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«Overview-Effekt»: 60 Jahre Filmfestival Thessaloniki

Selbst während der fast zehn Jahre währenden griechischen Finanzkrise hat sich das Filmfestival Thessaloniki behauptet - Themen gab es mit Krise, griechischer Armut und auch dem Thema Migration genug.



Filmfestival Thessaloniki
Das Wahrzeichen der Stadt Thessaloniki: der Weiße Turm.   Foto: Federico Gambarini/dpa

Als «Overview-Effekt» bezeichnet man das Phänomen, wenn Astronauten den Planeten Erde erstmals in Gänze aus dem Weltall betrachten.

In diesem Moment verändere sich für die Raumfahrer ein für alle Mal die Perspektive auf die Welt und den Menschen, heißt es - es entwickle sich eine Ehrfurcht, aber auch ein tieferes Verständnis für das große Ganze.

«Overview-Effekt» lautet denn auch das Motto des diesjährigen Filmfestivals Thessaloniki: Die Macher wollen damit einen Rück-, Über- und Gesamtblick auf das Festival werfen, das dieses Jahr seine 60. Ausgabe feiert und damit zu den ältesten Veranstaltungen dieser Art in Europa gehört.

Dabei wollen die Griechen auch den Blick nach vorne nicht vergessen: «Die Nostalgie wird Platz für die Horizonte der Zukunft machen», verspricht der künstlerische Direktor des Festivals, Orestis Andreadakis, bei der Vorstellung des Programms. Nicht weniger als 201 Filme und 59 Kurzfilme sollen zwischen dem 31. Oktober und dem 10. November in den Kinos von Thessaloniki laufen.

Die Hafenmetropole will dabei das zeigen, was Thessaloniki war und ist: historisch multikulturell. Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen und Juden haben über die Jahrtausende in der fast eine Million zählenden nordgriechischen Hafenstadt gelebt und ihre Spuren hinterlassen. Heute ist Thessaloniki das Tor Südosteuropas zum Nahen Osten und Afrika. «Das Filmfestival ist Teil der Geschichte der Stadt», betont die griechische Kulturministerin, Lina Mendoni.

Entsprechend weltoffen und multikulturell ist das Programm gestaltet. 14 Filme darunter auch zwei Co-Produktionen mit deutscher Beteiligung («Monos» von Alejandro Landes und «The Fever» von Maya Da-Rin) und ein österreichischer Film von Andreas Horwath («Lillian») sind beim Rennen um den mit 8000 Euro dotierten «Goldenen Alexander» dabei. Alle diese Filme wurden laut Andreadakis ausgewählt, weil sie einen Blick präsentieren, der im Einklang mit dem Motto des 60. Festivals «Overview-Effekt» steht.

Den Griechen ist es gelungen, ihr Filmfestival trotz der schweren Finanzkrise der vergangenen zehn Jahre am Leben zu erhalten. «Es ist ein Wunder, dass das Festival überlebt hat», sagt hinter vorgehaltener Hand ein altgedienter Filmexperte einer der größten griechischen Tageszeitungen. Die Spuren jedoch sind sichtbar: War der «Goldene Alexander» vor zehn Jahren noch mit 37 000 Euro dotiert, sind es heute eben nur noch 8000 Euro. «In Thessaloniki findet man nicht den großen Glanz der renommierten Filmfestivals der Welt. Aber hier ist die Erde, aus der der Film wächst. Und das braucht das Kino», sagt der Fachmann.

Was Thessalonikis Filmfestival dieses Jahr außerdem kennzeichnet, ist der Versuch, den Kontakt mit den umliegenden Regionen herzustellen, die ebenfalls von Krisen, Kriegen und der größten Migrationsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg erschüttert werden. Neben dem eigentlichen Wettbewerb wird dieses Jahr auch ein Part unter dem Namen «Meet the Neighbors» laufen. «Wir entdecken die Verwandtschaften mit unseren Nachbarn», lautet hier das Motto. Mit dabei sind Filme von Nachwuchs-Regisseuren aus der Türkei, Ungarn, Israel, Bulgarien, Rumänien und Nordmazedonien.

Zudem wollen die Verantwortlichen etwas für das Kino der Zukunft in der Region tun: Gefragt sind Produzenten und Finanzierer für die Arbeit von Regisseuren rund ums östliche Mittelmeer, die ihre Filme wegen der vielfältigen Krisen in der Region nicht fertigstellen konnten. «Es gibt Talente und es gibt Leute, die sie suchen. Die wollen wir hier in Thessaloniki zusammenbringen», sagt Andreadakis.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 10. 2019
14:34 Uhr

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27. 10. 2019
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