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Brennpunkte

«Astro-Alex» muss sich neu auf der Erde einleben

Alexander Gerst hat der Raumstation ISS den Rücken gekehrt, seine Mission ist aber noch nicht beendet. Neben allerlei Experimenten muss sich nun sein Körper wieder an die Erde anpassen. Kreislauf, Muskeln, Knochen, Augen - im All hat sich viel verändert.



Ankunft
Astronaut Alexander Gerst bei seiner Ankunft am Flughafen Köln/Bonn.   Foto: Marius Becker » zu den Bildern

Astronaut Alexander Gerst stehen nach seiner Rückkehr aus dem Weltall anstrengende Tage bevor. Der Körper des 42-Jährigen muss sich wieder an die Erde gewöhnen - vor allem an die Schwerkraft.

«Ich werde Sport machen, viel einfach Muskelgruppen wieder aktivieren, Bewegungskoordination aktivieren», sagte Gerst in einem von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) verbreiteten Interview über das Programm, das nun auf ihn zukommt. Er habe jetzt erstmal zwei bis drei Stunden Rehabilitation am Tag vor sich.

Gerst ist seit Donnerstag zurück auf der Erde. Fast 200 Tage hatte er zuvor auf der Internationalen Raumstation ISS im All verbracht, bevor er in einer Sojus-Kapsel in Kasachstan landete. Für Gerst war es bereits die zweite Mission auf dem Außenposten der Menschheit. Am Donnerstagabend brachte ihn ein Flugzeug nach Köln, wo das sogenannte Envihab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) steht. In der medizinischen Forschungsanlage sollen sich Spezialisten um ihn kümmern.

«Der Anpassungsprozess findet bei den meisten innerhalb von drei Tagen statt. Bei manchen dauert es etwas länger, bei manchen kürzer», sagte Claudia Stern, Leiterin der Abteilung Klinische Luft- und Raumfahrtmedizin am DLR der Deutschen Presse-Agentur. Im All, in der Schwerelosigkeit brauche man zum Beispiel die Beinmuskulatur so gut wie gar nicht. «Wenn Astronauten nicht trainieren, verlieren sie im Extremfall bis zu 40 Prozent der Beinmuskulatur», erläuterte Stern. Treppensteigen etwa sei unter diesen Voraussetzungen erstmal eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Gerst hatte auf der ISS allerdings sein Sportprogramm eingehalten und kam relativ fit zurück.

In den ersten Wochen wird sich der Astronaut nun hauptsächlich mit «Baseline Data Collections» beschäftigen, wie Marco Trovatello, Sprecher des Europäischen Astronautenzentrums in Köln, erklärte. «Vereinfacht gesagt: Die Wiederholung einer Vielzahl an Bord der ISS durchgeführter wissenschaftlich-technischer Experimente.» Ziel dabei sei, die Daten vergleichen und bewerten zu können.

Die Feiertage hat «Astro-Alex» allerdings frei, er kann nach Hause. Er werde Weihnachten daher mit seiner Familie verbringen, sagte Gerst. Darauf habe er sich schon seit langer Zeit gefreut.

Welche Auswirkungen die extremen Bedingungen im All auf den Körper haben, kann man sich als Normalsterblicher kaum vorstellen. Es beginnt schon bei der Landung auf der Erde - wenn die Schwerkraft wieder voll zuschlägt. Astronauten beschreiben das einsetzende Schweregefühl, als wie wenn man sich in Treibsand oder in einem Moor bewegen würde. «Wenn man unten ankommt auf der Erde, dann ist man schon so ein bisschen müde», sagte Gerst. «Und dann fängt der wirklich anstrengende Teil dann auf dem Planeten an.» Mit jeder Bewegung kämpfe man gegen die Schwerkraft an. Allein den Arm zu heben sei komisch.

Blut fließt in den Kopf, Muskeln und Knochen bauen sich ab, Augen verformen sich - vieles verändert sich im All. Bis alles wirklich wieder in der Reihe ist, dauert es von Raumfahrer zu Raumfahrer unterschiedlich lang. «Knochenaufbau dauert am längsten, das kann ein bis zwei Jahre dauern. Augenveränderungen können in Einzelfällen auch bleiben», erklärte Ärztin Stern. Alles andere lasse sich in der Regel recht schnell wieder aufbauen.

Ob Gerst noch einmal zur Raumstation zurückkehren wird, ist ungewiss. Die bisherige Zeit dort oben erfüllt ihn aber mit Dankbarkeit. «Ich würde mich gerne bedanken bei den Menschen, die mir gefolgt sind auf dieser Reise», sagte er. «Die mir erlaubt haben, ihre Augen zu sein, die auf diesen Planeten runterschauen.»

Veröffentlicht am:
21. 12. 2018
15:56 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
21. 12. 2018
15:56 Uhr



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