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Neustart: documenta-Geschäftsführerin tritt Amt an

Die in die Krise geratene documenta hat eine neue Geschäftsführerin. Ihre wichtigste Aufgabe wird die Vorbereitung der nächsten Ausstellung sein. Die Chancen für einen Neustart stehen gut - es gibt aber auch noch Altlasten.



Sabine Schormann
Die neue documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann spricht während ihres ersten öffentlichen Auftritts.   Foto: dpa

Die Suche nach einem künstlerischen Leiter für die nächste documenta, die finanzielle Zukunft der Ausstellung und der Bau eines documenta-Instituts - es gäbe viele Fragen, zu denen eine neue Geschäftsführerin der bedeutendsten Ausstellung für moderne Kunst sich positionieren könnte.

Doch bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt in Kassel konzentrierte sich Sabine Schormann auf ein anderes Thema: Im Museum Fridericianum präsentierte die 56-Jährige die Ausstellung «AMVK» der belgischen Künstlerin Anne-Mie Van Kerckhoven.

«Es ist schön, gleich mit einer neuen Ausstellung starten zu können», sagte die Generaldirektorin - so heißt die Stelle neuerdings - der gemeinnützigen documenta und Museum Fridericianum GmbH. Seit Anfang November ist sie im Amt - war aber schon seit Monaten hinter den Kulissen aktiv. Sie habe «erfolgreich damit begonnen, die documenta zu stärken und gemeinsam mit der Findungskommission für die künstlerische Leitung den Blick nach vorn - in Richtung der nächsten Weltkunstausstellung vom 18. Juni bis 25. September 2022 - zu richten», erklärte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD).

So wählte Schormann den neuen Direktor des Fridericianum mit aus und schlug Mitglieder der Findungskommission vor, die den künstlerischen Leiter der documenta 15 sucht. Auch die neue Ausstellung hat sie über Kontakte nach Kassel geholt. «Alle Weichenstellungen waren so schnell wie möglich vorzunehmen», erklärte Schormann. Der Erneuerungsprozess ist noch nicht abgeschlossen, beispielsweise steht ein Wechsel des Finanzchefs an. «Was wir nun angehen ist, der documenta ein neues strukturelles Rückgrat zu geben», sagt die 56-Jährige über ihre Aufgabe.

Ihr Vorgänger, der Musikmanager Wolfgang Orthmayr, hatte sein Amt nur wenige Monate als Übergang ausgefüllt. Zuvor war die damalige Geschäftsführerin Annette Kulenkampff vorzeitig ausgeschieden, nachdem die vergangene documenta mit einem Defizit von 5,4 Millionen Euro abgeschlossen hatte und in eine Krise geraten war.

Schormann muss die Ausstellung in ruhiges Fahrwasser führen. Zuletzt war die promovierte Germanistin in Doppelfunktion Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung. Sie muss zeigen, dass die Schau ihre künstlerische Freiheit trotz schärferer Beobachtung durch die Politik bewahren kann.

Die Chancen für einen Neuanfang stehen gut: Die vergangene documenta ist nur noch Randthema. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Schormanns Vorvorgängerin und weitere Verantwortliche der documenta 14 wegen angeblich zweckwidriger Verwendung von Geld eingestellt. «Kein strafbewehrtes Verhalten feststellbar», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nachwirkungen der documenta 14 könnten der neuen Generaldirektorin bei den Finanzen drohen: Das endgültige Defizit der vergangenen Ausstellung ist noch nicht öffentlich bekannt. Man wolle es erst dem documenta-Aufsichtsrat vorlegen, sagte ein Sprecher der Stadt Kassel. Wann das erfolge, sei unklar.

Der Vorsitzende des Kasseler documenta forums, Jörg Sperling, glaubt dennoch an einen erfolgreichen Start Schormanns. Der Verein, den documenta-Gründer Arnold Bode ins Leben rief, hatte sich zuletzt eher kritisch zu Wort gemeldet. «Bezüglich der neuen documenta ist alles im Fluss», sagt Sperling. Man erwarte, dass Anfang des Jahres ein neuer künstlerischer Leiter vorgestellt werde. Die Krise und die danach folgende Einmischung der Politik schrecke Kandidaten nicht ab. «Wer da angefragt wird, fühlt sich geadelt», erklärt er.

Veröffentlicht am:
08. 11. 2018
14:44 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2018
14:44 Uhr



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