Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Amri-Komplize wegen Anschlagsplänen in Deutschland angeklagt

War der Attentäter vom Breitscheidplatz ein Einzeltäter oder Teil eines terroristischen Netzwerks? Ein russischer Islamist, mit dem er 2016 Pläne für einen Sprengstoffanschlag geschmiedet haben soll, steht bald in Berlin vor Gericht.



Magomed-Ali C.
Magomed-Ali C. wurde am 22.08.2018 in Berlin verhaftet.   Foto: Uli Deck

Die Bundesanwaltschaft hat gegen einen Islamisten aus Berlin Anklage erhoben, der mit dem späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben soll. Magomed-Ali C. sitzt seit August in Untersuchungshaft.

Ihm soll es laut Anklage darum gegangen sein, «möglichst viele Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen». An dem Vorhaben, das von Polizisten gestört wurde, war neben dem Tunesier Amri auch ein inzwischen in Frankreich inhaftierter Komplize beteiligt, wie die Bundesanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Der aus Dagestan stammende 31-jährige C. ist russischer Staatsangehöriger. Er wird verdächtigt, im Oktober 2016 in seiner Wohnung «eine nicht unerhebliche Menge» des Sprengstoffs TATP aufbewahrt zu haben. Diesen soll er gemeinsam mit Clément B. beschafft oder hergestellt haben, der dafür zu ihm nach Berlin kam. Der Sprengstoff wurde bis heute nicht gefunden. Auf der Suche nach weiteren Mittätern sei Ende 2015 der Kontakt zu Amri entstanden, der allerdings zwischenzeitlich wieder abgebrochen wurde. Anfang Oktober 2016 habe sich Amri dem Vorhaben dann angeschlossen.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gesteuert und zwölf Menschen getötet. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Laut Bundesanwaltschaft wussten weder C. noch Clément B. von diesem Vorhaben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Trio durch einen Besuch der Berliner Polizei bei C. am 26. Oktober 2016 aufgeschreckt wurde und sich trennte. Die Beamten hatten geklingelt, um C. zu sagen, dass sie ihn auf dem Schirm haben. Von dem Sprengstoff, der damals möglicherweise in der Wohnung lagerte, sollen sie nach bisherigen Erkenntnissen nichts gewusst haben.

Der Leiter des Berliner Landeskriminalamtes, Christian Steiof, sagte im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz: «Eine Gefährderansprache zu machen, wenn ich konkrete Hinweise darauf habe, dass die vielleicht sogar an dem Aufenthaltsort, wo eine Gefährderansprache stattfinden soll, schon Sprengstoff herstellen sollen, ist schon aus Eigensicherungsgründen auf keinen Fall die klügste Lösung.»

Die Linke-Obfrau im Untersuchungsausschuss des Bundestages, Martina Renner, sagte: «Amri war Teil eines größeren dschihadistischen Netzwerks mit konkreten Anschlagsplänen.» Auch vor diesem Hintergrund sei diese «Gefährderansprache» falsch gewesen. «Damit wurde die Gruppe gewarnt und aufgescheucht.» Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser sagte: «Gegen Amri lief damals noch eine Telekommunikationsüberwachung und es gab Kameraaufnahmen. Beides wurde nicht konsequent ausgewertet.»

Clément B. verließ damals Berlin. Er wurde im April 2017 in Frankreich gefasst, wo er mit einem weiteren Komplizen einen anderen Anschlag vorbereitet haben soll. Magomed-Ali C. soll am Berliner Kammergericht der Prozess gemacht werden. Über die Anklage hatte zuvor «Zeit Online» berichtet.

Über andere Kontakte Amris war 2016 der marokkanische Geheimdienst auf den Tunesier aufmerksam geworden. Das geht aus Unterlagen hervor, über die das Bundeskriminalamt (BKA) im November 2016 die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern informierte. In einem Vermerk, den die Deutsche Presse-Agentur einsehen konnte, heißt es, Amri sei ein «Islamonaut» und wolle «ein Projekt» ausführen, über das er am Telefon nicht sprechen könne. Die Marokkaner baten das BKA damals um weiterführende Erkenntnisse zu Amri, sowie zu einem Marokkaner und einem Franko-Marokkaner, die zu seinem Kontaktkreis gehörten. Sie interessierten sich dabei besonders für mögliche Kontakte zu Angehörigen der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) in Syrien, Libyen oder dem Irak.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde damals gebeten, den Hinweisen aus Marokko nachzugehen. Wie im Untersuchungsausschuss des Bundestages zu dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz bekannt wurde, fragte der Nachrichtendienst aber lediglich beim US-Geheimdienst nach, was von den Hinweisen zu halten sei. Die Antwort der Amerikaner kam erst nach dem Anschlag.

Einen weiteren Islamisten, der mit Amri in Kontakt stand, will der Untersuchungsausschuss als Zeugen vernehmen. Der Tunesier Bilal Ben Ammar war allerdings im Februar 2017 in sein Heimatland abgeschoben worden. Es gibt Hinweise, dass er sich noch immer in Tunesien aufhält. Wann und wo ihm die Abgeordneten Fragen stellen könnten, ist ungeklärt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 03. 2019
12:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anis Amri Anschlagspläne Attentäter Bundesamt für Verfassungsschutz Bundesanwaltschaft Bundeskriminalamt Comega Programmiersprache Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Islamischer Staat Islamisten Polizei Sprengstoffanschläge US-Geheimdienste Untersuchungsausschüsse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Terroranschlag Breitscheidplatz

02.10.2019

Medien: BND hat bislang unbekanntes Amri-Video

Tage vor dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag von 2016 nahm der Attentäter ein Video auf, in dem er sich zum IS bekannte. Nun kommt heraus: Es gibt ein weiteres Video, in dem er mit Terror drohte. » mehr

Terroranschlag Breitscheidplatz

04.10.2019

Streit um Drohvideos des Weihnachtsmarkt-Attentäters

Ein Aufnahme, in dem Anis Amri eine Pistole in der Hand hat, soll nach dem Anschlag von einem ausländischen Geheimdienst an den BND weitergeleitet worden sein. Nun mehren sich in Berlin die Forderungen, das bisher unbeka... » mehr

Anis Amri

03.10.2019

Unbekanntes Amri-Video liegt Sicherheitsbehörden vor

Das Video, das der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter von 2016 vor seiner Tat aufnahm, ist nicht sein einziges. Ein weiteres liegt mehreren Sicherheitsbehörden vor - offenbar aber nicht den Untersuchungsausschüssen von ... » mehr

Amri-Untersuchungsausschuss

22.02.2019

Untersuchungsausschuss will Amris Freund vernehmen

Bilal B.A. war ein Vertrauter des Weihnachtsmarkt-Attentäters. Noch am Vorabend des Anschlags traf er Amri. Wollten die Deutschen ihn loswerden, weil er gefährlich war und bald aus der Haft entlassen werden musste? Oder ... » mehr

Sicherheitsmaßnahme

30.12.2018

Sechs Anschläge verhindert: Keine Entwarnung für 2019

Sicherheitsbehörden, die durch Hunderte von IS-Rückkehrern und Möchtegern-Dschihadisten herausgefordert sind. Riskante Grenzverschiebungen am rechten Rand. Auch wenn die Lage hierzulande besser ist als in Frankreich: Die... » mehr

Terroranschlag am Breitscheidplatz

26.02.2019

Grenzfahndung nach Amri-Freund vor Anschlag eingestellt

Die Liste der Fehler, Versäumnisse und Fehleinschätzungen rund um den Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz ist lang. Und sie wird immer länger. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Landkreis Kronach

Erinnerungen an die Kronacher Disco-Ära | 18.10.2019 Landkreis Kronach
» 11 Bilder ansehen

Kirchweih Lahm

Kirchweih Lahm | 15.10.2019 Lahm
» 16 Bilder ansehen

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 03. 2019
12:38 Uhr



^