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Palast der Republik öffnet symbolisch wieder

Kaum ein Gebäude sorgt für so viel Gesprächsstoff, obwohl es nicht mehr steht: Der Palast der Republik wurde vor einem Jahrzehnt abgerissen. Nun soll er bei einem Kunstprojekt in Berlin wieder auferstehen - irgendwie zumindest.



Berliner Kunstprojekt
Die Scheiben des Hauses der Berliner Festspiele sind mit Bronzefolien beklebt.   Foto: Britta Pedersen

Rund zehn Jahre nach dem Abriss des Palasts der Republik wollen Künstler in Berlin das DDR-Gebäude wieder auferstehen lassen - zumindest symbolisch.

Das Haus der Berliner Festspiele im Westen der Hauptstadt soll sich am Wochenende (8. bis 10. März) verwandeln. Auf den Fensterscheiben kleben bereits Bronzefolien.

«Unser ganzes Gebäude wird Las-Vegas-mäßig umgetauft, aber es ist keine Doublette», sagt Intendant Thomas Oberender. «Unser Projekt ist nicht von Nostalgie geprägt. Sondern ein Anlass, über die Geschichte zu sprechen, über Ost und West und eine Reformagenda von heute.»

Geplant sind etwa eine Diskussion mit dem Autor Bernhard Schlink («Der Vorleser»), ein Gespräch mit der französischen Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy oder eine «parlamentarische Anhörung» mit dem früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis.

Der Palast der Republik, ein Prestigebau des Ostens, stand auf der Berliner Museumsinsel. Die DDR-Führung hatte dort 1950 das alte Stadtschloss sprengen lassen, das vom Krieg beschädigt war. Stattdessen wurde in den 70ern der Palast der Republik gebaut. Darin gab es auch Restaurants, eine Bowlingbahn und einen großen Veranstaltungssaal.

Nach dem Mauerfall wurde der Palast zunächst wegen Asbestbelastung geschlossen und schließlich abgerissen, was einige auch als politische Entscheidung werteten. Heute entsteht dort eine Rekonstruktion des alten Schlosses. Das hatte auch eine Debatte ausgelöst, wie man mit Architektur und Geschichte umgeht.

«Ich finde falsch, dass das alte Preußenschloss abgerissen wurde. Und ich finde auch falsch, dass später der Palast der Republik abgerissen wurde», sagte Intendant Oberender der Deutschen Presse-Agentur. «Heute wäre er im Stadtzentrum von Berlin ein Gebäude, das eine schwierige Geschichte wach halten könnte.»

Er selbst habe als Schüler eine Klassenfahrt aus Thüringen dorthin gemacht und sei als Student dort immatrikuliert worden. «Der Palast der Republik war ein Ort, an dem ein Fake-Parlament getagt hat, aber auch ein Ort, an dem die DDR weniger spießig und verschlossen war.»

Für ihr Kunstprojekt wollen die Berliner Festspiele nun Musik, Lesungen, Performances und auch politische Diskussionen verbinden. Den Veranstaltern geht es darum, auch eine Gegensicht auf die bisherige Geschichtsschreibung zu zeigen.

«Wir müssen anfangen, die Sicht der Ostdeutschen ernst zu nehmen», sagte Oberender. «Es geht nicht darum, die DDR oder Helmut Kohl zu verklären, sondern ein realistischeres Bild der Revolution und der Langzeitfolgen des Einheitsvertrages für die Ostdeutschen zu zeigen.»

Es gehe nicht um Sentimentalität, sondern eher «um ein Empowerment Ost». 30 Jahre nach der Maueröffnung fühle es sich so so an, «als ob die Gesellschaft auseinanderdrifte statt zusammenzuwachsen. Das mache er etwa an den AfD-Ergebnissen im Osten oder der niedrigen Zahl von Ostdeutschen in Führungspositionen fest.

Damals seien im Osten Gewerkschaften, Parteien und Zeitungen gegründet worden. «An diese Selbstermächtigung sollten wir uns erinnern und an sie anknüpfen», sagte Oberender, «denn die Art des Beitritts, die Politik der Treuhand und der westliche Elitentransfer haben viele im Osten später sehr gekränkt».

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 03. 2019
09:44 Uhr

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05. 03. 2019
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