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Weinsteins Mitleidsmasche? Ex-Filmmogul vor Gericht

Schwere Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Harvey Weinstein lösten vor mehr als zwei Jahren die MeToo-Bewegung aus. Jetzt hat in New York der Prozess gegen den früheren Hollywood-Mogul begonnen - und er schien es zu Beginn mit einer ganz besonderen Taktik zu versuchen.



Ex-Filmmogul
Mit Gehhilfe: Harvey Weinstein kommt am Obersten Gericht des Bundesstaates New York in Manhattan an.   Foto: Richard Drew/AP/dpa » zu den Bildern

Schon die ersten Bilder sorgen für eine Welle der Empörung: Mit einer Art Rollator als Gehhilfe humpelt der 67 Jahre alte Harvey Weinstein zum Auftakt seines Prozesses wegen sexueller Übergriffe ins Gericht.

Der Körper in schwarzem Anzug und Krawatte gebeugt, die Haare verwuschelt. Das sei doch alles nur Show, werfen ihm kurz darauf Tausende in den sozialen Medien vor. Weinstein wolle Mitleid erregen und sich als gebrochenen alten Mann darstellen. Medienberichten zufolge war der 67-Jährige allerdings vor kurzem auch in einen Autounfall verwickelt und hatte sich einer Rückenoperation unterzogen.

Vor dem Gericht in New York erwarteten den früheren Hollywood-Mogul bereits Dutzende Frauen, die ihm sexuelle Übergriffe vorwerfen, darunter die Schauspielerinnen Rosanna Arquette und Rose McGowan. «Lieber Harvey, was auch immer du dir selbst für Lügen erzählst - du hast das alles getan», sagt McGowan vor Journalisten. «Du hast dir das alles selbst zuzuschreiben, weil du so vielen Menschen wehgetan hast.» Anwältin Gloria Allred, die einige der Frauen vertritt, sagte, der Prozess werde genau beobachtet, «um zu sehen, ob ein reicher, mächtiger, berühmter Mann, dem die sexuelle Misshandlung von so vielen Frauen vorgeworfen wird, vor Gericht wirklich Rechenschaft ablegen muss.»

Richter James Burke eröffnete den Prozess am Obersten Gericht des Bundesstaates New York im Süden Manhattans, reservierte den Montag aber zunächst nur für die relativ kurze Erledigung gerichtlicher Formalitäten. So erlaubte er beispielsweise den Anwälten beider Seiten, mit der Presse über den Prozess zu reden - forderte sie allerdings auf, die Zeugen in Ruhe zu lassen. Am Dienstag soll die Auswahl der Geschworenen-Jury beginnen, die bei so einem schlagzeilenträchtigen Prozess mehrere Tage dauern kann. Einige Beobachter gehen in diesem Fall sogar von bis zu zwei Wochen aus. Weinstein will einem Gerichtssprecher zufolge aber stets anwesend sein.

Mehr als 80 Frauen, darunter bekannte Stars wie Angelina Jolie, Ashley Judd, Uma Thurman oder Salma Hayek, haben Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Prozess, der bis zu zwei Monate dauern könnte, dreht sich aber nur um die Vorwürfe von zwei Frauen - eine von ihnen soll Weinstein 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Bei Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe.

Entscheidend wird sein, ob der Fall, der 2017 die MeToo-Ära der Kritik an einem Muster sexualisierten männlichen Machtmissbrauchs eingeläutet hat, auch vor einem Strafgericht besteht. Der Ausgang ist völlig offen. Die Staatsanwälte müssen juristisch beweisen, dass Weinstein sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht habe. Der 67-Jährige hat immer wieder betont, jegliche Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

Kurz nach Abschluss des ersten Prozesstages in New York kommt unterdessen neuer Ärger für Weinstein aus Los Angeles: Dort muss sich der Ex-Filmmogul in einem weiteren Strafprozess vor Gericht verantworten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. In zwei Fällen sei Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhoben worden. Die Vorwürfe stammen von zwei nicht namentlich genannten Frauen.

Die Anschuldigungen gegen Weinstein, im Herbst 2017 von der «New York Times» und dem Magazin «New Yorker» veröffentlicht und später mit dem Pulitzer-Preis gekrönt, traten die MeToo-Bewegung los. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort «Me too» («Ich auch») zu sammeln.

Aus dem Internet erwuchs daraus zusammen mit der Kampagne TimesUp (Deutsch: Die Zeit ist um) eine mächtige Bewegung gegen Machtmissbrauch, gegen Gewalt gegen Frauen und für Gleichberechtigung. Ihre Ausläufer erreichten die letzten Winkel vieler Branchen und Gesellschaften, zahlreiche auch berühmte Menschen verloren ihre Jobs - wie etwa der Komiker Louis C.K. oder der Schauspieler Kevin Spacey. Als einziger Verurteilter der MeToo-Ära gilt bisher der Entertainer Bill Cosby, der seit 2018 wegen sexueller Nötigung im Gefängnis sitzt. Die öffentlichen Vorwürfe gegen ihn begannen allerdings schon Jahre vor dem Skandal um Weinstein.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 01. 2020
20:50 Uhr

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