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Popmusiker fordern mehr Song-Rechte

Freiheitslieder und gesellschaftskritische Songs als musikalischer Hintergrund im US-Wahlkampf? Für viele Künstler ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Stars wie Neil Young, die Stones oder Lionel Richie wehren sich. Ihr Kampf für mehr Rechte hat eine lange Tradition.



Mick Jagger
Mick Jagger bei den Filmfestspielen in Venedig 2019.   Foto: Joel C Ryan/Invision/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump auf einer großen Bühne, dazu der Freiheitssong «Rockin' In The Free World» von Neil Young: Diese Vorstellung wurde dem kanadisch-amerikanischen Musiker wohl unerträglich. Der überzeugte Demokrat Young prüft deswegen jetzt rechtliche Schritte gegen den Republikaner Trump.

Im Kampf gegen eine Zweckentfremdung ihrer Lieder bei Wahlkampf-Shows von US-Politikern verlangen auch andere Stars wie Mick Jagger und Keith Richards (The Rolling Stones) oder Elton John von den Parteien, ihre Musik nicht ohne Zustimmung zu verwenden. Sie sind Teil des Bündnisses Artist Rights Alliance (ARA), das Rechte von Songwritern und Musikern einfordert. Auch Künstler wie Alanis Morissette, Steven Tyler (Aerosmith), Linkin Park, R.E.M., Blondie, Courtney Love, Elvis Costello oder Lionel Richie unterzeichneten einen entsprechenden Brief an Gremien der Republikaner und Demokraten, der am Dienstag (Ortszeit) veröffentlicht wurde.

«Wir haben erlebt, wie so viele Künstler gegen ihren Willen in die Politik gezerrt und zu aggressiven Maßnahmen gezwungen wurden, um die Verwendung ihrer Musik zu verbieten - in der Regel Lieder, die während politischer Kundgebungen ausgestrahlt oder in Wahlkampfwerbung verwendet werden», erklärte der Verband ARA. «Das kann Fans verwirren und enttäuschen und sogar das langfristige Einkommen eines Künstlers untergraben.»

Schaut man sich eine vom Magazin «Rolling Stone» zusammengestellte Protestler-Liste an, dann fällt auf: In den meisten Fällen wehren sich linksliberale, den Demokraten zuneigende Rock- und Popstars gegen eine Vereinnahmung durch die konservativen Republikaner.

Legendär ist der Streit von Stadionrocker Bruce Springsteen (70) mit den Wahlkampftruppen Ronald Reagans und anderer Republikaner, die sein Lied «Born In The USA» (1984) für patriotische Zwecke nutzen wollten. Da habe man seinen (gesellschaftskritischen) Text gründlich missverstanden, so der volksnahe Songdichter. Springsteen weiter: «Ich glaube, Menschen haben den Wunsch, Gutes für ihr Land zu empfinden. Aber diese gute Sache wird manipuliert und ausgebeutet.»

Der 74-jährige Young dachte jetzt offenkundig ähnlich, als er sah, wie der von ihm zutiefst verachtete Trump seinen berühmten Song vom Album «Freedom» (1989) Anfang Juli bei einer Ansprache am Mount Rushmore nutzte. «Stellt Euch vor, wie es sich anfühlt, "Rockin' In The Free World" zu hören, nachdem dieser Präsident gesprochen hat - als wäre es sein Titelsong. Ich habe ihn nicht dafür geschrieben.» Er sei nun dabei, «den Präsidenten zu verklagen», schrieb Young.

Viele berühmte Musiker haben ähnlich angesäuert oder empört auf die Aneignung ihrer Melodien und Texte reagiert. So war der Jazz- und Popsänger Bobby McFerrin überhaupt nicht glücklich, als George Bush senior 1988 seinen Gute-Laune-Hit «Don't Worry, Be Happy» spielen ließ - der Afroamerikaner, Unterstützer der Demokraten, ließ sich auch von einer Charmeoffensive des Bush-Lagers nicht einwickeln. Der britische Rockstar Sting störte sich an der Verwendung seines Liedes «Brand New Day» durch George W. Bush im Wahlkampf des Jahres 2000.

Der renommierte Singer-Songwriter Jackson Browne wandte sich gegen die Nutzung von «Running On Empty» durch John McCain im US-Wahlkampf gegen Barack Obama 2008. Und die Grunge-Rock-Truppe Foo Fighters untersagte demselben republikanischen Kandidaten das Abspielen ihres Songs «My Hero» - McCain sei nun mal überhaupt nicht sein Held, so Bandsänger Dave Grohl, ein Obama-Unterstützer.

Die populären US-Musiker John Mellencamp («Our Country», «R.O.C.K. In The U.S.A.»), Van Halen («Right Now») und Tom Petty («I Won't Back Down») verbaten sich ebenfalls republikanische Übergriffe. Die Familie des 2017 gestorbenen Petty etwa erklärte, der Sänger hätte niemals gewollt, dass sein Lied einer Hasskampagne dient. «Wir glauben an Amerika und an die Demokratie. Aber Donald Trump repräsentiert keines dieser noblen Ideale.»

Die Rolling Stones haben ebenfalls schon Unmut über den jetzigen US-Präsidenten bekundet. Ihr Song «You Can't Always Get What You Want» ertönte 2016 bei Wahlkampfauftritten Trumps - ohne Einverständnis der Briten. Die Textzeile «Ihr könnt nicht immer bekommen, was Ihr wollt» klingt nun zweideutig, da Trump um seine Wiederwahl bangen muss und aggressiv gegen alle Gegner vorgeht. Eine weitere Zeile des Liedes von 1968: «Aber Ihr bekommt, was Ihr braucht». Vielleicht ja auch den braven Demokraten Joe Biden. Viele Rockstars werden es sich wünschen.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-966810/3

Veröffentlicht am:
29. 07. 2020
13:38 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
29. 07. 2020
13:38 Uhr



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