Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Boulevard

Schauspielerin Renate Krößner gestorben

Sie sang um ihr Leben: In «Solo Sunny» spielte Renate Krößner die zerbrechliche, unangepasste Diva, die an der Männergesellschaft scheitert. Jetzt ist Krößner mit 75 Jahren gestorben.



Renate Krößner
Renate Krößner 2011 bei Dreharbeiten in Bergheim im Elsass.   Foto: picture alliance / dpa

Als Ingrid «Sunny» Sommer wurde sie auf den beiden Seiten der Berliner Mauer bekannt: Renate Krößner spielte mit der aufstrebenden Sängerin in «Solo Sunny» eine der bewegendsten Rollen des DDR-Kinos.

Mit weißer Kappe und Pelz sang sie Chansons, Balladen und Jazz-Titel. Als kühle und zerbrechliche Diva wurde sie mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet.

Die Schauspielerin, die nach ihrem großen Erfolg in den Westen ging, ist nun im Alter von 75 Jahren in Blankenfelde-Mahlow bei Berlin gestorben, wie die Defa-Stiftung der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag unter Berufung auf das Umfeld der Familie bestätigte. Zuvor hatte die «Berliner Zeitung» berichtet.

Die 1945 in Osterode im Harz geborene Krößner hatte nach dem Abschluss an der Staatlichen Schauspielschule Berlin zunächst an Bühnen in Parchim, Stendal, Senftenberg und Brandenburg an der Havel gearbeitet und ging dann zum Kino.

Ihr erster großer Film, «Eine Pyramide für mich» von 1973, wurde auf Eis gelegt, weil er zu offensichtlich die Menschenverachtung eines Karrieristen aufs Korn nahm. Doch damit hörten die Reibereien mit der DDR-Kulturbürokratie nicht auf. Nachdem sie gemeinsam mit Manfred Krug für «Feuer unter Deck» vor der Kamera gestanden hatte, stellte der Schauspieler seinen Ausreiseantrag. Der Film verschwand daraufhin in der Schublade.

1979 spielte sie in Heiner Carows Publikumserfolg «Bis dass der Tod euch scheidet» neben Katrin Sass. Und dann kam 1980 der Sprung: Der Regisseur Konrad Wolf bot Krößner die Hauptrolle in «Solo Sunny» an. Hier spielte sie die aufstrebende Jazz-Sängerin, die an den Widerständen der Männergesellschaft scheitert. Der Film zeigte eine unangepasste DDR-Jugend, die sich nicht auf die Versprechen des Staatssozialismus verlassen wollte. Für ihren Auftritt bekam sie noch im selben Jahr den Silbernen Bären der Berlinale als beste Darstellerin.

Doch auch dieser Film missfiel der DDR-Bürokratie, Krößner wurde mit einem Rollenboykott bestraft. Ihr Spiel galt wohl als zu individualistisch, ihr Engagement für die offizielle Ideologie als zu halbherzig, sagte sie später in einem Interview. «Ich hasse es», meint sie dazu, wenn im SED-Organ «Neues Deutschland» Schauspieler oder andere Künstler gedrängt würden, unter Überschriften wie «Warum ich meinen Staat liebe - Ich gehöre hier her - Hier ist meine Heimat» politisch Stellung zu nehmen.

Den Boykott, den sie erleiden musste, stellte sie direkt in Zusammenhang mit ihrem Auftritt in «Solo Sunny», für den Wolfgang Kohlhaase das Drehbuch und Günther Fischer die Musik geschrieben hatten: «Für die Kunstfigur Sunny wollten sie nicht noch ein offizielles Vorbild, eine lebende Sunny haben.» Krößner hatte Individualität und Selbstbehauptung nicht nur verkörpert, sondern auch gelebt, wie die Defa-Stiftung in einem Porträt über sie schrieb.

1982 wurde ihr noch einmal eine Rolle am Deutschen Theater in Ost-Berlin angeboten: Die Aufführung der «Legende vom Glück ohne Ende» von Ulrich Plenzdorf wurde kurz vor der Premiere wegen «ideologischer Bedenken» abgeblasen.

Später war sie noch kurz im Fernsehen der DDR präsent, unter anderem in dem fünfteiligen TV-Film «Verflucht und geliebt» sowie in der Fontane-Verfilmung «Mathilde Möhring». Doch 1983 stellte sie einen Ausreiseantrag und reiste 1985 mit ihrem Sohn und ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Bernd Stegemann, nach West-Berlin.

Im Westen konnte sie ihre Karriere fortsetzen und spielte unter anderem an Bühnen in Basel, dem Residenztheater München und in der Berliner Schaubühne. Auch trat sie in Fernsehrollen auf, unter anderem im «Tatort» und Serien wie «Liebling Kreuzberg», «Stubbe - von Fall zu Fall» neben Wolfgang Stumph und als Hauptkommissarin in «Einmal Bulle, immer Bulle». Zu den Kinorollen gehörten Auftritte unter anderem in «Helden wie wir» und «Alles auf Zucker».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
18:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berliner Mauer DDR Deutsche Presseagentur Jazz-Sängerinnen Manfred Krug Ost-Berlin Regisseure Residenztheater Schauspieler Schauspielerinnen Sängerinnen Ulrich Plenzdorf West-Berlin Wolfgang Kohlhaase Wolfgang Stumph
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Michael Gwisdek

23.09.2020

Schauspieler Michael Gwisdek gestorben

Viele kennen ihn aus «Good Bye, Lenin!» - der Schauspieler Michael Gwisdek ist tot. Die Film- und Fernsehbranche trauert um ein «Ausnahmetalent». » mehr

Anna Loos

23.10.2020

Anna Loos und Jan Josef Lieferss spielen Tischtennis

Was tun mit all der Zeit während der Pandemie? Die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos und ihre Familie haben ein Spiel für sich entdeckt. » mehr

Ulrike Folkerts

22.10.2020

Ulrike Folkerts hätte beim «Tatort» gerne mehr Frauen

Sie vermisst beim «Tatort» immer noch die weibliche Perspektive: Ulrike Folkerts wünscht sich mehr Autorinnen für die Serie. » mehr

Mel Brooks

22.10.2020

Mel Brooks mit 94 in erstem Polit-Video

Besondere Zeiten verlangen besondere Maßnahmen - dachte sich der 94-jährige Star-Komiker Mel Brooks. Pünktlich zum Endspurt im US-Wahlkampf bezieht das Multitalent Brooks nun auch politisch Position. » mehr

Keimzeit

08.11.2019

Wind und Freiheit, SOS und Eis: Eine Playlist zum Mauerfall

«Freiheit» oder «Wind Of Change»: Manche Titel von West-Songs, die sich ins kollektive Wende-Gedächtnis eingebrannt haben, sind ganz eindeutig. Ost-Lieder wie «SOS» oder «Das Eis taut» sandten dagegen verstecktere Botsch... » mehr

Amber Heard

28.07.2020

Nur Verlierer im Prozess Depp gegen Heard?

Eigentlich klagt Johnny Depp gegen einen britischen Verlag. Aber der Prozess entwickelt sich zur Schlammschlacht eines längst geschiedenen Paares - zwischen Depp und seiner Schauspielerkollegin Amber Heard. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flensburg - HSC 2000 Coburg

Flensburg - HSC 2000 Coburg | 25.10.2020 Flensburg
» 114 Bilder ansehen

BBC vs. Oberhaching

BBC - Oberhaching | 25.10.2020 Coburg
» 32 Bilder ansehen

Tödlicher Bahnunfall in Kronach Kronach

Tödlicher Bahnunfall in Kronach | 24.10.2020 Kronach
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
18:07 Uhr



^