Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Boulevard

Wie Netflix & Co. die Berlinale verändern

Die Filmindustrie steht vor einem Umbruch. Streaming-Dienste mit Milliarden-Etats bedrängen das klassische Kino. Ob die Kinoindustrie das überlebt?



Berlinale
Eröffnungsgala der Berlinale 2016.   Foto: Kay Nietfeld

Zehn Oscar-Nominierungen, viel Kritikerlob und eine Premiere im internationalen Filmgeschäft: Mit seiner Produktion «Roma» bricht der Streaming-Dienst Netflix gerade mit voller Wucht in die Domäne des klassischen Kinos ein. Noch im vergangenen Sommer hatte Cannes ein Veto gegen alle Netflix-Produktionen eingelegt, nur Kinofilme durften im Festival laufen.

Dann bekam «Roma» in Venedig den Goldenen Löwen. Und jetzt hat der Schwarz-Weiß-Film über eine mexikanische Hausangestellte Aussicht auf mehrere Oscars. Eine Zeitenwende.

Auch die Berlinale (7. bis 17. Februar) stellt sich dem wachsenden Gewicht von Netflix, Amazon Prime und anderen Streaming-Anbietern. Zwei Produktionen - davon «Elisa y Marcela» von Netflix im Wettbewerb - sind in Berlin mit dabei.

Zwar betont Festivalchef Dieter Kosslick: «Wir müssen erstmal klarmachen, dass wir als Filmfestival für Kinofilme zuständig sind.» Mit einem Produktionsetat von geschätzten 13 bis 15 Milliarden US-Dollar für 2018 gibt die Plattform inzwischen für Inhalte mehr aus als jedes Hollywood-Studio. Rund 80 Filme hat Netflix im vergangenen Jahr produziert, etwa doppelt so viele wie Warner Brothers, das größte der «Majors». Nicht nur Geld - auch Talent kann Netflix an sich binden, wie das Beispiel von «Roma»-Regisseur und Oscar-Preisträger Alfonso Cuarón («Gravity», Pans Labyrinth») zeigt.

Diesen Sog spürt Kosslick auch in der Festivalzentrale am Potsdamer Platz. Debatten über kontroverse Filme auf der Berlinale? Nein, sagt er, in diesem Jahr erwarte er vor allem eine Diskussion über das Thema Streaming-Dienste gegen Kino. «Es ist der große Kampf um die Bilder und den weltweiten audiovisuellen Markt.» Längst trägt auch die Berlinale den veränderten Sehgewohnheiten Rechnung: Seit einigen Jahren gibt es Serien-Tage, auf denen Neuigkeiten aus deutscher Produktion präsentiert werden.

Welche wirtschaftliche Kraft das Seriengeschäft entfaltet, zeigte sich etwa bei «Babylon Berlin». Die Serie über die Zwanzigerjahre startete zunächst auf dem Pay-Sender Sky, bevor sie erst knapp ein Jahr später in der ARD zu sehen war. Diesen Zeitvorsprung hatte sich Sky als Koproduzent gesichert.

Was Plattformen wie Uber für Taxis und airbnb für Hotels sind, werden Streaming-Dienste für Fernsehen und Filmindustrie: Sie stellen ein Geschäftsmodell infrage, das sich mehr oder weniger über Jahrzehnte bewährt hat. Seitdem es Fernsehen gibt, hat das Kino zwar das Monopol über die bewegten Bildern verloren. Mit den Videos auf Abruf und den Abo-Diensten, die im Monat kaum mehr als eine Eintrittskarte kosten, entstehen mächtige Mitspieler, die nach neuen Regeln agieren. Das britische Magazin «The Economist» spricht von «Netflixonomics».

Ob Fernseher, Laptop oder Tablet - mit dem Internet verschwinden die Grenzen zwischen den Geräten, Bilder sind überall verfügbar. Im Buhlen um die Aufmerksamkeit und die Zeit der Zuschauer werden Serien immer wichtiger. Die Plattformen kennen die Sehgewohnheiten ihrer Abonnenten genau und richten ihr Angebot entsprechend danach aus.

Noch versuchen die Festivals mit ihren Regelwerken das Kino zu schützen. Im Berlinale-Wettbewerb, so Kosslick, sollten Filme laufen, «die auf jeden Fall in die Kinos kommen». Zwar wurde auch «Roma» zunächst in ausgewählten Filmtheatern gezeigt, bevor das Werk bei Netflix abzurufen war. Kritiker warnen, dass die Streaming-Dienste Festivals als Werbeplattform für ihre Angebote missbrauchen. Deswegen sieht auch Kosslick dringenden Gesprächsbedarf. Es gehe letztlich darum, «ob das Kino überleben kann und ob die Studios überleben können.»

Veröffentlicht am:
04. 02. 2019
09:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ARD Alfonso Cuarón Amazon Bilder Dieter Kosslick Facebook Filmfestspiele von Berlin Filmwirtschaft Kinofilme Kinos Netflix Pans Labyrinth Plattformen Roma Uber Warner Bros.
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Martin Moszkowicz

10.06.2020

Constantin-Chef über halbleere Kinos und wichtige Hilfen

Endlich wieder Kino. Nach und nach öffnen die Filmtheater wieder, am Montag nun auch in Bayern. Das freut auch Constantin-Chef Moszkowicz. Trotzdem braucht die Filmbranche dringend Hilfe, sagt er. Für viele Krimi-Fans ha... » mehr

Oscars

29.04.2020

Streaming-Filme einmalig für Oscars zugelassen

Die Corona-Pandemie zwingt auch die Oscar-Academy zu Veränderungen - und provoziert Streit in der Filmindustrie. » mehr

Olivia de Havilland gestorben

27.07.2020

Filmbranche trauert um Hollywood-Legende

Als Melanie Hamilton in «Vom Winde verweht» war Olivia de Havilland weltberühmt - nun starb die Oscar-Gewinnerin in Paris. Hollywood trauert um die «Unvergessliche». » mehr

Tom Hanks und Ehefrau Rita Wilson

15.03.2020

Hollywood im Corona-Katastrophenmodus

Im Katastrophenkino ist die Bedrohung der Menschheit durch Seuchen ein beliebtes Szenario. Doch nun stellt die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf - und macht Hollywood Angst. Der Filmbetrieb liegt lahm. » mehr

Hollywood

14.03.2020

Hollywood im Corona-Koma: Drehstopps und Milliardenverluste

Im Katastrophenkino ist die Bedrohung der Menschheit durch Seuchen ein beliebtes Szenario. Doch nun stellt die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf - und macht Hollywood Angst. Der Filmbetrieb liegt lahm. » mehr

"Tenet"

24.07.2020

Filmstarts von «Mulan» und «Tenet» verschoben

Die Studios halten ihre teuren Großproduktionen zurück, die Kinos kämpfen ums Überleben. Ein Teufelskreis. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Repatatur des Windrades bei Untermerzbach

Reparatur des Windrads bei Untermerzbach |
» 7 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
04. 02. 2019
09:09 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.