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Zurück in die Zukunft: Jamiroquai begeistern in Hamburg

In den 90ern prägte die Acid-Jazz-Band Jamiroquai den Soundtrack des Jahrzehnts. Nun sind die Briten mit ihrem aktuellen Album auf Tour - und die Vergangenheit wirkt erstaunlich modern.



Jamiroquai
Jay Kay steht auf wilde Kopfbedeckungen.   Foto: Georg Wendt

Er trägt immer noch Hut. Beim Jamiroquai-Konzert in der Hamburger Barclaycard-Arena am Dienstagabend tritt Frontmann Jay Kay wie gewohnt mit einer wilden Kopfbedeckung auf.

Waren es in der Vergangenheit oftmals Indianer-Federschmuck oder übergroße Zylinder, erinnert die Mütze in Hamburg eher an den eisernen Thron aus der Fantasyserie «Game of Thrones». Nur, dass das Exemplar von Jay Kay auch noch leuchtet.

Auch sonst ist an diesem Abend vieles beim Alten: Jay Kay tanzt wie ein Wahnsinniger über die Bühne, so als würden seine Beine nicht so recht zum Körper gehören, und die Show ist mit Computeranimationen und Lichteffekten ganz im Stil der Band aufwendig futuristisch.

Mit ihrer Mischung aus Jazz, House und Funk prägten Jamiroquai Mitte der 1990er Jahre ein neues Genre der Popmusik. Lieder wie «Cosmic Girl» und «Virtual Insanity» stürmten die Charts und machten die Gruppe zu einer Ikone des Jahrzehnts. Das Poster von Jay Kay, der eine Büffelkopf-Mütze trägt, hing damals in unzähligen deutschen Studenten-WGs. In den vergangenen Jahren ist es dann ruhiger um die Briten geworden, bis sie 2017 ihr aktuelles Album «Automaton» veröffentlichten.

Es scheint der perfekte Zeitpunkt für eine neue Tour, denn die 90er feiern mit Mottopartys, Plateauschuhen und bauchfreien Tops gerade ein rauschendes Comeback. Und Jamiroquai treffen noch in anderer Hinsicht den Puls der Zeit.

Schon 1993 warnte die Band auf ihrem ersten Album «Emergency on Planet Earth» vor der Umweltzerstörung. Damals nur müde belächelt, prägt das Thema mit den Fridays-for-Future-Demonstrationen und dem Erfolg der Grünen bei der Europawahl im Jahr 2019 den Zeitgeist. Zu der Geschichte gehört aber auch, dass Jay Kay ein Faible für spritfressende Sportwagen hat. Ein Widerspruch? Eher ein Teil der Band-DNA: Ein bisschen was von allem. Ein bisschen Gesellschaftskritik, ein bisschen Sportwagen, ein bisschen Funk, ein bisschen Elektro, ein bisschen Disco, ein bisschen Indianer.

Dem Publikum scheint es zu gefallen. Bei den Klassikern der Band wie «Alright» stehen auch die letzten Gäste auf und tanzen. Die meisten der Besucher in Hamburg dürften Fans der ersten Stunde sein, die Jamiroquai während ihrer Jugend gehört haben - man erblickt so manchen grauen Haarschopf in der Menge.

Jay Kay selbst, das letzte Gründungsmitglied der Band, nimmt das fortschreitende Alter gelassen. Als er ein Lied falsch ankündigt, sagt der 49-Jährige nur: «Ich bin schon so alt, ich kann gar nicht mehr richtig lesen.» Sonst lässt er eher die Musik sprechen und davon gibt es bei der knapp zweieinhalbstündigen Show mit sieben Musikern und drei Background-Sängerinnen mehr als genug. Gerade bei den beiden Zugaben «Virtual Insanity» und dem Godzilla-Soundtrack «Deeper Underground» gibt die Band noch mal alles und wird mit frenetischem Applaus belohnt.

Der Auftritt in Hamburg war eines von zwei Deutschland-Konzerten. Das zweite findet am 4. Juni in Köln statt.

Veröffentlicht am:
29. 05. 2019
10:43 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
29. 05. 2019
10:43 Uhr



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