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Uraufführung von Berg-Stück in Wien - Hass bis zum Inferno

Konsumenten ohne Lust, Suchende, Verlorene stehen in Sibylle Bergs «Hass-Triptychon» im Mittelpunkt. Das Stück schwingt wild die Keule der Gesellschaftskritik und fragt: Was ist normal? Und wohin mit dem ganzen Hass?



Sibylle Berg
Sibylle Bergs «Hass-Triptychon - Wege aus der Krise» ists ein Stück voller Gesellschaftskritik.   Foto: Soeren Stache

Eine Alkoholikerin, eine Mutter eines stark pubertierenden Teenagers, ein sensibler und gefrusteter Homosexueller, ein Jugendlicher kurz vor einem Amoklauf. In Sibylle Bergs (50) neuem Stück «Hass-Triptychon - Wege aus der Krise» sind das die Normalos, das Mittelmaß.

Es sind Menschen, mit denen niemand tauschen will, aber deren einzelne Eigenschaften auch die meisten Zuschauer bei sich wiederfinden dürften. Das «Hass-Triptychon» versammelt sie in einer unbedeutenden Kleinstadt an einem Autobahnzubringer und schickt ihnen den sogenannten Hassmaster, der zu einer wilden Therapie einlädt. Das Stück wurde am Freitag im Rahmen der Wiener Festwochen uraufgeführt.

Die Geschichte beginnt ausgerechnet am für die Kleinstadt-Bewohner schwierigsten Tag der Woche. Denn sonntags ist Freizeit, da sind sie auf sich allein gestellt, müssen selbst die Struktur festlegen. Was dabei herauskommt? «Man kann gute Bücher lesen und ein Porno geht gut rein», heißt es in einem der vielen Lieder, die das Stück fast zum Musical machen. Unzufriedenheit, Langeweile, Trauer und ein bisschen Wut bestimmen die erste Stunde der Aufführung.

Dann ist endlich Montagmorgen. Die Arbeit sorgt für Struktur, die Verantwortung dafür geben die Kleinstädter dankbar ab. Die Bewohner, gestylt wie gleichzeitig lustig und gruselig aussehende Troll-Figürchen, können gedanklich abschalten, denn sie wissen sowieso nicht, was genau sie da bei ihrem Job überhaupt machen.

Der Hassmaster aber will den Menschen klar machen, was sie fesselt: Der Kapitalismus hält sie fest in der Hand und erzeugt Hass in allen Formen. Trauer, Wut, Verzweiflung - und letztlich explodiert alles in massenhafter Gewalt. «Den Mensch hält nur der Hass wach», ruft der Hassmaster - und der gelebte Hass wird zur letzten Therapieform.

Inszeniert wurde die aufgedrehte, teilweise aufregende Therapie von Shootingstar Ersan Mondtag. Vier Schauspieler auf der Bühne des Wiener Volkstheaters stammen aus dem Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters Berlin. Der 32-jährige Mondtag ist dafür bekannt, dass er gerne Theater und Musik miteinander verbindet - so macht er es auch im «Hass-Triptychon». Das Bühnenbild besteht aus Bildern kaputter Hausfassaden und einem trostlosen Containerbau als Mehrparteienhaus. Auf der Bühne und im Zuschauerraum stehen zudem unübersehbar vier knallrote Strommasten. Dass die Stadt direkt am Autobahnzubringer liegt, betonen Autolärm und permanenter Smog.

Bei den Wiener Festwochen (10. Mai bis 16. Juni), bei denen dieses Jahr erstmals Christophe Slagmuylder die Intendanz inne hat, ist das drastische aber bisweilen wenig lösungsorientierte Stück noch zweimal zu sehen. Sibylle Berg wählt wie so oft in ihren Werke eine radikale Herangehensweise, die beim Uraufführungs-Publikum gut ankam. Der verdiente Applaus war ihr und den sehr liebenswürdigen Schauspielern verdientermaßen sicher.

Denn das Stück schafft, dass sich hier jeder hinterfragen muss. Die wichtigste Frage: Wer gehört überhaupt zu den normalen Menschen? Die Normalos auf der Bühne kommen betrübt daher, mehr wie große Verlierer, Menschen, die aufgrund ihrer Probleme am vermeintlichen Rand der Gesellschaft stehen. Doch es handelt sich um gut ausgebildete, studierte Fachkräfte, die es nicht geschafft haben, 40 Berufsjahre lang auf der Sonnenseite des Lebens spazieren zu gehen. Ganz normal eben.

Hier, so behauptet es der Hassmaster, entsteht der Hass, der in seinen verschiedenen Ausprägungen eine immer größere Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Doch müssen wir uns dem ergeben?

Veröffentlicht am:
25. 05. 2019
10:34 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
25. 05. 2019
10:34 Uhr



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