rockin' In The Free World' zu hören, nachdem dieser Präsident gesprochen hat - als wäre es sein Titelsong. Ich habe ihn nicht dafür geschrieben», sagte der Musiker. Andere Stars wie Elton John, Mick Jagger, Keith Richards oder Lionel Richie wollen nun ebenfalls erreichen, dass ihre Musik in Wahlkampagnen nicht ohne Zustimmung verwendet werden darf.

© dpa-infocom, dpa:200817-99-191853/4

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Veröffentlicht am:
17. 08. 2020
10:39 Uhr

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17. 08. 2020
10:39 Uhr



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