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«Widerspruch ertragen»: Goethe-Medaillen 2020 vergeben

Widerspruch begegnen Herrschende mitunter mit Repression. Auch Künstler sind dem ausgesetzt. Das Goethe-Institut will zu konträrem Diskurs ermuntern. Und vergibt einen Preis dafür.



Ian McEwan
Der Schriftsteller Ian McEwan wird mit einer Goethe-Medaille geehrt.   Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die bolivianische Künstlerin Elvira Espejo Ayca, die südafrikanische Schriftstellerin Zukiswa Wanner sowie ihr britischer Kollege Ian McEwan werden mit der Goethe-Medaille 2020 ausgezeichnet.

Mit dem jährlich als Ehrenzeichen der Bundesrepublik vergebenen Preis will das Goethe-Institut Persönlichkeiten für ihr herausragendes Engagement im internationalen Kulturaustausch würdigen. Die Preisübergabe unter dem Thema «Widerspruch ertragen - der Ertrag des Widerspruchs» ist für den 28. August, dem Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, in Weimar vorgesehen, wie das für auswärtige Kulturpolitik zuständige Institut mitteilte.

Die Dichterin, Essayistin und Musikerin Elvira Espejo Ayca, zugleich Direktorin des National Museum of Ethnography and Folklore in La Paz, ist aus Sicht der für die Auszeichnung zuständigen Kommission eine «wahre Brückenbauerin», die wertvolle kulturelle Vermittlungsarbeit zwischen Lateinamerika und Europa leiste. «In der Auseinandersetzung mit Ambivalenzen entwickelt sie ihre besondere kreative Kraft.»

Die aus Sambia stammende Schriftstellerin, Journalistin und Verlegerin Wanner schreibt laut Jury «über nationale Grenzen hinaus», indem sie die Vielfalt afrikanischer Kulturen in ihre künstlerische Arbeit einfließen lasse. Detaillierte Kenntnis der südafrikanischen Literatur und differenziertes Verständnis für regionale Diskurse sowie afrikanische weibliche Identität machten sie zu einer international gefragten Expertin.

Das literarische Schaffen McEwans («Maschinen wie wir») ist laut Jury «vom Wesen des Widerspruchs und der kritischen, tiefenpsychologischen Reflexion gesamtgesellschaftlicher Phänomene durchdrungen». Der Schriftsteller setze sich trotz harscher Angriffe im eigenen Land «offen gegen engstirnige Nationalismen ein» und trete als leidenschaftlicher Pro-Europäer auf.

«Gerade aus Widersprüchen können fruchtbare Kräfte erwachsen, die Vielfalt ermöglichen und zu Reflexion und neuen Erkenntnissen anregen», sagte der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, zur Auszeichnung. «Entgegen den weltweit erstarkenden populistischen Tendenzen setzt funktionierende Demokratie auf kritische Diskurse.» Die Preisträgerinnen und Preisträger der Goethe-Medaille geben für Lehmann «herausragende Beispiele für die Kraft kritisch reflektierender Kunst und den offenen internationalen Kulturaustausch, der Widersprüche nicht scheut, sondern als Chancen erkennt».

Die 1954 vom Goethe-Institut geschaffene Auszeichnung ist seit 1975 offizielles Ehrenzeichen der Bundesrepublik. Bisher wurden 354 Persönlichkeiten aus 67 Ländern ausgezeichnet. Dazu zählen etwa der Dirigent Daniel Barenboim, der Autor John le Carré, die Philosophin Ágnes Heller, die Verlegerin Helen Wolff oder die Historikerin Irina Scherbakowa.

Das Goethe-Institut dient mit 157 Instituten als kulturelles Aushängeschild Deutschlands im Ausland. Derzeit sitzt die Kultureinrichtung in 98 Ländern. In Deutschland unterhält das Goethe-Institut zwölf Einrichtungen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 04. 2020
14:21 Uhr

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28. 04. 2020
14:21 Uhr



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