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Springsteen will auch mit über 70 rocken

Kann ein Rock-Superstar wie Bruce Springsteen auch noch mit über 70 als Live-Musiker stundenlang «liefern»? Der «Boss» hat da keine Zweifel. In einer Interviewrunde zum neuen Album schwärmt er von seiner E Street Band - und kündigt einen Nachschlag an.



Bruce Springsteen
Bruce Springsteen, Rocksänger aus den USA, tritt 2018 beim «Stand Up For Heroes»- Benefizkonzert in New York auf.   Foto: Brad Barket/Invision/dpa

Vor wenigen Wochen ist Bruce Springsteen 71 Jahre alt geworden - doch von diesem fortgeschrittenen Rockstar-Alter lässt er sich nicht beirren.

«Zur Hölle, ja», sagt der Sänger auf eine Frage der Deutschen Presse-Agentur, ob es größere Konzertpläne für die Zeit nach Corona gebe. Ihm gehe es fabelhaft. «Ich fühle mich vitaler als je zuvor im Leben, die Band ist auf der Höhe ihrer Kunst.»

Es sei «frustrierend, dass wir nicht sofort loslegen können. Aber wenn es soweit ist, wird das eine neue Explosion auf der Bühne sein», kündigt Springsteen an. Auftritte mit seiner seit 1975 bestehenden E Street Band waren stets mehrstündige Ereignisse. Der durchtrainiert wirkende Frontmann scheint solche schweißtreibenden Gigs auch künftig nicht zu scheuen. Zuletzt war Springsteen mit der E Street Band 2016 auf Stadionbühnen in Deutschland zu sehen.

Ein wesentlicher Grund für die Live-Euphorie des 20-fachen Grammy-Gewinners: das am Freitag (23. Oktober) erscheinende Studioalbum «Letter To You» (Columbia/Sony). Es markiert nach den melancholischen Folkpop-Klängen des Nummer-eins-Solowerks «Western Stars» (2019) die Rückkehr zu einem roheren Band-Sound.

«Es gibt nichts Schöneres, als mit alten Freunden ins Studio zu gehen und was Wunderbares geschehen zu lassen», sagt Springsteen («Born To Run», «Born In The U.S.A.», «The Rising»), als er am Donnerstagabend aus seinem Aufnahmestudio im US-Bundesstaat New Jersey mit einem kleinen Kreis europäischer Musikjournalisten spricht. «Letter To You» umfasst zwölf Songs, die einen Bogen bis zurück zu seinen Anfängen in den frühen 70er Jahren schlagen.

Die Lieder wurden allesamt Ende 2019 innerhalb weniger Tage live eingespielt. Dabei hatte Springsteen vorher lange Zeit gar nicht mehr mit der E Street Band im Studio musiziert, das Vorgängeralbum «High Hopes» liegt nun sechs Jahre zurück.

Die Band mit altbewährten Haudegen wie Roy Bittan (Piano), Steven Van Zandt (Gitarre) oder Max Weinberg (Schlagzeug) sei «ein wunderbares Erlebnis derzeit», sagt Springsteen, mit rund 130 Millionen verkauften Tonträgern einer der erfolgreichsten Musiker der Welt. Er vergisst aber auch nicht, die vor einigen Jahren gestorbenen Mitglieder zu würdigen: «Danny (Federici) und Clarence (Clemons) sind natürlich immer bei uns, sie werden immer Teil der Band sein.»

Zum Ausgangspunkt von «Letter To You» wurde indes der Tod eines alten Freundes, mit dem Springsteen schon in den 60er Jahren gespielt hatte. «Als er starb, war ich der letzte Überlebende meiner ersten Band», sagt der Sänger und Gitarrist. Aus diesem «sonderbaren Gefühl» entstand das Lied «Last Man Standing». Danach habe es mit dem Songschreiben innerhalb weniger Tage wie von selbst geklappt.

Die Musik an sich, der Rock'n'Roll, die vergangenen Zeiten, Freunde, Familie «und der Spaß am Leben» - all das fand schließlich Eingang in die Texte. Dazu erzählt Springsteen die hübsche Geschichte einer Gitarre, die ihm ein unbekannter Fan bei einem Solokonzert geschenkt habe: «Die meisten Songs von "Letter To You" entstanden dann auf dieser Gitarre. Es ist ein bisschen magisch.»

Zudem enthält das Album drei zuvor unveröffentlichte Stücke aus den 70er Jahren. Besonders «Janey Needs A Shooter» hat es Springsteen jetzt angetan, weil es so schön den Geist von Bob Dylan und des eigenen Schlüsselwerks «Darkness On The Edge Of Town» (1978) vereine.

Das brandneue Lied «House Of A Thousand Guitars» zählt der Musiker gar zu den besten seiner 50-jährigen Karriere. Es spiegele «diese ganze Welt und diese Werte, die ich über die Jahre zusammen mit meiner Hörerschaft geschaffen habe». Der Song enthält aber auch - die Ausnahme auf einem nostalgischen Album - einige vernichtende Textzeilen gegen US-Präsident Donald Trump, den «kriminellen Clown».

Springsteen, von vielen liebevoll «The Boss» genannt, will mit dem musikalischen Brief an die Fans «Eure Füße, Eure Herzen und besonders Eure Seelen erreichen». Und er deutet einen Nachschlag mit weiteren Songs an: «Ich habe noch eine ganze Menge davon.»

Begleitet wird «Letter To You» - wie schon «Springsteen On Broadway» und «Western Stars» - von einer Dokumentation. Der Film von Thom Zimny soll zeitgleich mit der Albumpremiere am 23. Oktober auf Apple TV+ zu sehen sein. Die abendfüllende Doku ermögliche «einen Blick hinter die Kulissen des kreativen Prozesses», hieß es vorab - mit Live-Aufnahmen und Archivmaterial als «Hommage an die Rockmusik selbst und an die Rolle, die sie in Springsteens Leben gespielt hat».

© dpa-infocom, dpa:201016-99-963604/4

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2020
12:05 Uhr

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16. 10. 2020
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