Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Afghanistan: Siebentägige Deeskalationsphase gestartet

Eine Woche lang soll weniger Gewalt in Afghanistan herrschen, damit überhaupt in Richtung Frieden gedacht werden kann. Der Verlauf des ersten Tages nach dem offiziellen Beginn einer eingeschränkten Waffenruhe gibt Anlass zur Hoffnung.



Kontrollpunkt in Kabul
Soldaten der afghanischen Nationalarmee stehen an einem Kontrollpunkt in Kabul (Archiv). In Afghanistan läuft eine siebentägige Phase reduzierter Gewalt zwischen den Taliban und den US-Streitkräften.   Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

Im Krisenland Afghanistan ist es nach dem offiziellen Beginn einer siebentägigen Phase reduzierter Gewalt vergleichsweise ruhig geblieben.

Nach Angaben von lokalen Behördenvertretern kam es am Samstag nur vereinzelt zu kleineren Angriffen. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Freitag erklärt, dass die USA und die militant-islamistischen Taliban eine Vereinbarung erzielt hätten, die zu einer signifikanten Verringerung des Blutvergießens führen soll. Die eingeschränkte Waffenruhe hatte daraufhin am Samstag um Mitternacht Ortszeit begonnen.

Lokalen Behördenvertretern zufolge gab es in mindestens drei Provinzen des Landes kleinere Angriffe auf Kontrollposten, die den Taliban zugeschrieben wurden. In der nördlichen Provinz Balkh kamen demnach fünf Sicherheitskräfte ums Leben. Zwei Polizisten wurden den Angaben zufolge in der Provinz Urusgan verletzt.

Die «Reduzierung der Gewalt» wird von den USA als Test angesehen, der zeigen soll, ob die Taliban ihre Kämpfer tatsächlich kontrollieren können. Sollte eine Woche lang wirklich weniger Gewalt herrschen, dann wollen die USA und die Taliban ein weitergehendes Abkommen unterzeichnen - so kündigte es Pompeo an. Allerdings ließ Verteidigungsminister Mark Esper am Freitag vorsorglich wissen: «Wenn die Taliban den Friedenspfad ablehnen, bleiben wir darauf vorbereitet, uns und unsere afghanischen Partner zu verteidigen.»

Am Ende der Testphase wird entscheidend sein, wie Zwischenfälle bewertet werden. Denn wie die Gewaltverringerung konkret aussehen soll, blieb weitgehend unklar. Die Taliban hatten ihre Kämpfer in einer am Freitagabend veröffentlichten Erklärung aufgefordert, sich an den sieben Tagen strikt an ein ihnen auferlegtes «Programm» zu halten. Zudem sollten sie sich nur auf «Selbstverteidigung bei Verstößen» der anderen Seite vorbereiten. Es sei auch strengstens verboten, in die von der Regierung kontrollierten Gebiete zu gehen.

Im Gegenzug dürften die USA ihre Einsätze und Luftangriffe gegen die Taliban reduzieren oder gar stoppen. Präsident Aschraf Ghani erklärte, die afghanische Polizei und Armee würden in der Woche nur die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Al-Kaida-Extremisten und andere Terrorgruppen angreifen, aber nicht die Taliban.

Das mögliche Abkommen, das der Gewaltreduzierung folgen könnte, soll dann einen Zeitplan für den Abzug von US-Truppen sowie Garantien der Taliban beinhalten, dass Afghanistan kein Rückzugsort für Terroristen wird. Washington bereitet für den 29. Februar eine Unterzeichnung vor. Das Abkommen soll auch den Anstoß geben für innerafghanische Verhandlungen - die eigentlichen Friedensgespräche. Dabei geht es dann um eine Neuverteilung der Macht in dem Krisenland.

Die USA und die Taliban verhandeln seit Juli 2018 über eine politische Lösung des Afghanistan-Konflikts. Ursprünglich waren die USA mit der Forderung eines umfassenden Waffenstillstands in die Verhandlungen gegangen. Den konnten sie den Taliban, die Gewalt als ihren wichtigsten Hebel sehen und militärisch immer aggressiver auftraten, allerdings nicht abringen.

Im vierten Quartal 2019 gingen Nato-Angaben zufolge im Schnitt 90 Angriffe am Tag auf das Konto der Taliban und anderer bewaffneter Gruppen - bei mehr als einem Drittel davon gab es Verletzte oder Tote. Im Gesamtjahr wurden mehr als 10.000 Zivilisten Opfer der andauernden Konflikte und Anschläge: Mehr als 3400 Bürger starben und knapp 7000 weitere wurden 2019 verletzt, wie die UN-Mission in Afghanistan (Unama) in einem am Samstag veröffentlichten Bericht mitteilte.

Die Hoffnung ist, dass die Gewalt nach den sieben Tagen nicht wieder das vorherige Niveau erreicht. Es wird erwartet, dass einer der ersten Punkte bei den innerafghanischen Verhandlungen ein umfassender Waffenstillstand sein könnte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 02. 2020
15:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abdullah Abdullah Al-Qaida Aschraf Ghani Bin Laden Donald Trump Friedensverhandlungen Gewalt Islamischer Staat Krisenländer Mike Pompeo Polizei Polizistinnen und Polizisten Taliban Terroristen Terrormilizen Terrororganisationen und Terrorgruppen US-Außenminister US-Außenministerium Verteidigungsminister Waffenruhen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Donald Trump

23.02.2020

Mögliches USA-Taliban-Abkommen: Trump optimistisch

Eine Woche lang soll weniger Gewalt in Afghanistan herrschen, damit überhaupt in Richtung Frieden gedacht werden kann. Der Verlauf des ersten Wochenendes nach dem offiziellen Beginn einer eingeschränkten Waffenruhe gibt ... » mehr

Tote nach Anschlag auf Gedenkveranstaltung in Kabul

31.07.2020

Blutige Stunden vor dreitägiger Waffenruhe in Afghanistan

Für das islamische Opferfest einigten sich die Taliban und Afghanistans Regierung auf eine Waffenruhe. Doch kurz zuvor werden viele Menschen bei einem Anschlag getötet, an der Grenze zu Pakistan gibt es einen Zwischenfal... » mehr

Donald Trump

28.02.2020

Trump: USA und Taliban unterzeichnen Abkommen

Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der Geschichte der USA. Nun steht ein Abkommen mit den Taliban bevor. US-Präsident Trump kündigt an, seinen Außenminister Pompeo zur Unterzeichnungszeremonie nach Doha zu schic... » mehr

Große Ratsversammlung in Kabul

09.08.2020

Kabul: Ratsversammlung macht Weg für Friedensgespräche frei

Die Freilassung von 400 als besonders gefährlich eingestuften Taliban-Gefangenen galt als letzte Hürde vor innerafghanischen Friedensgesprächen. Eine große Ratsversammlung stimmte ihr jetzt zu. Endet der jahrzehntelange ... » mehr

US-Soldat in Afghanistan

01.03.2020

US-Abkommen mit Taliban sieht Abzug aller Truppen vor

Das Abkommen zwischen den USA und den Taliban soll ein erster Schritt zum Frieden sein - aber die harten Verhandlungen für eine innerafghanische Einigung stehen erst noch bevor. Wie schwierig sie werden, zeichnet sich sc... » mehr

Loja Dschirga

07.08.2020

Wie die Taliban eine Weltmacht überdauerten

In Afghanistan könnten bald Friedensgespräche der Regierung mit den Taliban den jahrzehntelangen erbitterten Konflikt im Land beenden. Dabei geht es um die politische Zukunft und die Neuverteilung von Macht. Doch wie sta... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC Coburg: Training und Media Day

HSC Coburg: Training und Media Day | 12.08.2020 Coburg
» 25 Bilder ansehen

WG: HSC - mögliche Aufmacher

WG: HSC - mögliche Aufmacher | 12.08.2020 Coburg
» 26 Bilder ansehen

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 02. 2020
15:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.