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115 Migranten nach Bootsunglück vor libyscher Küste vermisst

Während in Brüssel und Europas Hauptstädten um die Verteilung von Flüchtlingen gestritten wird, spielt sich im Mittelmeer die nächste Tragödie ab: 250 Migranten beginnen dort die gefährliche Überfahrt - fast die Hälfte wird nach einem schweren Unglück nun vermisst.



Flüchtlinge im Mittelmeer
Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, spricht von der «schwersten Tragödie im Mittelmeer» des laufenden Jahres. Symbolbild: Emilio Morenatti/AP   Foto: Emilio Morenatti

Nach einem schweren Bootsunglück vor der Küste Libyens werden 115 Migranten vermisst. Das sagte ein Sprecher der libysche Küstenwache und nährte damit Befürchtungen über den Tod Dutzender Menschen auf ihrer Fahrt über das Mittelmeer.

Zuvor hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk mitgeteilt, dass bei dem Unglück womöglich mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen seien. Es wäre das schwerste Bootsunglück im Mittelmeer des laufenden Jahres.

Insgesamt seien 250 Menschen an Bord des Holzboots gewesen, sagte Marinesprecher Ajub Kassim der Deutschen Presse-Agentur. Die Küstenwache habe zusammen mit einigen Fischern 134 Migranten aus verschiedenen afrikanischen und arabischen Ländern gerettet. Zudem sei eine Leiche aus dem Wasser geborgen worden. Nach UN-Angaben startete das Boot die Überfahrt vom Küstenort Al-Chums.

Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, sprach auf Twitter von der «schwersten Tragödie im Mittelmeer» des laufenden Jahres. Er forderte, die Seenotrettung dort wieder aufzunehmen, die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden und mehr sichere Routen aus dem Land zu ermöglichen. «Sonst ist es für viele weitere verzweifelte Menschen zu spät», schrieb Grandi.

Die Vereinten Nationen zeigten sich «sehr besorgt» über die anhaltenden Gefahren und die mangelnde Sicherheit für Menschen auf hoher See. Alle Länder in der Region müssten sicherstellen, dass diejenigen, die ihr Leben einer solchen Gefahr aussetzten, geschützt würden, sagte ein Sprecher von UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Unicef-Chefin Henrietta Fore nannte die Nachrichten von dem Unglück «schrecklich». Sie rief dazu auf, die Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufzunehmen und die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden. «Angesichts der immer wieder vorkommenden Fälle von Misshandlung, Gewalt und Tod sollte kein Kind in diesen Zentren untergebracht werden», sagte Fore. «Wenn wir nicht dringend etwas unternehmen, werden wir immer wieder Kinder sehen, die auf diesen Überquerungen ihr Leben verlieren», warnte Fore.

Derzeit sind keine privaten Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Die deutsche Organisation Sea-Eye kündigte allerdings an, mit der «Alan Kurdi» in Richtung der Rettungszone vor der libyschen Küste aufzubrechen. Dort werde sie voraussichtlich Dienstag eintreffen, erklärte die Regensburger Organisation. Innerhalb der Europäischen Union läuft ein Streit darüber, wie Migranten verteilt werden sollen, die im Mittelmeer gerettet werden. 76 Migranten kamen unterdessen nach Angaben des Militärs auf Malta an, nachdem sie zuvor südlich der Inselrepublik gerettet worden waren.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten für Menschen, die nach Europa kommen wollen. Beim Versuch, es zu überqueren, kamen dieses Jahr nach IOM-Angaben bereits mehr als 680 Menschen ums Leben. Mehr als 3700 seien aufgegriffen und in Internierungslager in Libyen gebracht worden. Der nordafrikanische Staat ist ein Transitland für Tausende von Migranten.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
22:25 Uhr

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25. 07. 2019
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