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Alternativer Nobelpreis an Korruptionsjäger und «Waldmacher»

Ein Bauer und ein Wissenschaftler lassen Wald in der Wüste wachsen. Drei junge Araber nehmen es mit einem totalitären Regime auf - und zwei Anwälte mit einem möglicherweise korrupten Präsidenten. Sie alle bekommen den Alternativen Nobelpreis 2018.



Thelma Aldana und Ivan Velásquez
Die Juristen Thelma Aldana und Ivan Velásquez decken in Guatemala Machtmissbrauch auf und verfolgen Korruption. Dafür erhalten sie nun den Alternativen Nobelpreis.   Foto: Maurizio Gambarini/Esteban Biba » zu den Bildern

Der Alternative Nobelpreis belohnt in diesem Jahr den Kampf gegen Korruption in Mittelamerika, Totalitarismus in Saudi-Arabien und die Dürre in Afrika. Ausgezeichnet wurden am Montag sieben Menschenrechtler und Umweltschützer von vier Kontinenten.

«In einer Zeit alarmierender Umweltzerstörung und des Versagens politischer Führung zeigen unsere Preisträger einen Weg in eine andere Zukunft», erklärte der Direktor der Right Livelihood Stiftung, Ole von Uexküll, in Stockholm. Der Right Livelihood Award, auch Alternativer Nobelpreis genannt, ist eine Auszeichnung in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen.

Den undotierten Ehrenpreis erhalten die Juristen Thelma Aldana und Ivan Velásquez, weil sie in Guatemala Machtmissbrauch aufdecken und Korruption verfolgen. Velásquez leitet die Internationale Kommission gegen Straflosigkeit der Vereinten Nationen (Cicig). Aldana war bis zum Frühjahr Generalstaatsanwältin in dem mittelamerikanischen Land und stieß zusammen mit Velásquez Ermittlungen gegen den inzwischen inhaftierten Präsidenten Otto Perez Molina an.

«Dieser Preis kommt zu einem besonders dramatischen Zeitpunkt im Kampf gegen Straflosigkeit und Korruption», erklärte Velásquez. Guatemala verweigert ihm derzeit die Einreise, nachdem er Mitte August eine Aufhebung der Immunität von Präsident Jimmy Morales für ein Strafverfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung forderte.

Von Uexküll betonte, die von Aldana und Velásquez geleistete Arbeit sei einzigartig. «Wir fordern Präsident Jimmy Morales auf, diese guatemaltekische Erfolgsgeschichte nicht zu beenden.» Auch der Deutsche Richterbund kritisierte, Velásquez' werde bei seiner Arbeit für die UN-Kommission behindert, man betrachte die Entwicklung in Guatemala «mit großer Sorge».

Die mit je rund 96.000 Euro dotierten Geldpreise gehen an den Bauern Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso und den Australier Tony Rinaudo, die sich beide dafür einsetzen, dass dürres, unfruchtbares Land in Afrika landwirtschaftlich genutzt werden kann. Sawadogo sei bekannt als «der Mann, der die Wüste aufhielt», erklärte die Stiftung. Er habe Bauern in Afrika geholfen, ihr Land wieder fruchtbar zu machen - und damit den Frieden in der Sahel-Zone unterstützt.

Auch der Agrarwissenschaftler Rinaudo gilt demnach als «Waldmacher», weil er eine Methode entwickelte, aus im Wüstensand verborgenen Wurzelsystemen neue Bäume heranzuziehen. So habe er nicht nur Wüstenbildung bekämpft, sondern auch Hunger und Verzweiflung. Zuerst sei Rinaudo als «verrückter weißer Bauer» bezeichnet worden, erklärte die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, für die der Australier im Einsatz ist.

Nach bahnbrechenden Erfolgen werde seine Methode inzwischen aber in mehr als 25 Ländern praktiziert. «Ich habe selten einen Menschen kennen gelernt, der mit solch einem Engagement an seinem Ziel festhält, die Welt wieder zu begrünen», erklärte der Vorstandsvorsitzende von World Vision Deutschland, Christoph Waffenschmidt.

Zum ersten Mal werden mit dem Preis zudem Menschenrechtskämpfer aus Saudi-Arabien ausgezeichnet: Abdullah al-Hamid, Mohammed Fahad al-Kahtani, Walid Abu al-Chair bekommen ihn, weil sie friedlich das autoritäre System ihres Landes heraus- und Menschenrechte einfordern. Sie setzen sich für eine Gewaltenteilung und die Abschaffung männlicher Vormundschaft ein, die den Frauen grundlegendste Rechte nimmt. Alle drei sitzen wegen ihrer politischen Aktivitäten im Gefängnis.

Die Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben. Er wird durch Spenden finanziert.

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dpa

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2018
16:51 Uhr

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24. 09. 2018
16:51 Uhr



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