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Norah Jones: Angejazzter Folk-Pop auf hohem Niveau

Vor knapp 20 Jahren legte Norah Jones einen Senkrechtstart hin, eroberte weltweit die Charts, sammelte Grammys ein. Eine solche Sensation sind ihre Songs zwischen Folk, Jazz, Blues und Pop nun nicht mehr - aber immer noch brillant.



Norah Jones
Norah Jones: Weder Jazz noch Barmusik - sondern einfach gute Songs.   Foto: Diane Russo/Universal Music/dpa

Norah Jones spielt Klavier und singt ganz entspannt, Jeff Tweedy von der US-Folkrockband Wilco streichelt die Saiten seiner Gitarre, drumherum plaudern sympathische Menschen und trinken Wein. Ja, bei dieser Party wäre man gern dabei gewesen.

Das Video zur neuen Single «I'm Alive» liefert den Vorgeschmack auf ein perfekt ausgereiftes Album, das die neunfache Grammy-Gewinnerin Jones von ihrer besten Seite als Singer-Songwriterin präsentiert.

«Pick Me Up Off The Floor» ist das siebte Studiowerk der inzwischen 41 Jahre alten Musikerin auf dem renommierten Jazz-Label Blue Note. Jazz im klassischen Sinn von melodisch oder rhythmisch wagemutiger Improvisation kommt hier allerdings nur noch in Spurenelementen vor.

Und wenn man es genau nimmt: In die Jazz-Schublade passten die Songs von Norah Jones seit Beginn ihrer Karriere vor zwei Jahrzehnten ohnehin nie so richtig, ihre gepflegten Kompositionen hatten meist mehr mit Folk, Soul und Blues zu tun. Der allererste Versuch «Come Away With Me» sei ja sogar «eine Art Country-Song» gewesen, sagte sie kürzlich im Interview des «Forbes»-Magazins.

Ihren angejazzten Folk-Pop (um diese smarte Genre-Mixtur mal zu definieren) präsentiert die in Brooklyn geborene, in Texas aufgewachsene Tochter des indischen Sitar-Meisters Ravi Shankar auf dem neuen Album nun so anmutig wie selten zuvor. Meist sind wenige, produktionstechnisch wunderbar klar abgegrenzte Instrumente zu hören, gespielt selbstredend nur von Könnern wie Tweedy, John Patitucci (Bass) oder Brian Blade (Schlagzeug). Die elf Songs haben viel Raum zum Atmen, jede schöne Nuance kommt zur Geltung.

Und Jones singt mit ihrer warmen, immer leicht schläfrigen Altstimme so selbstbewusst und elegant wie selten zuvor - ohne mit den neuen Liedern auf irgendwelche Charts zu schielen, die sie 2002 im Sturm erobert hatte. Damals lieferten ihre Songs den Hintergrund-Soundtrack für schicke Bars und Kaffeehausketten, der Hype war gewaltig. Das Debütalbum von 2002 belegte Platz 1 in den USA und Großbritannien, es verkaufte sich mehr als 20 Millionen Mal. Auch «Feels Like Home» (2004) und «Not Too Late» (2007) führten die Hitparaden an.

Die Nachfolger bis einschließlich «Day Breaks» (2016) schlugen sich bei Käufern und Kritikern immer noch sehr respektabel, obwohl der Norah-Jones-Sound schon längst keine Sensation mehr war. Das gilt nun auch für «Pick Me Up...» mit souveränen, teilweise etwas düsteren Stücken wie «Flame Twin» und «Heartbroken, Day After» oder der tollen, reduzierten Ballade «Heaven Above» an der Seite ihres langjährigen Musikerfreundes Jeff Tweedy.

«Also ich denke, die Song-Reihenfolge auf diesem Album nimmt den Hörer ein bisschen mit auf eine Reise. Bin gespannt, ob die Leute da mitgehen», sagte die Sängerin im «Forbes»-Gespräch. «Wir sind doch alle mal traurig, wir müssen alle mal 'aufgesammelt' werden. Auf und ab - darum geht es.»

In einem anderen Interview deutete die sanfte Norah sogar einen (pessimistischen) Polit-Hintergrund ihrer aktuellen Musik an - in den USA hätten sich «viele Dinge in eine schlechte Richtung entwickelt», ihr Land sei «verpfuscht» worden.

Ein kämpferisches Protestalbum sollte man von dieser Künstlerin nun freilich nicht erwarten. Nach «Begin Again» (2019), schon vom Titel her ein typisches Übergangswerk, hat Norah Jones ihre erfolgreiche Songwriter-Karriere jetzt auf hohem Niveau konsolidiert. Die neuen Lieder habe sie zunächst als Roh-Einspielungen auf ihrem Smartphone gehört, «wenn ich mit meinen Hund Gassi ging». Dann verliebte sie sich in das Material, rief vertraute Kollegen ins Studio - und daraus wurde mit «Pick Me Up Off The Floor» eine ihrer stärksten Platten.

Veröffentlicht am:
12. 06. 2020
08:17 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
12. 06. 2020
08:17 Uhr



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