Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Boulevard

Schlagzeug-Legende Ginger Baker gestorben

Er galt als einer der besten Schlagzeuger der Welt. Zusammen mit Gitarrengott Eric Clapton gründete der temperamentvolle Virtuose die Superband Cream und stand bis ins hohe Alter auf der Bühne.



Ginger Baker
Er war einer der besten Schlagzeuger der Welt - Ginger Baker ist tot.   Foto: Jerome Brunet/ZUMA Wire/dpa

Selbst mit knapp 80 wollte Ginger Baker es noch mal wissen und gab mehrere Konzerte. Da hatte er schon eine Operation am offenen Herzen hinter sich, litt an Arthrose und einer chronischen Lungenerkrankung.

Am Sonntag nun starb Ginger Baker im Alter von 80 Jahren. Der weltberühmte Musiker hinterlässt seine vierte Ehefrau Kudzai Machokoto und drei erwachsene Kinder.

Am 19. August 1939 wurde «Ginger» - so genannt wegen seiner roten Haare - als Peter Edward Baker im Londoner Stadtteil Lewisham geboren. Schon als Schüler schlug er mit der Hand Rhythmen auf der Schulbank. Ein Außenseiter - die anderen Kinder machten ihn fertig, erzählte seine Tochter Nettie Baker später.

Baker wuchs vaterlos auf und träumte davon, Radrennfahrer zu werden. Doch ein Unfall verhinderte das. Stattdessen bildete ihn der britische Jazz-Schlagzeuger Phil Seamen (1926-1972) zum Profimusiker aus: «Er war Gott», sagte Baker der Zeitschrift «Forbes» später. «Er hörte mich eines Nachts spielen und sagte danach: 'Setz dich, ich möchte mit dir reden. Du bist der einzige Schlagzeuger, den ich kenne, der es drauf hat.'»

In den frühen sechziger Jahren war Baker der am meisten bewunderte Schlagzeuger der britischen R&B-Szene. Dann gründete er mit Eric Clapton und Jack Bruce (1943-2014) die Superband Cream. Das ging nur zwei Jahre lang gut. Bis zu ihrer Auflösung 1968 verkaufte das gefeierte Trio mehrere Millionen Platten mit Klassikern wie «Sunshine Of Your Love», «White Room» und «Crossroads».

Baker war vor allem stolz darauf, dass er generell eine Spur hinter dem Takt spielte. «Zu viele Schlagzeuger spielen davor, und das Tempo nimmt zu», erklärte er «Forbes». «Mit Cream habe ich oft das Tempo von Jack und Eric gedrückt und dies bewusst getan.» Er wurde vor allem für seine polyrhythmischen Soli berühmt und sollte Generationen von Schlagzeugern damit beeinflussen.

Viele Faktoren trugen zum Ende von Cream bei: Bakers Temperament ging oft mit ihm durch und er geriet immer wieder mit Jack Bruce im Jähzorn aneinander - sogar auf der Bühne. Außerdem bot die ekstatische Fangemeinde einfach keine Herausforderung mehr: Das Publikum jubelte bereits, bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten. Und die Band hatte gerade eine strapaziöse Tour hinter sich gebracht: «Eric [Clapton] kam zu mir und sagte: 'Ich habe es satt.' Und ich sagte: 'Ich auch.' Und das war's», erinnerte sich Ginger Baker in «Forbes» an das Ende der Kultband.

Nach dem Aus von Cream gründete Baker mit Eric Clapton die kurzlebige Superband Blind Faith und das Jazz-Rock-Kollektiv Ginger Baker's Air Force. In dem afrikanischen Superstar Fela Kuti fand er eine verwandte musikalische Seele, baute ein Aufnahmestudio in Lagos auf und steckte sein Geld in den Polosport. Später spielte er in der Post-Punk-Gruppe Public Image Ltd des früheren Sex-Pistols-Sängers John Lydon.

Damals war er schon mehrfach für tot erklärt worden, denn seine Heroinsucht war legendär. In einem Interview mit «Forbes» erinnerte sich Ginger Baker an einen Vorfall im Jahr 1968, als er in einem Sportwagen «mit drei wunderschönen jungen Mädchen» von Los Angeles nach San Francisco fuhr. «Das Radioprogramm wurde unterbrochen, um mitzuteilen, dass ich aufgrund einer Überdosis Heroin gerade tot in meinem Hotelzimmer aufgefunden worden war», erzählte Baker. «Ich muss im Himmel sein, dachte ich. Ich bin auf der Route 101 unterwegs, die Sonne scheint, die Vögel sitzen in den Bäumen.»

Erst 1981 schaffte Baker es, vom Heroin loszukommen. Er hatte sein Vermögen in Nigeria verloren, sein Schlagzeug stand ein Jahr lang ungenutzt in der Scheune und aus Verzweiflung baute er Olivenbäume in Italien an: «Es war wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist. Ich habe die Drogenwelt komplett hinter mir gelassen.»

2005 kam Cream in Originalbesetzung nach 37 Jahren wieder zusammen und feierte eine letzte Wiedervereinigung in London und New York. Im Februar 2006 erhielt die Band einen Grammy für ihr Lebenswerk. Ginger Baker brachte 2014 das Soloalbum «Why?» heraus und lebte zuletzt mit seiner vierten Frau in Canterbury.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
15:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Presseagentur Ehefrauen Eric Clapton Erwachsene Facebook Ginger Baker Gitarristen Heroin Jack Bruce Johnny Rotten Kinder und Jugendliche Konzerte und Konzertreihen Musiker Mädchen Schlagzeug Schlagzeuger
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Puhdys

18.11.2019

Die Puhdys feiern Geburtstag ohne Comeback

Lange Haare, englische Lieder, Nebelmaschine. So ging es 1969 los. Das erste Konzert der Puhdys ist nun 50 Jahre her. Die Band hat die 50 nicht ganz geschafft - aber alle Musiker stehen noch immer auf der Bühne. » mehr

Alter Bridge

15.10.2019

Alter Bridge: «Es fühlt sich nach Trost und Frieden an»

Seit 15 Jahren sind Alter Bridge ein feste Größe in der Rock-Szene. Über ihr neues Album «Walk The Sky» haben Myles Kennedy und Mark Tremonti einiges zu erzählen. » mehr

Neil Young in Dresden

03.07.2019

Neil Young feiert Tourauftakt in Dresden

Er ist wieder da, und live ist er am besten. Neil Young startete seine Deutschlandtour an der Elbe in Dresden. » mehr

Bruce Springsteen

23.09.2019

Bruce «The Boss» Springsteen wird 70

Aus der ärmlichen US-Provinz in den Rock-Olymp: Die Karriere von Bruce Springsteen ist eine atemberaubende Heldensaga, hier wurde ein «American Dream» wahr. Jetzt feiert der weltweit verehrte Musiker seinen 70. Geburtsta... » mehr

Bruce Springsteen

14.06.2019

Americana-Epos: Bruce Springsteen unter «Western Stars»

Viele sehr unterschiedliche Alben hat Bruce Springsteen seit den 70ern gemacht. «Western Stars» fügt dem «Boss»-Gesamtwerk etwas Neues hinzu. Selten hat man ein schöneres akustisches Road-Movie gehört. Danach kommt nun w... » mehr

R.E.M.

01.11.2019

Abschied vom Ausstieg: Michael Stipe kehrt zur Musik zurück

Acht Jahre war vom großen Alternative-Rockstar Michael Stipe zum Leidwesen vieler Fans praktisch nichts zu hören. Jetzt würdigt der Sänger ein 25 Jahre zurückliegendes Kapitel seiner Ex-Band R.E.M., macht wieder eigene M... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
15:01 Uhr



^