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Warum gehören Pommes und Freibad zusammen?

Im Flugzeug trinken alle Tomatensaft, im Schwimmbad sind Pommes der Klassiker. Ein Kiosk ohne den Dreiklang Eis-Süßigkeiten-Pommes hätte es sehr schwer.



Pommes-Heißhunger im Freibad
Nele Heinevetter, Imbiss-Inhaberin und Kunsthistorikerin, im Imbiss «Tropez».   Foto: Christoph Soeder/dpa » zu den Bildern

Sommer im Freibad, das klingt nach spielenden Kindern und Beckenplanschen. Und es riecht nach Pommes. Selbst Menschen, die sie sonst nie essen, bekommen im Schwimmbad Hunger darauf. Kinder holen sich tropfnass und bibbernd eine Portion. Die kommt klassischerweise in einer Pappschale, rot-weiß mit Piksern.

Im Idealfall: Man hat dafür nicht zu lange angestanden, die Pommes sind außen kross und innen weich. Ein Essen, das man sich halbnackt bestellt, mehr oder weniger gern auf dem Handtuch liegend teilt, manchmal auch mit Ameisen. Kurz, Pommes im Freibad sind ein echtes Sommerphänomen. Warum eigentlich?

Nele Heinevetter kennt das Thema gut. Sie hat im Sommerbad im Humboldthain im Berliner Wedding einen Imbiss, der gleichzeitig ein Ort für Kunstausstellungen, Kinderworkshops und Performances ist. Der Betrieb im Bad ist wegen der Corona-Einschränkungen gerade sehr ruhig. Während die Kunsthistorikerin vom «Tropez» erzählt, vom Alltag im Kiosk, von Kunst und Pommes, kommen Durchsagen mit Abstandsregeln wie: «Überholen Sie ausschließlich am Beckenrand.»

Warum müssen es Pommes sein? «Ich glaube, weil man von Kind auf lernt, dass es zum Schwimmbadbesuch gehört», sagt Heinevetter. Es fallen ihr noch andere Argumente ein, sich eine Portion zu bestellen: «Pommes sind vegan» und «Pommes mit Salat sind ein super Mittagessen». Ihr Tipp: Mal eine Portion mit einer Spalte Zitrone versuchen.

Im Imbiss gibt es frische Pommes im Sonnenblumenöl frittiert, die kleine Schale für 2,50 Euro. Im Internet zeigt das «Tropez» diese Saison auch passende Kunst: ein Videospiel, bei dem eine dänische Künstlerin die Fritten in den Rachen wandern lässt. Heinevetter und ihr Team haben das Ganze noch nicht über: «Wir essen selber jeden Tag Pommes.»

Gerade ist früher Mittag im Schwimmbad. Eine Mutter drückt einem kleinen Mädchen eine große Portion in die Hand, zum Teilen mit den anderen Kindern, statt eines Brötchens vom Bäcker. Für sie ist das was Besonderes. «Sonst kriegen die das nicht.»

Ähnliches erzählt Mathias Kaucha, einer der Betreiber des Imbisses im Berliner Prinzenbad. Pommes sind dort «Grundausstattung». Sie essen dort selbst Leute, die sie sonst nie essen. «Irgendwie kommt der Sommerflair den Pommes zu Gute.» Schwimmen mache hungrig. Zu Spitzenzeiten wurden im Prinzenbad schon 2000 bis 3000 Portionen am Tag verkauft.

Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe, sagt zum Thema Pommes: «Das hat nicht so sehr mit dem Schwimmen, sondern etwas mit dem Sommer zu tun.» Es ist heiß, man schwitzt, der Körper hat einen Bedarf nach Kohlehydraten und Salz, sagt Oloew. «Man hat einen Appetit darauf.» Pommes im Freibad, das sei seit den 50er Jahren in Deutschland verbreitet.
 

Eine Portion hat je nach Größe bis zu 490 Kalorien, ist auf der Internetseite einer Fastfood-Kette zu lesen. Sie sind fettig und die reine Sünde. Oder etwa nicht? Es gibt Stimmen, die sagen, man soll das essen, worauf man Lust hat und was der Körper gut verträgt.
 

Andere sind da skeptisch. «Das ist schwierig, da etwas Gutes dran zu finden», sagt der Ernährungsforscher Stefan Kabisch (Deutsches Institut für Ernährungsforschung in Potsdam). «Man kann sich definitiv etwas Gesünderes vorstellen.» In Pommes stecken demnach zu viel Salz, gesättigtes Fett und schnell-verdauliche Kohlenhydrate. Die Kartoffeln sind als frittierter Snack zu sehr verarbeitet, um noch richtig gesund zu sein.
 

Es ist laut Kabisch ein Essen, das ein kurzes Glücksgefühl beschert, aber nicht lange satt macht. Vier oder fünf Mal im Jahr Pommes, das findet Kabisch nicht so schlimm. Aber bei einmal die Woche: Da kann es je nach Typ schon anders sein, mit Blick auf Übergewicht oder drohenden Diabetes. Isst er selbst Pommes? «Sporadisch».
 

Bei den Spitzenköchen gibt es durchaus eine Pro-Pommes-Fraktion: Der aus dem Fernsehen bekannte Koch Alexander Herrmann hat im bayerischen Wirsberg einen Schwimmbad-Kiosk. Das Waldschwimmbad kenne er seit seiner Kindheit; den Kiosk zu übernehmen war «absolute Herzenssache», heißt es in der Mitteilung Hermanns dazu. Sein Urgroßvater habe damals die Talwiese verkauft, um 1955 überhaupt das Schwimmbad zu ermöglichen. Deshalb heiße der Kiosk auch «Kiosk 1955». Eine der häufigsten Jugend-Erinnerungen spiele im Freibad. «Nie mehr war das Wetter besser, das Wasser klarer und das Leben schöner - und die knusprigen Pommes waren nie besser als auf der Wiese in der Sonne.» So werden natürlich auch in Wirsberg Pommes verkauft.

© dpa-infocom, dpa:200624-99-543059/3

Veröffentlicht am:
24. 06. 2020
08:53 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
24. 06. 2020
08:53 Uhr



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