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Uschi Glas wird 75: Ich schaue nicht zurück

Das Schätzchen der Nation wird 75. Uschi Glas hat Geburtstag und schaut zurück auf eine beeindruckende Karriere - auch wenn sie das eigentlich nicht mag.



Uschi Glas
Uschi Glas wird 75.   Foto: Sven Hoppe

Die Karriere von Uschi Glas hat viel mit Schule zu tun. 1968 spielte sie zum ersten Mal in «Die Lümmel von der ersten Bank» die hübsche Schwester von Pepe Nietnagel. Fast fünf Jahrzehnte später war sie die suizidale Lehrerin Ingrid Leimbach-Knorr im «Fack Ju Göhte»-Universum.

Zwischen diesen Filmen ist viel passiert. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München blickt Glas zu ihrem 75. Geburtstag zurück - obwohl das eigentlich gar nicht ihre Art ist.

Frage: Ist der 75. Geburtstag etwas Besonderes für Sie?

Antwort: Ich bin kein großer Selbstfeierer. Ich organisiere gerne Feiern für andere Leute, aber ich selber bin eigentlich ein bisschen verhalten. Ich empfinde es als großes Glück, dass ich älter werden darf, dass ich gesund bin, dass ich fähig bin zu arbeiten, zu denken und mich zu bewegen. Das ist jetzt keine Koketterie oder so. Es gab noch nie so viele junge alte Menschen wie heute.

Frage: Jetzt ist aber Ihre Branche eine, der man einen gewissen Jugendwahn nachsagt. Haben Sie den mal zu spüren bekommen?

Antwort: Ich glaube schon, dass älter werdende Männer als attraktiver empfunden werden - während man bei Frauen ab einem gewissen Alter ein bisschen analytischer hinschaut. Aber ich habe zu tun und beschäftige mich natürlich inzwischen auch mit vielen anderen Dingen außer mit meinem Beruf. Deswegen kann ich jetzt nicht sagen, dass ich darunter leide, aber objektiv gesehen würde ich schon sagen, dass Frauen da eher benachteiligt sind. Das ist ein großes Thema - auch was die Bezahlung angeht. Ich weiß zwar nicht, was - sagen wir mal - ein Elmar Wepper verdient oder andere Kollegen, mit denen ich gespielt habe. Aber ich finde es natürlich ungeheuerlich, wenn zum Beispiel eine Ingenieurin, die den gleichen Job macht wie ein Mann, weniger Geld dafür bekommt.

Frage: Mit Elmar Wepper haben Sie oft vor der Kamera gestanden. Entwickeln sich echte Freundschaften im Filmgeschäft?

Antwort: Vielleicht eher gute Bekanntschaften als Freundschaften. Wenn sich Freundschaften entwickelt haben, dann eher mit Regisseurinnen als mit Schauspiel-Kollegen. Aber Elmar war immer ein wirklich liebenswerter Kollege - sehr diszipliniert, sehr vorbereitet, aber auch humorvoll. Man kann auch lachen und Spaß haben. Und das Wichtigste ist, dass er seinen Beruf ernst nimmt.

Frage: Sie haben in «Fack Ju Göhte» mit einer jüngeren Schauspieler-Generation zusammen gearbeitet. Nehmen die ihren Job immer noch so ernst?

Antwort: Es gibt natürlich immer wieder Ausreißer - bei älteren Kollegen und bei jüngeren. Das ist ganz egal. Es immer Leute, die sich nicht gut vorbereiten oder unpünktlich sind oder Unsinn machen oder so. Aber eigentlich bin ich insgesamt doch sehr beeindruckt wie die jungen Kolleginnen und Kollegen dann vorbereitet sind. Das ist ja das Grundprinzip dafür, dass man arbeiten kann. Wenn jemand noch überlegen muss, wie der nächste Satz geht, dann sieht man ihm das an.

Frage: Haben Sie schonmal den Text vergessen?

Antwort: Ich hatte einmal im Theater einen richtigen Blackout. Das war der größte Alptraum. Ich hatte gerade noch einem Kollegen geholfen, der beim Text hing - und dann wusste ich selbst nicht mehr weiter. Ich hab gedacht, die Welt geht unter. Das war mir so peinlich. Beim Drehen ist das nicht so schlimm.

Frage: Können Sie sich selbst Fehler leicht verzeihen?

Antwort: Es stinkt mir und es ärgert mich schon sehr, wenn ich einen Fehler mache.

Frage: Man verbindet Sie immer mit München. Haben Sie eigentlich mal darüber nachgedacht, nach Berlin zu gehen?

Antwort: In Berlin dreht sich vielleicht mehr und natürlich könnte es sein, dass - wenn ich in Berlin leben würde - die ein oder andere Begegnung stattfinden würde. Aber ehrlich gesagt finde ich München so schön - ich will hier bleiben. Vielleicht hätten sich in Berlin andere Möglichkeiten ergeben, aber ich bin niemand, der zurückschaut. Ich mag das überhaupt nicht. Das halte ich für vergeudete Zeit.

Frage: Vor Ihrer Schauspielkarriere haben Sie in einer Anwaltskanzlei gearbeitet. Haben Sie sich mal gewünscht, Ihr Leben hätte eine andere, weniger öffentliche Richtung eingeschlagen?

Antwort: Gestört hat mich das eigentlich nicht. Man wächst ja langsam rein. Ich denke, das Wichtigste ist, dass man bei sich bleibt und dass man das nicht in irgendeiner Form auf die Idee kommt, etwas Besonderes zu sein. Aber es ist ein öffentlicher Beruf, und wenn man sich darüber ärgert, auf der Straße erkannt zu werden, darf man ihn nicht ergreifen. Ich empfinde das eher als Kompliment und nicht als lästig. Ich stelle mich jetzt nicht in die Fußgängerzone und warte, dass ich angesprochen werde, aber wenn jemand ein Autogramm möchte oder ein Selfie, dann kann ich damit leben.

Frage: Machen Sie selbst auch Selfies und posten die online?

Antwort: Nein, diese Art von Selbstdarstellung bin ich nicht und das mache ich auch nicht. Ich bin überhaupt nicht in den sozialen Netzen unterwegs, weil das einfach viel zu viel Arbeit ist.

Frage: Haben Sie eine absolute Lieblingsrolle?

Antwort: Eigentlich nicht. Aber was ich zumindest erstaunlich finde, ist, dass diese Frau Leimbach-Knorr, die ja wirklich nur eine kleine Rolle ist, so bei den Kindern bei den Jugendlichen eingeschlagen hat. Ich bin mit unserem Verein «brotZeit» ja viel in Schulen und die Kinder dort kennen mich natürlich nur in dieser einen Rolle. Das hat mir einen Riesen-Spaß gemacht. Bora Dagtekin hat sich erst gar nicht getraut, mich zu fragen. Aber ich habe kein Problem mit einer kleinen Rolle. Ich muss nur einen Bogen spielen können.

Frage: Sie haben nie einen Bösewicht gespielt...

Antwort: Das stimmt. Ich habe nie jemanden um die Ecke gebracht und auch nicht um mich geschossen. Im Endeffekt wurden mir immer nur die Heilsbringer angetragen. Keine Ahnung, warum.

Frage: Zuletzt «Fack Ju Göhte», zu Beginn Ihrer Karriere waren es «Die Lümmel von der ersten Bank». Wenn Sie diese Schulfilme vergleichen: Was hat sich geändert im Filmgeschäft?

Antwort: Vor allem natürlich die Technik. Früher ist von den heißen Lampen die eine Seite vom Gesicht fast abgebrannt. Heute ist alles kleiner - auch die Kameras. Und die Geschwindigkeit hat sich geändert. Ich merke aber vor allem an mir selbst Veränderungen. Ich habe immer wahnsinnig gerne gearbeitet und wurde immer ganz nervös, wenn ich von einem Dreh nach Hause kam und noch kein neues Angebot hatte. Da dachte ich dann jedes Mal: Jetzt ist es vorbei. Inzwischen habe ich da eine gewisse Gelassenheit. Und wenn ich junge Kolleginnen sehe, denke ich oft: Genau wie bei mir damals.

Frage: Sie haben sich in einer Zeit als konservativ geoutet, in der das für Schauspieler und Kreative allgemein alles andere als selbstverständlich war...

Antwort: Damals war es so: Du musstest ein Fan von Willy Brandt sein. Wenn du es nicht warst, warst Du erledigt. Allein darum wollte ich den Aufruf «Willy wählen» schon nicht unterschreiben und hab das auch nicht gemacht. Ich war eigentlich immer schon rebellisch und wenn einer gesagt hat: Du musst - dann hab ich das Gegenteil getan. Ich habe gedacht: Warum muss ich jetzt unbedingt im Gleichschritt gehen? Das ist doch Diktatur und keine Demokratie. Das hat mich widerspenstig gemacht. Nach «Zur Sache, Schätzchen» war ich das Lieblingskind des Neuen Deutschen Films - danach nicht mehr. Aber Toleranz und Diskussionen sind so wichtig. Das sage ich, die ja noch während des Zweiten Weltkriegs geboren wurde und noch Leute kannte, die den Ersten miterlebt haben, vor allem in der heutigen Zeit. Demokratie ist so ein zartes Pflänzchen. Die Demokratie ist nicht die Frauenkirche, die steht und bleibt. Die Demokratie ist ganz empfindlich und kann sehr schnell sterben. Wehret den Anfängen.

ZUR PERSON: Uschi Glas hatte eine ihrer ersten Hauptrollen an der Seite von Pierre Brice in «Winnetou und das Halbblut Apanatschi». Ihren Durchbruch hatte sie 1968 mit der Tragikomödie «Zur Sache, Schätzchen». Jüngst war sie in den «Fack ju Göhte»-Filmen im Kino zu sehen. Seither erkennen sie die Schüler, wenn sie mit ihrem Verein «brotZeit» Schulkinder mit Frühstück versorgt.

Veröffentlicht am:
02. 03. 2019
08:54 Uhr

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Autor

dpa

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02. 03. 2019
08:54 Uhr



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