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Staatliche Museen: «Absagen allerletztes Mittel»

Die Verluste sind immens. Geschlossene Türen heißt: keine Besucher. Berlins Staatliche Museen locken sonst Millionen etwa auf die Museumsinsel. Was bedeutet die Lücke für wichtige Ausstellungen?



Gemäldegalerie
In einem Raum in der Gemäldegalerie sind keine Besucher, weil das Museum wegen des Coronavirus geschlossen ist.   Foto: Christophe Gateau/dpa

Seit Wochen sind die Türen zu Nofretete und Co. dicht. Die Corona-Krise stellt die erfolgsverwöhnten Staatlichen Museen zu Berlin vor nachhaltige Probleme. Der Wegfall von Einzelbesuchern, Gruppen und Veranstaltungen reißt ein tiefes Loch in die Etats der berühmten Häuser um das Pergamonmuseum.

«Aktuell wären Angaben zu den Auswirkungen Kaffeesatzleserei», sagt Vize-Generaldirektorin Christina Haak der dpa in Berlin. «Wenn wir von den Vorjahreszahlen ausgehen, hätten die Staatlichen Museen zu Berlin einen Einnahmeverlust von etwa zwei Millionen Euro pro Monat für alle Häuser», sagt sie mit Verweis auf eine Modellrechnung. «Das ist für uns ein sehr empfindlicher Verlust, weil es sich dabei im Wesentlichen um unser aktives Geld handelt.»

Für Programmarbeit stünden im Haushalt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. «Wir verarbeiten aber im Schnitt pro Jahr allein für Ausstellungen und Veranstaltungen zwischen sieben und neun Millionen Euro.» Die Differenz komme aus den Einnahmen, die nun für Programmarbeit wegfielen. «Das sind sehr, sehr schmerzliche Einschnitte», sagt Haak.

In der Konsequenz drohen Änderungen am bisher geplanten Programm. «Wir haben in diesem Jahr rund 55 terminierte Ausstellungen. Welche davon tatsächlich stattfinden können, ist abhängig von ihren Vorläufen und Planungsständen», so Haak. «Wir prüfen aktuell fortlaufend, wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass eine Präsentation zum terminierten Zeitpunkt leider nicht mehr realisierbar ist, wir sie verschieben oder vielleicht ganz absagen müssen.»

Die sei «allerletztes Mittel», betonte die Museumsmanagerin. «Wir möchten unbedingt vermeiden, Ausstellungen abzusagen. Es kommen ja noch große Sonderausstellungen in der zweiten Jahreshälfte, wie etwa zur Spätgotik in der Gemäldegalerie, zu den Germanen in der James-Simon-Galerie oder die Ausstellungen der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof.»

Für die nun besucherfreien Museen wurden Notfallpläne erarbeitet. «In allen Gebäuden gibt es eine von den Funktionen abhängige Notbesetzung, um die wesentlichen Arbeitsbereiche grundsätzlich aufrecht zu erhalten.» Wo sonst täglich Besucher und Aufsichten alles sehen, muss nun aktiv kontrolliert werden. «In allen Häusern finden mehrmals täglich Begehungen der Ausstellungsräume statt, um Havarien eruieren zu können, die sonst bei normal laufendem Betrieb sofort sichtbar würden», sagt Haak. «Besonders bei unseren historischen Gebäuden brauchen wir gute Kontrollmechanismen. Das Gleiche gilt natürlich auch für unsere Depots.»

Schwieriger ist es mit den vielen Kunstwerken, die als Leihgaben zwischen Museen und Ausstellungen international auf Reisen sind. «Von uns sind Tausende Objekte unterwegs. Einige befinden sich auch in Zwischenlagern. Die Hauptsache ist, sie sind gesichert und die Raumkonditionen stimmen», sagt Haak, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Museumsbundes ist. Der aktive Leihverkehr ruhe zurzeit überall. «Wir haben Reiseverbot, die Flugzeuge stehen am Boden. Nirgendwo finden derzeit Objektbewegungen statt.» Deshalb blieben alle Objekte zunächst einmal dort, wo sie seien «und wo ihre Sicherheit gewährleistet ist». Museen und Leihgeber sind dabei weltweit in der gleichen Situation. «Da ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir gut miteinander umgehen. Unsere Aufgabe ist es, die Objekte zu bewahren und zu sichern.»

Alle Objekte seien versichert, für den Ausstellungszeitraum und den Transport «von Nagel zu Nagel». Derzeit finden laut Haak Verhandlungen wegen der längeren Zeiten zwischen Versicherern, Leihgebern und Leihnehmern statt. «Alle sind bemüht, moderate und tragfähige Lösungen zu finden.»

Zu den Staatlichen Museen zählen 13 Sammlungen in 19 Häusern. Allein die als Weltkulturerbe ausgewiesene Museumsinsel im Zentrum Berlins besuchten zuletzt jährlich gut drei Millionen Menschen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 04. 2020
11:06 Uhr

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