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Tony Marshall geht es wieder besser

Die Familie bangte schon um sein Leben. Tony Marshall muss nach schweren Zeiten kürzertreten. Doch der «Muntermacher der Nation» lässt sich nicht unterkriegen.



Tony Marshall
Tony Marshall blickt zuversichtlich in die Zukunft.   Foto: Uli Deck

Wo Tony Marshall ist, kommt gute Laune auf. Neulich im feinen Brenners Parkhotel in Baden-Baden zum Beispiel. Dort traf der Entertainer seinen Freund Roberto Blanco - und entzückte zugleich eine ganze Geburtstagsgesellschaft. Dass die beiden dienstältesten Schlagersänger der Republik dort scherzend zusammensitzen konnten, grenzt für seine Familie an ein Wunder. Denn Tony Marshall (81), bekannt als «Muntermacher der Nation», hat schwere Zeiten hinter sich.

«Ich war mit einem Bein schon über den Jordan», sagt er. Dass er langsamer machen muss, weiß er schon länger. Seit Jahren leidet er an der Nervenkrankheit Polyneuropathie, seit eineinhalb Jahren hat er einen Herzschrittmacher. Anfang des Jahres, kurz vor seinem Geburtstag, ging es ihm plötzlich richtig schlecht. «Wir haben uns schon von ihm verabschiedet», erzählt Sohn Pascal (52). «Aber er ist eine Kämpfernatur. Er ist dem Tod von der Schippe gesprungen.»

Nach Monaten im Krankenhaus und anschließender Reha ist Tony Marshall wieder da. Beim Laufen braucht er Hilfe von Sohn Pascal. Doch die Stimme funktioniert, wie er im Hotelgarten unter Beweis stellt. Ein Tony Marshall lässt sich nicht unterkriegen: «Ich war schon immer ein Steh-Auf-Männchen.» Und, so sagt er: «Man lebt nur einmal.»

Das war immer das Motto von Herbert Anton Hilger, so sein bürgerlicher Name. Am 3. Februar 1938 in Baden-Baden geboren und an den Musikhochschulen in Freiburg und Karlsruhe ausgebildet, wollte er eigentlich Opernsänger werden - stattdessen erlangte er Kult-Status im Schlagergeschäft.

Seinen musikalischen Durchbruch hatte er im Jahr 1971 mit der «Schönen Maid». Ausgerechnet damit. Als er das Lied mit dem vielen «Hojahojaho» zum ersten Mal singen sollte, trank er sich erstmal einen an - so peinlich war ihm das. Doch beim Publikum kam es an, ebenso Hits wie «Heute hau'n wir auf die Pauke».

Der Künstler, der neben Klavier und Geige noch vier andere Instrumente spielt und in acht Sprachen singt, hat sich längst mit seinem Schlagerdasein arrangiert. Doch ihn wurmt, wie gering Schlagermusik geschätzt wird. Dass es im deutschen Fernsehen keine großen Schlagershows mehr gibt, bedauert er genauso wie sein um ein Jahr älterer Kollege Roberto Blanco («Ein bisschen Spaß muss sein»).

Mit ihm hatte er gemeinsame Auftritte («Limbo auf Jamaika», «Resi bring Bier, wir bleiben noch hier») und auch sonst einiges gemeinsam: «Wir haben das Lachen erfunden», sagt Blanco. Immer gut drauf, große Hits, ähnlich in Alter, Größe und Lockenpracht - bis heute gibt es immer wieder Leute, die die Freunde verwechseln. Dabei könnte man an der Gesichtsfarbe den Unterschied schon erkennen, sagen die beiden schmunzelnd.

Weit mehr als 10 000 Auftritte hat Tony Marshall im Lauf von sechs Jahrzehnten Bühnenleben absolviert. In einem Alter, in dem andere sich längst zur Ruhe gesetzt hatten, war er als musikalischer Reiseführer für die ZDF-Reihe «Viva la Musica» auf Mallorca und in New York, er tourte mit den «Stars der Volksmusik» durch Deutschland oder stand als Milchmann Tevje im Musical «Anatevka» auf der Bühne. Mit der Rockröhre Anastacia sang er die «Schöne Maid» auf Englisch, und zu seinem 80. Geburtstag brachte er ein neues CD-Album heraus: «Senioren sind nur zu früh geboren.»

Tony Marshall, Ehrenbürger seiner Heimatstadt Baden-Baden, ist seit Jahrzehnten mit seiner Jugendliebe Gaby verheiratet. Der Vater dreier Kinder - die Söhne Marc und Pascal sind ebenfalls Sänger -, Opa und Ur-Opa muss nach seiner schweren Erkrankung kürzertreten. Doch ans Abtreten denkt er nicht. «Ich möchte mich auf der Bühne verabschieden können.» Zwei Auftritte hat er schon wieder absolviert, weitere sind geplant. Statt abendfüllender Unterhaltung seien nun kürzere Konzerte ohne weite Anfahrten angesagt, sagt Sohn Pascal. «Viel Zeit haben wir ja nicht mehr», sagt Tony Marshall beim Besuch von Roberto Blanco. «Aber wir wollen dem Rest der Welt zeigen, dass wir noch da sind.»

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
12:01 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
12:01 Uhr



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