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Sturm bei «Rock am Ring» - «Shitstorm» bei «Rock im Park»

Sonne, Bier, laute Musik: Die Festivals «Rock am Ring» und «Rock im Park» erfüllen viele Erwartungen von Rockfans. Viel Spaß, ein bisschen Politik. Und sogar das Wetter ist besser als befürchtet. Für ein menschliches Grundbedürfnis aber gibt es Nachholbedarf.



Rock im Park
Voller Energie: Matt Shultz von Cage the Elephant.   Foto: Daniel Karmann » zu den Bildern

Nürburg/Nürnberg (dpa) - Stürmischem Wind und überfüllten Klos zum Trotz haben in diesem Jahr wieder Zehntausende Musikfans bei den Zwillingsfestivals «Rock am Ring» und «Rock im Park» gefeiert.

Rund 85.000 waren es im Schnitt pro Tag am Nürburgring, 72.500 auf dem Nürnberger Zeppelinfeld, wie die Veranstalter am Sonntag mitteilten.

Während die Gewitterwolken in der Eifel gerade noch an den Fans vorbeizogen und nur der eine oder andere Pavillon und hier und da ein Zelt vom Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurde, brach über das Nürnberger Zeppelinfeld ein wortwörtlicher «Shitstorm» herein.

Der Grund: Zahlreiche Toiletten und Duschen fielen zu Beginn des Festivals aus, vor den wenigen vorhandenen bildeten sich ewig lange Schlangen. Teilweise mussten die Anstehenden bis zu eine Stunde warten, um auf ein völlig überfülltes Mobil-Klo gehen zu können.

Die Veranstalter mussten 250 Chemieklos nachbestellen - «aus ganz Deutschland» - und entschuldigten sich für die Unannehmlichkeiten. Eine Online-Petition mit der Forderung nach einer «Rückerstattung eines erheblichen Teils der Ticketpreise» hatte am Sonntagnachmittag mehr als 200 Unterzeichner.

Ansonsten blieb es bei den dreitägigen Festivals am Pfingstwochenende mit 75 Bands weitgehend friedlich. Musikalisch betrachtet wurde es dabei oft politisch in diesem Jahr - vor allem, wenn deutsche Bands auf der Bühne standen.

Die linken Punks von Feine Sahne Fischfilet kritisierten auf dem Nürnberger Zeppelinfeld, dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten, unter Jubel die Migrationspolitik der EU und AfD-Wähler. Bei ihrem «Rock am Ring»-Auftritt schrie Frontsänger Jan «Monchi» Gorkow dann: «Tanzt miteinander, nicht gegeneinander!»

Beim gefeierten Auftritt von Adam Angst brüllte das «Rock im Park»-Publikum im Chor «Nazis raus». Und die Ärzte sagten bei ihrem Headliner-Aufritt am Freitagabend, sie hätten sich gewünscht, ihre Anti-Nazi-Hymne «Schrei nach Liebe» nie wieder spielen zu müssen - und spielten sie.

Ein Zeichen gegen Hass setzte auch das Deutschrap-Duo Marteria und Caspar. Es sei schön, dass so viele unterschiedliche Menschen zum Konzert gekommen seien, um gemeinsam friedlich zu feiern. Und später: «Alle Mittelfinger hoch gegen Rassismus und Faschismus!»

Traditionelle Klänge gab es von der Folk-Punk-Band Dropkick Murphys, exotischere von der mongolischen Band The Hu mit einer zweisaitigen Pferdekopfgeige und hämmernden Bässen, soliden Metal von Bring Me The Horizon. Da ließ sich auf einer Dachterrasse bei «Rock am Ring» auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) blicken.

1985 hatte Konzertveranstalter Marek Lieberberg «Rock am Ring» erfunden. Der 73-Jährige spricht von einem Leuchtturm, an dem sich viele Nachahmer orientiert hätten: «Es ist ein Festival, das auf der Weltkarte der Musik verankert ist.»

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
09. 06. 2019
18:40 Uhr

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09. 06. 2019
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