Lade Login-Box.
Topthemen: Die Videos der WocheDer BachelorCotubeVor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-Theater

Boulevard

Satelliten-Skulptur soll im All fliegen

Er sammelt keine Wetterdaten und hilft nicht beim Navigieren: Der Satellit von US-Künstler Trevor Paglen soll lediglich Sonnenlicht spiegeln und zum Nachdenken anregen. Seine Weltraum-Kunst verärgert Astronomen und wirft die Frage auf, was ins All gehört und was nicht.



Satelliten-Skulptur
Eine grafische Darstellung des Satelliten «Orbital Reflector».   Foto: www.orbitalreflector.com/dpa

Unter Wasser, in der Wüste, im Gletscher-Eis: Künstler wagen sich mit ihren Arbeiten mitunter in schwer zugängliches Terrain. Trevor Paglen will noch einen Schritt weiter - und höher. Sein spiegelnder, schillernder Satellit «Orbital Reflector» soll Mitte November in die Umlaufbahn der Erde starten.

580 Kilometer über der Erdoberfläche soll die Skulptur fliegen und das All in ein Freiluftmuseum für Erdbewohner verwandeln. Einige Wissenschaftler sind verärgert und warnen vor unnötigem Weltraumschrott.

Mehr als 1800 Satelliten kreisen nach UN-Angaben derzeit um den Planeten, allein 2017 wurden gut 550 neue Objekte angemeldet. Sie sammeln Wetterdaten, helfen beim Navigieren oder spionieren feindliche Ziele aus. Sie steuern den Schiffsverkehr oder stimmen die Zeit in Stromnetzen, Banken und Computernetzwerken ab. Anders «Orbital Reflector»: Der Satellit ist als «rein künstlerische Geste» gemeint und «dient keinen militärischen, kommerziellen oder wissenschaftlichen Zwecken», heißt es in einem Video zum Projekt. «Es ist in vielfacher Weise das Gegenteil jedes Satelliten, der je in die Umlaufbahn gesetzt wurde.»

Genau diese Zweckfreiheit lässt einige Astronomen aufstöhnen. Als im Januar ein Spiegel-Ball namens «Humanity Star» ins All gesetzt wurde - ebenfalls als Kunstobjekt -, fürchteten einige um die Genauigkeit ihrer Messungen. «Es ist die Weltraum-Entsprechung einer neonfarbenen Werbetafel direkt vor deinem Schlafzimmer», sagte Astrophysiker Jonathan McDowell vom Center for Astrophysics (CfA) seinerzeit, das von der Harvard-Universität und der Smithsonian Institution betrieben wird. Das Online-Magazin «Gizmodo» forderte: «Hey Künstler, hört auf, glänzenden Scheiß ins All zu setzen.»

Doch Paglens «glänzender Scheiß» könnte zumindest manche Weltraum-Enthusiasten in Verzückung versetzen. Sofern die US-Behörde FCC (Federal Communications Commission) den Start zulässt, soll eine «Falcon 9»-Rakete von Elon Musks Unternehmen SpaceX als Taxi in den Orbit dienen, wo sich ein 30 Meter langer, diamantenförmiger Ballon öffnen soll. Dessen spiegelnde Oberfläche würde Sonnenlicht auch auf die Schattenseite der Erde werfen und könnte ohne Teleskop am Nachthimmel sichtbar sein. Ein Spendenaufruf bei Kickstarter brachte Paglen und dem Nevada Museum of Art, das das Projekt unterstützt, 76 000 Dollar (65 000 Euro) ein - ein Bruchteil der Gesamtkosten von 1,3 Millionen Dollar (1,1 Mio Euro).

«Dieses Projekt steuert nichts bei, was wir nicht schon haben», schrieb Wissenschaftler Mark McCaughrean von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) bei Twitter. «Viele Menschen würden ein bisschen mehr Ehrfurcht vor der natürlichen Welt schätzen statt noch eine weitere künstliche Konstruktion hinzuzufügen», sagt auch Caleb Scharf, Direktor des Columbia Astrobiology Center in New York dem Magazin «Atlantic». Der Nachthimmel sei wie ein «bedrohtes Tier, das sich am besten im Naturzustand betrachten lässt».

US-Künstler Paglen sieht nicht ein, warum ausgerechnet sein Satellit unter Hunderten das Problem sein soll. Weil die Skulptur nach einigen Wochen in die Atmosphäre eintreten und verglühen soll, würde sie «keine Spuren hinterlassen», verspricht das Projekt. Auf der Website ist von einer «vorübergehenden Weltraum-Geste» die Rede. Paglan will dazu ermuntern, mit «neuer Verwunderung in den Nachthimmel zu blicken, unseren Platz im Universum zu prüfen und neu darüber nachzudenken, wie wir auf diesem Planeten zusammenleben.» Und wenn Kunst auf der Erde keinem Zweck dienen muss außer sich selbst, sollte dasselbe nicht auch im Weltraum gelten?

Schon Russlands Avantgarde-Künstler Kasimir Malewitsch (1878-1935), von dem Paglen sich inspirieren ließ, träumte von einem «Sputnik» (russisch für Begleiter oder Satellit) zwischen Mond und Erde. Während sich die Raumfahrt zunehmend privatisiert, wandelt sich auch das Verständnis darüber, was ins All gehört und was nicht. Vom einem Nutzen für die Menschheit konnte bei Elon Musks rotem Elektro-Sportwagen, den er im Februar mit seiner Rakete Falcon Heavy in den Weltraum schickte, schließlich auch keine Rede sein.

«Wer entscheidet, was gefährlich und was nützlich ist, was Müll und was Schatz?», fragt Nasa-Stipendiatin Lisa Ruth Rand im Gespräch mit dem «Atlantic». Ein Startverbot der Behörde FCC könnte Künstler auf die Barrikaden treiben, eine Genehmigung als Freifahrtschein für weitere Kunstprojekte dienen. Laut Rand gilt auf der Erde wie im Weltraum: «Des einen Graffiti ist des anderen Street Art.»

Veröffentlicht am:
05. 09. 2018
13:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Astronomen Drohung und Bedrohung Elon Musk Europäische Weltraumorganisation Freilichtmuseen Kasimir Malewitsch Kickstarter Planeten Raketen Satelliten Skulpturen SpaceX Twitter Weltraummüll Wetterdaten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Michael Kiwanuka

03.11.2019

Michael Kiwanuka perfektioniert seinen Soul

Schwarzes Selbstbewusstsein übersetzt der Brite Michael Kiwanuka auf seinem dritten Album in perfekten Soul. Man hört den Nachklang der Genre-Legenden - doch letztlich sind seine Lieder sehr gegenwärtig. » mehr

Patrick Stewart

vor 13 Stunden

Star-Trek-Star Patrick Stewart: Weltall nicht erkunden

Mit fremden Galaxien kennt sich der britische Fernsehstar Sir Patrick Stewart aus. Kurz vor Beginn seiner neuen Star-Trek-Serie bringt er öffentlich eine radikale Forderung vor. » mehr

Pandas in Belgien geboren

09.08.2019

Riesenpanda-Zwillinge in belgischem Zoo zur Welt gekommen

Noch sind sie eher winzig, ihre Geburt ist aber ein großes Ereignis. Zwei Riesenpanda-Babys sind in einem belgischen Zoo zur Welt gekommen. Besucher brauchen jedoch noch etwas Geduld. » mehr

Alexander Gerst

19.05.2019

«Astro-Alex» mit einer Botschaft auf Heimatbesuch

Die Mission von Alexander Gerst scheint Monate nach der Rückkehr von der ISS noch nicht beendet: In seine Heimatstadt Künzelsau kam der Ehrenbürger mit einer Botschaft. » mehr

Igor Levit

29.12.2019

Pianist Igor Levit: «Ich bekomme Morddrohungen»

Er lässt sich nicht einschüchtern: Pianist Igor Levit, ein großer Beethoven-Interpret, stellt sich gegen den Rechtsruck in Deutschland. » mehr

Matthias Maurer

26.09.2018

Matthias Maurer auf Weg ins All: «Weltraum macht süchtig»

Während Alexander Gerst in der Internationalen Raumstatin (ISS) über der Erde schwebt, bereitet sich am Boden der nächste Deutsche auf seine erste Weltraum-Mission vor: Matthias Maurer. Seine Grundausbildung hat er nun a... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neujahrsempfang der Stadt Coburg 2020 Coburg

Neujahrsempfang der Stadt Coburg 2020 | 18.01.2020 Coburg
» 42 Bilder ansehen

Wein- und Bierprinzessin auf der Grünen Woche

Wein- und Bierprinzessin beehren die Grüne Woche (Berlin | 17.01.2020 Berlin
» 7 Bilder ansehen

Fridays for Future Haßfurt

Fridays for Future Haßfurt | 17.01.2020 Haßfurt
» 10 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 09. 2018
13:51 Uhr



^